Viel los beim Kostümverkauf im Opernhaus – doch die Versteigerungen klappten nicht

Theater Dortmund

Das Theater Dortmund verkaufte am Wochenende Kostüme im Opernhaus. Kaufen wollten am Samstag viele Dortmunder, doch als es ans Versteigern der tollsten Kostüme ging, hielten sie sich zurück.

von Inga Kausch, Matthias Langrock

Dortmund

, 10.11.2018, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viel los beim Kostümverkauf im Opernhaus – doch die Versteigerungen klappten nicht

Zwischen den Kleiderständern mit Kostümen aus dem Fundus des Opernhauses war am Samstag im Foyer des Hauses viel los. © Anke Sundermeier

Ein Sultan diskutiert mit einem König über die Länge seines Umhangs, ein kleiner Baum flitzt durch die Gegend, ein Kobold betrachtet seinen Bauch im Spiegel: Das Theater Dortmund bietet pünktlich zum Karnevalsauftakt am Samstag und Sonntag einen Teil seines Kostümfundus der Öffentlichkeit zum Verkauf an.

Clemens Becker arbeitet bei der Oper als Statist in der „Aida“. Am Wochenende half er mit vielen anderen Angestellten des Theaters beim Verkauf der Kostüme. Etwa 2500 Stücke standen zum Verkauf.

Reifröcke und eine undefinierbare Kopfbedeckung

Leni und Lina trugen ihre neuen Kostüme schon, während sie weiterstöberten. Die beiden hatten Reifröcke und eine undefinierbare Kopfbedeckung gefunden: ein Haarband, an dem Metallstangen mit leuchtenden Glaskugeln befestigt sind.

Viel los beim Kostümverkauf im Opernhaus – doch die Versteigerungen klappten nicht

Die elfjährige Lina war zusammen mit ihrer Freundin Leni im Opernhaus unterwegs - und weiß nun, was sie zu Karneval tragen kann. © Anke Sundermeier

„Wir wissen nicht genau, was das sein soll. Vielleicht ein ganz besonderer Pilz?“, spekulierten die Elfjährigen. Ihnen sei es am wichtigsten, ein ausgefallenes Kostüm für Karneval bekommen zu haben.

Viele maßgeschneiderte Unikate

Bei vielen Verkaufsstücken handelte es sich um Unikate, die in Handarbeit von den Kostümbildnern des Dortmunder Theaters maßgeschneidert worden sind, erzählte Verkäufer Becker. Jedes Jahr kämen durch die zahlreichen verschiedenen Aufführungen Tausende neue Kostümstücke in den Theaterfundus, sodass regelmäßig aussortiert werden muss, um Platz für Neues zu schaffen.

So konnten die Besucher vom Weihnachtsmannmantel bis zum Königsgewand nach einer kleinen Suche alles finden. Vielen liefen vollbepackt zwischen den Kleiderständern umher - und teilweise mit ausgefallenen Hüten und Masken auf dem Kopf, falls die Hände nicht mehr frei waren.

Kuriositäten wie ein Hut mit Affengesicht

Dazu kamen das Gelächter über besonders kuriose Kostüme wie den Hut mit Affengesicht, das Klappern von Kleiderbügeln und der Geruch von Stoffen aus den vergangenen Jahrzehnten. Seidengewänder, Fließmäntel und Mönchskutten hingen zwischen bestickten Haremshosen und Tüllkleidern.

Mittendrin war Nelly Haacke, die mit ihrer Familie aus Selm gekommen war. Der Vater der gebürtigen Dortmunderin hatte lange Zeit im Theater gearbeitet und für sie ist es wegen der vielen Unikate ein absolutes Muss, regelmäßig zum Kostümverkauf zu kommen.

Besondere Stücke mit viel Charakter

„Hier finden sich sehr besondere Stücke mit viel Charakter“, so Haacke, die gerade ein cremefarbenes Kleid mit Perlen und Pailletten anprobierte.

Doch auch Kleidung für den Alltag habe sie hier schon gefunden. „Das sind dann mal Kleidungsstücke, die nicht jeder hat!“, sagt die Selmerin.

Viel los beim Kostümverkauf im Opernhaus – doch die Versteigerungen klappten nicht

Trotz aller Mühen gelang es Opernintendant Heribert Germeshausen als Auktionator nicht, die Besucher zum Mindestgebot für eines der aufwendigen Kostüme zu bewegen. © Anke Sundermeier

Während die Verantwortlichen sich mit dem Interesse beim Verkauf der Kostüme zufrieden zeigten, sah dies allerdings bei der geplanten Versteigerung der schönsten und aufwendigsten Kostüme unter anderem aus der „Zauberflöte“ und von “Madame Butterfly“ anders aus.

Kein einziges Mindestgebot

Als der als Auktionator fungierende Opern-Intendant Heribert Germeshausen am Samstag um 11 Uhr die wertvollsten Stücke wie etwa das Kleid der „Papagena“ aus der „Zauberflöte“ aufrief, fand sich kein einziger Interessent bereit, auch nur das Mindestgebot zu zahlen, das teils bei 200 Euro und mehr lag. „Wir wollten die Stücke aber auch nicht weit unter Preis verkaufen“, sagte Opern-Sprecher Alexander Kalouti am Nachmittag auf Nachfrage.

Nach dem Misserfolg am Vormittag entschieden sich die Verantwortlichen, die für 13 Uhr geplante zweite Versteigerungsrunde gleich abzusagen. Am Sonntag wurde noch einmal verkauft, eine Versteigerung war aber schon im Vorfeld nicht geplant.

Was passiert mit den Kostümen?

Was das Opernhaus nun mit den Kostümen macht, stehe noch nicht fest, sagte Kalouti. Natürlich, so versichert er, werde man sie jetzt aber nicht wegwerfen oder Ähnliches.

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