Vermieter verweigert Reparatur: Rentner (85) kommt seit Monaten nicht an seine Unterwäsche

dzMiet-Ärger

Ein 85-Jähriger kommt seit über einem halben Jahr nicht an seine Unterwäsche, Wäsche waschen kann er auch nicht. Eine Geschichte darüber, wie ein Wohnungskonzern mit einem Mieter umgeht.

Dortmund

, 26.06.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie es ganz genau dazu kam, dass Joachim Plambeck keine Sommerunterwäsche hat, kann der Rentner nicht mehr so genau sagen. Also, er kann schon. Aber nicht mehr im Detail, mit Datum und Uhrzeit. Plambeck ist 85 Jahre alt. Und es ärgert ihn, dass er auf die Schnelle seine Aufzeichnungen nicht findet. So oder so: Seit rund sechs Monaten steckt seine Sommer-Unterwäsche in einer alten Miele-Waschmaschine im Keller eines 1970 erbauten Wohnkomplexes.

Wie es dazu kam, lässt sich grob nachzeichnen. Und wenn man verstanden hat, um was es hier geht, geht es um mehr als um die Unterwäsche eines 85-Jährigen. Es geht darum, wie eines der ganz großen europäischen Wohnungsunternehmen - Grand City Properties - mit einem seiner Mieter umgeht.

Grand City Properties besitzt in Deutschland ausweislich seiner letzten Investoren-Präsentation in Deutschland 83.740 Wohnungen. Wenn man die Prozentzahlen in der Präsentation herunterrechnet, kommt man auf einen Bestand von rund 1580 Wohnungen in Dortmund.

Seit 2011 gehören zu diesem Portfolio auch 336 Wohnungen in Aplerbeck. Die hatte das Unternehmen 2011 von der damaligen Gagfah übernommen. Joachim Plambeck wohnt seit dem 1. Juli 2000 in einer dieser Wohnungen. 66 Quadratmeter für aktuell 492, 53 Euro warm.

Die Häuser waren Bestandteil des sozialen Wohnungsbaus

Als die Wohnungen gebaut wurden, waren sie Bestandteil des sozialen Wohnungsbaus, und das Land NRW schrieb die Einrichtung und die Ausstattung eines Gemeinschaftswäschekellers vor. Dafür und für die Preisbindung der Wohnungen wurde der Bau vom Land gefördert.

Als Plambeck 30 Jahre später einzog, sagte man ihm, dass die Waschmaschine und ihre Nutzung zur Wohnung dazugehört. So war es ja festgeschrieben. Die Preisbindung durch den sozialen Wohnungsbau lief zum 31. Dezember 2005 aus. Und in dem alten Vertrag wird der Waschsalon, so nennt Plambeck den Keller mit den alten Geräten, in nur einem Satz erwähnt: „Für jede Benutzung der maschinellen Wascheinrichtung, falls vorhanden, wird ein besonderes Entgelt erhoben.“ Über einen Münzschlitz an der Wand.

Zunächst kein großes Ding

Im Oktober 2018 bekam Plambeck Besuch. Seinem Besuch fiel auf, dass im Bad ein Wasserschaden war. Und ziemlich genau in diesem Zeitraum ging dann unten im Keller die Waschmaschine nicht mehr. Plambeck störte das zunächst nicht groß. Der Mann, 1933 geboren, hatte unter anderem drei Krebserkrankungen und einen Schlaganfall überstanden. Er griff zum Telefonhörer.

Grand City Property – so heißt die Hausverwaltung, die letztlich über den Umweg Zypern für die Aktiengesellschaft Grand City Properties tätig ist – gibt sich auf der Internetseite äußerst mieterfreundlich. In Serie werden dort zufriedene Mieter zitiert. Und auch auf Plambecks Anruf hin tat sich etwas. Die beiden Kästen, in die bisher das Geld eingeworfen wurde, wurden abmontiert.

Seitdem die Maschine tot ist, ist Plambecks Wäsche gefangen

Ein Irrtum, vermutete Plambeck. Wieder landete er in einem Callcenter. Immer ein anderer Mitarbeiter, dem er sein Problem erneut schilderte. Am Ergebnis änderte sich nichts, nur das Wäscheproblem wurde langsam größer. Plambeck schaltete den Mieterverein ein. Der, und das ist belegbar, schickte der GCP (Grand City Property) am 6. November 2018 eine Mängelanzeige. Verbunden mit der Aufforderung, den Wasserschaden und den Mangel an der Waschmaschine zeitnah zu beseitigen.

Eine Antwort hat der Mieterverein auf dieses Schreiben nie bekommen. Irgendwann um den Jahreswechsel herum dann tat sich doch etwas: Die Kästen für den Münzeinwurf waren wieder da. Plambeck freute sich. Schnell suchte er seine Wäsche zusammen, zunächst sollte die Sommer-Unterwäsche gewaschen werden. Er tat die Wäsche in die Maschine, steckte 50 Cent in den Schlitz, klappte die Maschine zu und als er den Startknopf betätigte, schaltete sich die Maschine ab. Seitdem ist Plambecks Wäsche gefangen.

Antworten bekam der Mieterverein nicht

Wie oft er inzwischen angerufen hat, weiß er nicht. Zehnmal vielleicht, vielleicht auch öfter, die Notizen hat er im Moment nicht griffbereit. Sicher ist, dass der Mieterverein am 14. Mai 2019 erneut einen Brief abgeschickt hatte. Eine Antwort gab es erneut nicht. Plambeck fährt jetzt ab und an mit Bus und Bahn in die Innenstadt, um dort in einem Waschsalon die Wäsche zu waschen. Drei Stunden braucht der 85-Jährige dafür. Wie die anderen Mieter waschen, weiß er nicht.

In seiner Küche ist ein Anschluss, daran hängt der Geschirrspüler. Ob in den Wohnungen Waschmaschinen angeschlossen werden könnten? Ob der Zustand im Keller wieder hergestellt wird? Wann das der Fall sein wird? Und wenn nicht, warum nicht - auf diese Fragen antwortet die Pressestelle von GCP: „Die betreffenden Wohnhäuser befinden sich nicht in einer Sozialbindung. Insofern lässt sich daraus auch keine Verpflichtung zur Bereitstellung von Gemeinschaftswaschräumen ableiten.“ Ungeachtet dessen sei es zudem so, „dass bei unseren dortigen Mietern auch nur eine sehr geringe Nachfrage nach diesen Gemeinschaftswaschräumen besteht.“ Die meisten hätten eigene Waschmaschinen. Zu Joachim Plambeck heißt es, das GCP-Team „hat sich (...) in der Vergangenheit bemüht, mit ihm in Kontakt zu bleiben und wird es auch in Zukunft sein.“

Für den Mieterverein bleibt der Zustand ein Unding. „Vollkommen verantwortungslos“ handele der Konzern, so Sprecher Dr. Tobias Scholz. Der Waschkeller müsse umgehend wieder in Betrieb genommen und Herr Plambeck entschädigt werden.

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