Verdächtiges Pulver in Briefen an mehrere Journalisten - ein Opfer schon früher bedroht

Verdächtige Briefe

Polizei und Feuerwehr waren in Brackel und am WDR-Studio Dortmund im Einsatz, weil Briefe mit verdächtigen Substanzen Journalisten erreicht haben. Das sind die aktuellen Entwicklungen.

von Patricia Friedek

Brackel

, 03.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Verdächtiges Pulver in Briefen an mehrere Journalisten - ein Opfer schon früher bedroht

Feuerwehr und Polizei sind in Brackel vor Ort. © Frank Bock/Archiv

Aktualisierung Donnerstag (4.7.), 13.31 Uhr:

Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen, weil Unbekannte Briefe mit einer verdächtigen Substanz an Journalisten versendet hatten. Der Fund führte zu einem großen Einsatz. Die Täter werden weiter gesucht. Um welche Substanz es sich bei dem weißen Pulver handeln könnte, ist nun klarer. Wie die Polizei am Mittwochmittag mitteilte, handelt es sich um einen ungefährlichen Stoff: „vermutlich Backpulver“, heißt es in der Mitteilung.

Zum Fall und zu den Ermittlungen äußerte sich die stellvertretende Polizeipräsidentin, Alexandra Dorndorf: „Freier Journalismus ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie. Berichterstattung durch Bedrohung von Journalisten zu beeinflussen oder gar zu verhindern, kommt einem Angriff auf die Werte der Demokratie gleich. Das nehmen wir nicht hin.“ Die Polizei setze alles daran, die Hintergründe der Tat aufzuklären. „Demokratiefeinden treten wir entschlossen entgegen.“

So berichteten wir bisher:

Sowohl am WDR-Landesstudio Dortmund als auch am Privathaus eines Journalisten in Dortmund-Brackel sind am Mittwochnachmittag (3.7.) Briefe mit verdächtigen Substanzen angekommen. Ein 48-jähriger Journalist hatte nach Informationen der Feuerwehr einen Brief aus seinem Briefkasten geöffnet, gleich darauf sei weißes Pulver aus dem Umschlag gerieselt. Auch beim WDR kamen mehrere Personen mit dem Pulver in Kontakt, wie Studioleiter Ralf Becker bestätigte. Die betroffenen Räume mussten gesperrt, die Mitarbeiter in Quarantäne genommen werden. Den Sendebetrieb beim WDR habe das nicht eingeschränkt, sagte Becker. Auch der 48-Jährige aus Brackel wurde sofort ärztlich betreut.

Später dann die Entwarnung: Nach einer Analyse durch eine Spezialeinheit Umweltschutz hat sich herausgestellt, dass es sich bei dem weißen Pulver um Backpulver handelte.

Journalisten, die sich mit Rechtsextremismus beschäftigen

Dennoch: Der Bereich um das Haus des Journalisten musste in der Zeit der Untersuchung großräumig abgesperrt werden. Ein Teilabschnitt des Breierspfades war zwischenzeitlich mehrere Stunden lang nicht befahrbar.

Wie der WDR berichtet, gingen beide Briefe an Journalisten, die sich mit der rechtsextremen Szene in Dortmund befassen. Der Brief, der an das WDR-Landesstudio Dortmund gerichtet war, war namentlich an einen Reporter addressiert, der die Neonazi-Szene intensiv beobachtet. Dieser hatte dem Bericht zufolge in der Vergangenheit bereits Drohungen erhalten. Dass der Brackeler Journalist sich ebenfalls mit Rechtsextremismus beschäftigt, bestätigte die Polizei vorerst nicht offiziell.

SoKo Rechts ermittelt

Auf der Rückseite der Briefe war laut WDR als Absender eine Hilfsorganisation für Neonazis angegeben. Die Polizei vermutet einen politischen Hintergrund. Die „SoKo Rechts“ hat nun die Ermittlungen übernommen. Der Staatsschutz ermittelt.

In der Vergangenheit kam es öfter zu Einsätzen solcher Art. Im April war in einem Geschäft an der Martener Straße in Marten ein Umschlag mit einem weißen Pulver gefunden worden. Später stellte sich dieses als Vitamin-C-Pulver heraus. Im selben Monat gab es einen Großeinsatz am Stadthaus Werne. Dort wurden Briefumschläge mit weißem Pulver verschickt, das sich später wie das Pulver am Mittwoch ebenfalls als Backpulver herausstellte.

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