Valentinstag: Der Tag der Liebenden ist keine Erfindung der Blumenindustrie

dzKolumne "Gott und die Welt"

Am Freitag (14.2.) ist Valentinstag, an dem sich Verliebte mit Blumen und Pralinen beschenken. Dass der Tag trotzdem mehr als Kommerz ist, erklärt Pfarrer und RN-Kolumnist Friedrich Stiller.

von Friedrich Stiller

Dortmund

, 14.02.2020, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Freitag (14.2.) ist der Valentinstag. Lange war das für mich nur der Festtag der Blumenhändler. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Denn ursprünglich handelt es sich sogar um einen kirchlichen Gedenktag. Bereits 469 würdigte Papst Gelatius damit den Heiligen Valentin, einen christlichen Märtyrer. 1500 Jahre später, es war 1969, wurde das Gedenken wieder abgeschafft.

Liebesgedicht aus dem Mittelalter

Da hatte sich der Valentinstag allerdings schon längst vom kirchlichen Anlass gelöst und war ein Festtag der romantischen Liebe geworden. Wie und warum, das weiß man nicht genau. Aber es muss schon im Mittelalter gewesen sein, denn wir kennen ein 600 Jahre altes Liebesgedicht zum Valentinstag.

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Ein französischer Adeliger – wer sonst – dichtete: „Ich bin schon krank vor Liebe, meine süße Valentine“. Große Bedeutung erlangt der Tag der Liebenden allerdings nicht in Frankreich, sondern erstaunlicherweise in England. Sogar Shakespeare schrieb darüber, und um 1800 war die Sache so weit gediehen, dass englische Drucker begannen, vorgefertigte Valentinskarten zu erstellen – schließlich ist nicht jeder ein Dichter.

Mitte des 19. Jahrhunderts seufzt ein Zeitgenosse, der Valentinstag sei wahrhaftig ein englischer Nationalfeiertag geworden. Zu der Zeit schwappt das Ganze dann auch in die USA, wo der Valentinstag heute die meisten Anhänger hat.

Valentinstag wird auch in Deutschland populär

Bis Deutschland mit dem Tag der Liebenden in Berührung kam, dauerte es noch einhundert Jahre. 1950 feierten amerikanische Soldaten in Nürnberg einen Ball zum Valentinstag. Jahre später waren es dann Fleurop und Co., die das Fest auch hier endgültig populär machten.

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Egal. Heute gehört der Tag irgendwie dazu und ist mir allemal lieber als das ebenfalls importierte Halloween-Grusel-Fest. Denn am Valentinstag geht es wenigstens um die Liebe. Und wie schön das sein kann, habe ich in der Schulzeit meiner Kinder gesehen. Da war es üblich, dass die Schülervertretung am 14.2. bestellte Rosen anonym überbrachte. Wenn man 14 oder 15 ist, ist das nun wirklich aufregend.

Besondere Gottesdienste für Liebende

Nach anfänglicher Zurückhaltung haben auch die Kirchen den Valentinstag wieder für sich entdeckt. Evangelische oder katholische Gemeinden, auch hier in Dortmund, greifen den Anlass auf und bieten besondere Gottesdienste für Liebende an. Eine außergewöhnliche Stunde mit dem geliebten Menschen, außerdem das Angebot, das Zusammensein unter Gottes Segen zu stellen – dagegen gibt es nun wirklich nichts einzuwenden.

Valentinstag: Der Tag der Liebenden ist keine Erfindung der Blumenindustrie

Friedrich Stiller © Archiv

Pfarrer Friedrich Stiller leitet das Referat für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund. In der Kolumne „Gott und die Welt“ äußert er sich in regelmäßigen Abständen zum Geschehen in Dortmund und der Welt.
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