Ist der vermisste Sohn in Dortmund? Mutter: „Da fängst du an zu hoffen“

dzSpur führt nach Dortmund

Natasja Alderliefste sucht seit vier Jahren nach ihrem Sohn Sidney. Jetzt hat die Niederländerin mehrere Tage lang Dortmund durchkämmt. Gleich mehrere Tipps führten sie in die Stadt.

Dortmund

, 19.11.2020, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Natasja Alderliefste hat in den letzten Jahren viel von Europa gesehen: Allein in den französischen Vogesen war die 50-jährige Niederländerin zahlreiche Male, in Portugal, in Belgien, in der Schweiz, im Schwarzwald. Es waren jedoch keine normalen Urlaube. Es waren Suchmissionen.

Über vier Jahre ist es her, da verließ ihr Sohn Sidney Lute, damals 19, das Haus seines Vaters - Alderliefstes Ex-Mann - nördlich von Amsterdam, um „Urlaub zu machen“, wie er sagte. Einen guten Monat lang hielt er per Handy noch Kontakt. Dann verschwand er.

Sidney Lute wollte nach Colmar reisen - und verschwand

Als die heißeste Spur ins französische Colmar erkaltete, wohin der naturbegeisterte und ruhige Sidney offenbar reisen wollte (er hatte ein Bahnticket dorthin gekauft), dehnte die Familie die Suche nach und nach auf halb Europa aus. „Er könnte überall sein“, sagte Alderliefste kürzlich dem niederländischen Sender RTL.

Sidney Lute ist seit 2016 verschwunden. „Er könnte überall sein“, sagt seine Mutter.

Sidney Lute ist seit 2016 verschwunden. „Er könnte überall sein“, sagt seine Mutter. © Polizei Noord-Holland

Anfang November führte Sidneys Mutter ihre Suche ins Ruhrgebiet, nach Dortmund. Sie hatte den Such-Steckbrief ihres Sohnes, den sie seit Jahren auf ihren Reisen verteilt, auf mehreren deutschen Vermisstenseiten im Internet geteilt - und schnell Antworten erhalten.

Gleich fünf Tipps zu Sidney Lute aus Dortmund

„Ich bekam gleich fünf Tipps, dass er in Dortmund gesehen worden sei“, schreibt sie unserer Redaktion per Mail. Sie alle stammten von Menschen, die behaupteten, dass Sidney auf Dortmunds Straßen lebe, als Obdachloser. „Das ist etwas ganz Besonderes“, so Alderliefste. „Manchmal bekomme ich hier oder da einen Tipp, aber mehrere Tipps aus einem Bereich - da fängst du an, Hoffnung zu haben.“

So machte sich Alderliefste trotz Corona auf, Sidney in Dortmund zu suchen: Sie organisierte sich eine Übernachtungsmöglichkeit, kreuzte auf einer Karte die Orte an, wo ihr Sohn in Dortmund gesehen worden sein soll, und reiste ins Ruhrgebiet.

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Ganze drei Tage lang lief sie durch Dortmunds Straßen, immer in der Hoffnung, in einem der Obdachlosen, die sie traf, ihren Sohn zu finden. Sie klapperte die Orte ab, die ihr von den Hinweisgebern genannt worden waren:

  • den Jack-Wolfskin-Store an der Petergasse am Westenhellweg
  • den Willy-Brandt-Platz an der Reinoldikirche, wo er angeblich rund um die Nachtbusse rumhänge
  • den Hauptbahnhof, wo er „zwischen den Gleisen 2 und 4“ betteln soll
  • den Westenhellweg, wo er betteln soll
  • den Hoeschpark, wo er nachts schlafen soll

Allen Obdachlosen und Bettlern, die sie traf, zeigte Alderliefste ihren Such-Flyer; sie ging systematisch jede Straße innerhalb des Walls ab; sie verteilte die Flyer und hing sie auf, unter anderem am Westenhellweg - nur Sidney fand sie nicht, nirgends.

Umsonst sei die Reise aber dennoch nicht gewesen, schreibt Alderliefste auf der Facebook-Seite, die sie für die Suche ihres Sohnes eingerichtet hat: „Noch nie hat eine Stadt so viel Eindruck auf mich gemacht.“

Dieses laminierte Suchplakat hängt seit kurzem am Westenhellweg vor der Petrikirche. Mit ihm wird Sidney Lute gesucht, ein junger Niederländer, der 2016 verschwand.

Dieses laminierte Suchplakat hängt seit kurzem am Westenhellweg vor der Petrikirche. Mit ihm wird Sidney Lute gesucht, ein junger Niederländer, der 2016 verschwand. © Thomas Thiel

Der Kontrast zwischen jungen Menschen, die sich einfach draußen mit Freunden treffen, und Gleichaltrigen, die nur wenige Meter weiter auf der Straße wohnen, sei groß: „Junge Kerle zwischen 17 und 25 Jahre alt, nach dem Gesetz Männer, schlagen um 20 Uhr ihr Lager unter dem Dach einer Busstation oder in der Türnische eines Ladens auf, um noch etwas Licht zu haben, damit sie vor dem Schlafengehen noch in einem Buch lesen können.“

Weitere Hinweise nach Rückkehr

Nachdem Natasja Alderliefste wieder zurück in den Niederlanden war, kamen zwei weitere Hinweise auf Sidney: Eine Frau schrieb, ihre Mutter sei sich sicher, dass sich Sidney bei ihrem nicht näher beschriebenen Info-Punkt die Hände desinfiziert habe. „Ist es Sidney oder ist es nur jemand, der wie Sidney aussieht?“, fragt sich Alderliefste.

Die Hoffnung, sie bleibt auch nach vier Jahren Natasja Alderliefstes ständiger Begleiter. Oft spendet sie Trost, doch manchmal ist sie auch eine Qual.

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