Deutlich weniger Fahrgäste zählt DSW21 in Bussen und Bahnen. © Schaper

Verluste bei Bus und Bahn: Wie DSW21 gerettet werden soll

Weniger Einnahmen, aber volles Programm - die Corona-Krise stellt Verkehrsunternehmen wie DSW21 vor finanzielle Probleme. Jetzt gibt es aber hoffnungsvolle Zeichen.

Auch bei den Verkehrsunternehmen sind die Folgen der Corona-Krise zu spüren. Busse und Bahnen sind deutlich leerer, nicht nur, weil die Schulen zurzeit geschlossen sind. Im Vergleich zum letzten Nicht-Corona-Jahr 2019 habe man bis zur Hälfte der Fahrgäste verloren, bilanzierte jüngst Dr. Heinz-Josef Pohlmann, Betriebs- und Marketing-Leiter bei Dortmunds Verkehrsunternehmen DSW21.

Weil viele Abos weiterlaufen, sind die finanziellen Einbußen immerhin nicht ganz so groß. Die Erlöse aus Ticketverkäufen sanken 2020 auf 105 Millionen Euro gegenüber 126,4 Mio. Euro im Jahr 2019. Und der Trend habe sich durch den scharfen Lockdown in den ersten Monaten des Jahres 2021 fortgesetzt, teilte DSW21 jetzt mit. „Die Einnahmeverluste im ersten Quartal betrugen gegenüber dem letzten aussagekräftigen Vergleichsjahr 2019 rund 5,7 Mio. € – also 19 Prozent.”

Am Verkehrsangebot zu sparen, ist keine Alternative. Das Bundesinfektionsschutz-Gesetz fordert ausdrücklich, dass die Fahrzeuge nur bis zu 50 Prozent ausgelastet sein sollen, um ausreichend Abstand für die Fahrgäste sicherzustellen.

Das ist bei DSW21 meist auch der Fall. Busse und Bahnen fahren trotz der Ausgangssperre ab 22 Uhr bis in die Nacht, um Berufstätigen, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, weiter ein Angebot zu machen. Nur nachts zwischen 1 und 4 Uhr stellt DSW21 den Verkehr ein.

„Trotz erheblicher Einbrüche bei den Fahrgastzahlen haben wir unser Angebot sogar gezielt ausgebaut, damit sich die Fahrgäste möglichst gut in Bussen und Stadtbahnwagen verteilen können“, erklärt DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung. „Und wir haben zusätzlich einen Bus-Shuttle zum Impfzentrum eingerichtet.“

Neuer Rettungsschirm vereinbart

Das Ganze geht nicht ohne finanziellen Ausgleich. Für 2020 hat DSW21 20,9 Mio. Euro aus dem Rettungsschirm von Bund und Ländern für den öffentlichen Nahverkehr erhalten. Genutzt wurde das Geld nicht nur dafür, coronabedingte Verluste auszugleichen, sondern auch für Investitionen wie den Einbau von Schutzscheiben in sämtliche Busse.

Die Hoffnung war, dass es für 2021 eine ähnliche finanzielle Hilfe gibt. Und der Wunsch geht in Erfüllung: Bundesregierung und Bundesländer verständigten sich jetzt darauf, für 2021 einen Rettungsschirm II aufzuspannen, um den Verkehrsunternehmen zu helfen, die Corona-bedingten Einnahmeausfälle abzufedern.

Nach fünf Milliarden Euro im vergangenen Jahr stehen jetzt 2 Milliarden Euro bereit, erneut je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert. Die NRW-Landesregierung will rund 278 Millionen Euro als Finanzhilfe für die Verkehrsunternehmen freigeben. Jung: „Der Rettungsschirm wird uns auch in diesem Jahr helfen, die deutlichen Einnahmeverluste auszugleichen. Es war höchste Zeit für diese verlässliche Anschlussregelung.“

Beitrag zur Verkehrswende

Begrüßt wird das neue Rettungspaket auch von Oberbürgermeister Thomas Westphal, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender von DSW21 ist. Er ordnet die Finanzhilfe auch in die allgemeine klimapolitische Diskussion ein.

„Die jetzt zugesagten Hilfen sind dringend erforderlich, wenn man es mit der Verkehrswende und einem bürgernahen Mobilitätsangebot ernst meint“, meint Westphal. „Alle Klimapläne und Anstrengungen, um die Erderwärmung schneller und effektiver zu bremsen, sind schlicht Luftschlösser, wenn im Alltag der Nahverkehr in den Städten auf ein finanzielles Abstellgleis geschoben würde. Weitere Investitionen müssen folgen.”

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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