Video zeigt Messerangriff in der Nordstadt - „Sowas erlebe ich hier öfter“

dzVersuchte Tötung

Es sind Szenen wie aus einem Kinofilm: Ein Video zeigt die Messerstecherei aus der Nordstadt, bei der zwei Männer schwer verletzt wurden. Der Urheber äußert sich.

Dortmund

, 27.07.2020, 19:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Männer brüllen sich an, werfen mit Gegenständen, Frauen kreischen, Autos hupen, am Ende ist die Polizei da: Am Freitagabend (24.7.) wurde in der Nordstadt kein Film gedreht - ein Mann (23) soll nach Angaben der zuständigen Ermittler zwei andere (22, 48) mit einem Messer schwer verletzt haben. Jetzt geht ein Video durch die Sozialen Medien, das Teile der Auseinandersetzung zeigen soll.

„Ich erlebe solche Szenen sehr oft“, sagt der Urheber des Videos im Gespräch mit dieser Redaktion. Der 22-Jährige, der in der Nordstadt wohnt und arbeitet, will seinen Namen an dieser Stelle nicht nennen.

„Es fing mit einem kleinen Streit an“, sagt der Zeuge

Er habe gesehen, wie sich die Auseinandersetzung auf der Münsterstraße/Ecke Mallinckrodtstraße entwickelt habe, bevor er das Smartphone auf die Szenerie hielt: „Es ist ein bisschen kompliziert“, sagt er. „Es fing mit einem kleinen Streit an und endete so, wie es auf dem Video zu sehen ist.“

Als Drehbuch würde sich das, was auf dem Video zu sehen ist, ungefähr so lesen:

Auf der Straße, Sommerabend.

Eine Gruppe von Männern steht einem Mann in schwarzen Anziehsachen auf dem Bürgersteig gegenüber.

Ein Mann aus der Gruppe wirft einen E-Scooter auf den Mann in Schwarz.

Ein Mann aus der Gruppe sagt zum Mann in Schwarz: „Pack das Messer weg!“.

Die beiden Parteien entfernen sich voneinander, die Gruppe geht dem Mann in Schwarz hinterher. Im Hintergrund sind Polizeisirenen zu hören.

Die Auseinandersetzung wechselt vom Bürgersteig auf die Straße.

Ein Mann aus der Gruppe geht dem Mann in Schwarz hinterher und schlägt mit einem E-Scooter auf ihn ein.

Der Mann in Schwarz hat ein Messer in der Hand und geht auf seinen Angreifer los.

Ein Schmerzensschrei ist zu hören.

Das sind nur gut 30 Sekunden aus dem etwa zweiminütigen Video, das online bereits tausendfach angesehen wurde. So wie auf einem Instagram-Account, der einen Teil des Videos als Repost veröffentlicht hat. Innerhalb von zwei Tagen gab es 15.670 Aufrufe (Stand: 27.7., 17 Uhr).

Am Ende überwältigen Polizisten den Messer-Angreifer

Danach geht die Auseinandersetzung weiter, immer mehr Menschen versammeln sich auf der Straße. Am Ende des Videos steht der Mann mit dem Messer, den Ermittlern zufolge wohl ein 23-Jährige aus Selm, mit dem Rücken an einer Hauswand. Drei Polizisten überwältigen ihn.

Am nächsten Abend berichten die Polizei und die Staatsanwaltschaft Dortmund in einer Pressemitteilung von dem Vorfall. Der 23-jährige Angreifer habe zwei Männer durch Messerstiche schwer verletzt, ein Richter habe wegen versuchten Totschlags Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Das Filmen von Straftaten „gehört dazu“, sagt die Polizei

„Vom Sehen kenne ich ihn“, sagt der Mann, der das Video aufgenommen hat. „Eigentlich ist er ein ganz ruhiger, ich weiß nicht, was mit ihm los war.“

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen. Am Montagnachmittag war hier niemand zu erreichen, um Auskunft über den aktuellen Stand und die Ursache der Auseinandersetzung zu geben.

Am Sonntag noch sprach die Staatsanwältin Sandra Lücke von Hinweisen auf eine psychische Erkrankung des mutmaßlichen Täters. Ebenfalls sei nicht auszuschließen, dass er zuvor selbst Opfer einer Straftat geworden sei.

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Für die Polizei Dortmund sei es kein neues Thema, dass derartige Vorfälle gefilmt und online veröffentlicht werden. „Mittlerweile gehört das dazu“, sagt Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt auf Anfrage. „Die Beamten kennen sowas.“

Es sei ein Phänomen, dass Menschen sich an Unfällen oder Straftaten ergötzen wollen. Diejenigen, die derartige Szenen filmen, sollten sich eher andere Fragen stellen, so Kupferschmidt: „Kann ich nicht lieber die Polizei rufen oder mich als Zeuge zur Verfügung stellen?“

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