Verluste in Millionenhöhe: Westfalenhalle und Flughafen in der Krise

dzCorona-Folgeschäden

Die Coronakrise beschert den städtischen Unternehmen Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Nach aktueller Rechnung sind Einnahmen von rund 56 Millionen Euro weggebrochen - Ende offen.

Dortmund

, 18.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tiefpunkt war im April erreicht. Damals hoben gerade noch 3576 Passagiere vom Dortmunder Flughafen ab. Das sind 1,5 Prozent des Vorjahresniveaus, der Linienflugverkehr war um 96,8 Prozent eingebrochen. Doch die härtesten Zeiten dürfte der Airport hinter sich haben.

Der Flugverkehr fährt hoch, wenn auch längst nicht auf Vorjahresniveau. Inzwischen steuern die Maschinen von Wizz Air wieder 13 Ziele an. Guido Miletic, Marketingchef am Flughafen, geht davon aus, „dass im Juli rund 85 Prozent der bisherigen Destinationen angeboten werden“.

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Die Einnahmen sind dringend nötig. Im schlimmsten Fall könnten sich die Fluggastzahlen im Vergleich zum Rekordjahr 2019 mehr als halbieren. Damals strömten 2,72 Millionen Passagiere durchs Terminal. Inzwischen gibt es Szenarien, nach denen es 2020 knapp eine Million Passagiere sein könnten. Die Planungen sahen 2,95 Millionen vor.

Airport bangt um 15 Millionen Euro

Abhängig vom weiteren Verlauf des Flugverkehrs, rechnet der Airport aktuell mit Einnahmeverlusten von rund 15 Millionen Euro. Damit könnte sich das für 2020 geplante Defizit von 10,6 Millionen Euro auf 25 Millionen Euro erhöhen. Aus eigener Kraft wird der Flughafen den Schaden nicht meistern können.

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Deshalb schlagen der Airport und die „Mutter“ Dortmunder Stadtwerke (DSW21) gleich mehrere Pfade ein: Nach wie vor gibt es die Hoffnung, der Bund oder das Land NRW mögen notleidende Airports mit Zuschüssen unterstützen.

Aus diesem Grunde hat der Flughafen bei der EU-Kommission inzwischen Betriebsbeihilfen angemeldet. Gleichzeitig wirbt der Branchenverband ADV beim Bund um die Erstattung der Kosten, die Flughäfen entstanden sind, weil sie den Betrieb auch im Lockdown hoch halten mussten. Macht für Dortmunds Flughafen monatlich 1,4 Millionen Euro.

ÖPNV verlässt die Talsohle

Darüber hinaus verhandeln Flughafen und DSW21 mit der NRW-Bank um Kredite, mit denen die laufenden Kosten aufgefangen werden sollen. Zudem hat der Airport eine Rechnung mit dem Bund offen: Nach wie vor wartet man auf die 2019 zugesagten 1,6 Millionen Euro für die Kosten der Flugsicherung. Geld, das der Airport in Zeiten sinkender Liquidität dringend benötigt.

Die Talsohle war im April erreicht, als der Einzelticketverkauf bei DSW21 um 65,5 Prozent zusammenbrach.

Die Talsohle war im April erreicht, als der Einzelticketverkauf bei DSW21 um 65,5 Prozent zusammenbrach. © Gregor Beushausen

Massive Einbrüche auch bei Bussen und Bahnen. Die Ticket-Barverkäufe seien von Januar bis April im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent gesunken, sagt DSW21-Sprecher Frank Fligge. Die Talsohle erreichte DSW21 im Monat April mit einem Rückgang um 65,5 Prozent. Nach bisheriger Rechnung sind sechs Millionen Euro Einnahmen weggebrochen.

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„Das wird nicht das Ende der Fahnenstange sein“, sagt Fligge voraus. Genauere Prognosen seien zurzeit nicht möglich. Immerhin gehe es seit Ende Mai langsam bergauf: Zurzeit erreiche man „45 bis 55 Prozent“ des üblichen Fahrgastaufkommens.

Es gebe keine Überlegungen, das Angebot infolge der Pandemie auszudünnen, sagt Fligge. „Das ist nicht unser Plan.“ Der Topf, aus dem die ÖPNV-Verluste bundesweit ausgeglichen werden, wird mit fünf Milliarden Euro hälftig von Bund und Ländern gefüllt.

Die Westfalenhallen GmbH sehnt den September herbei, in dem das Messegeschäft behutsam wieder anlaufen soll.

Die Westfalenhallen GmbH sehnt den September herbei, in dem das Messegeschäft behutsam wieder anlaufen soll. © Gregor Beushausen

Stadt will Westfalenhalle helfen

Den Neustart sehnt man bei der Westfalenhalle herbei. Zahlreiche Messen und Veranstaltungen fielen aus oder mussten verschoben werden. Die Belegschaft ist seit Wochen in Kurzarbeit. Wie viel Umsatz der 100-prozentigen Stadt-Tochter verloren ging und wie die Mindereinnahmen auf das Ergebnis 2020 durchschlagen, wird Thema in der Aufsichtsratssitzung am Montag (22.6.).

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„Die Liquidität ist bis in den Sommer hinein gesichert“, sagt Stadtkämmerer und Beteiligungsdezernent Jörg Stüdemann. Die Stadt werde dafür sorgen, dass die Halle auch darüber hinaus zahlungsfähig bleibe.

Unter dem Strich sei den Stadt-Töchtern ein Schaden von insgesamt 56 Millionen Euro entstanden. Das, schränkt Stüdemann ein, sei ein Zwischenstand. „Wir haben jede Woche neue Lagebeschreibungen.“

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