Unterricht trotz Corona-Fällen: Grundschul-Leiterin ist „sehr besorgt“

dzInfektionen an Grundschule

Trotz zweier Corona-Kranker in der Belegschaft läuft der Betrieb in der Libellen-Grundschule in der Nordstadt weiter. Die Schulleiterin ist unzufrieden - besonders wegen einer Entscheidung.

Dortmund

, 17.06.2020, 20:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aktualisierung: Die Libellen-Grundschule ist am Freitag nun doch geschlossen worden.

Der Ursprungstext von Mittwoch:

Christiane Mika hatte Anfang der Woche ein schlechtes Gefühl. „Für zwei Wochen nochmal alles zu öffnen und auch das Risiko so zu erhöhen, finden wir problematisch“ sagte die Leiterin der Libellen-Grundschule in der Nordstadt am Montag (15.6.), als erstmals seit Beginn der Corona-Krise wieder alle ihre Schüler Unterricht hatten.

Zwei Tage später ist die böse Vorahnung bei der Pädagogin echter Sorge gewichen. Am späten Mittwochnachmittag (17.6.) wurde bekannt, dass sich zwei Beschäftigte der Grundschule an der Burgholzstraße mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben: Eine Lehrerin und eine Mitarbeiterin des OGS-Betriebs sind positiv auf Covid-19 getestet worden.

Ihre Schule im Vollbetrieb muss die Schulleiterin trotzdem geöffnet lassen. Am Donnerstag (18.6.) wird es ganz normal Unterricht geben, auch der Offene Ganztagsbetrieb bleibt offen. „Die Besorgnis im Kollegium ist sehr groß, und bei mir auch“, sagt Mika.

Das städtische Gesundheitsamt sah laut Mika keine Veranlassung, die Grundschule zu schließen. Das liegt an den näheren Umständen der beiden Erkrankungen.

Beide Corona-Kranken waren diese Woche nicht an der Schule

Die betroffene Lehrerin ist seit dem Wochenende krankgeschrieben, bei ihr traten die ersten Erkältungssymptome am Samstag auf, sagt Mika. Aufgrund des Feiertags war die Frau zuletzt am Mittwoch in der Schule. Eine Ansteckungsgefahr habe es aber maximal zwei Tage vor den ersten Symptomen gegeben, also frühestens am Donnerstag - das habe man ihr von Seiten des Gesundheitsamts gesagt, so Mika.

An der Libellen-Grundschule in Dortmund gibt es zwei Corona-Fälle.

An der Libellen-Grundschule in Dortmund gibt es zwei Corona-Fälle. © Frank Bock (Archivbild)

Etwas anders gelagert ist der Fall bei der erkrankten OGS-Mitarbeiterin: Sie habe keinerlei Symptome gezeigt, deshalb wisse man nicht, wie lange sie schon erkrankt sei. Bei ihr wurde die Infektion zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung am Montag festgestellt, erzählt Mika. Wie die betroffene Lehrerin sei sie zuletzt am Mittwoch auf dem Schulgelände gewesen.

Doch auch bei ihr sahen die Experten des Gesundheitsamtes die Ansteckungsgefahr offensichtlich als kontrollierbar an.

Kontakt zu Schülern nur durch Glasscheibe

„Sie hat an einem sehr abgestellten Bereich der OGS gearbeitet“, sagte Mika unserer Redaktion. Alle Abstandsregelungen und Hygienevorschriften wie etwa das Tragen eines Mundschutzes seien eingehalten worden. Zu den Schülern hatte sie nur indirekt Kontakt, „durch eine Trennscheibe“, so Mika.

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Drei weitere OGS-Mitarbeiterinnen, die Kontakt zur Infizierten gehabt haben, sind auf Anordnung des Gesundheitsamtes in häuslicher Quarantäne.

Keine flächendeckenden Tests an der Schule

„Ich vertraue darauf, dass das Gesundheitsamt weiß, was es tut“, sagt Mika. Was die Schulleiterin hingegen nicht versteht, sei die Entscheidung, dass es das Gesundheitsamt nicht für nötig halte, flächendeckend in der Schule auf Corona zu testen. „Es wird keine Testung des Kollegiums geben“, sagt Mika. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Wir haben ja alle auch Kontakt mit anderen Menschen.“

Das sieht Anke Staar, Vorsitzende der Stadteltern Dortmund, genauso: „Das ist nicht in Ordnung“, sagt sie unserer Redaktion. Wenn schon der Schulbetrieb weitergehe, sollten wenigstens alle Schüler und Lehrer durchgetestet werden. „Das ist sehr wichtig für das Sicherheitsbedürfnis und das Sicherheitsgefühl der Menschen.“

Warum das Gesundheitsamt auf eine Massen-Testung verzichtet und wie genau die Überlegungen hinter der Entscheidung waren, die Schule geöffnet zu lassen, war am Mittwoch nicht bekannt. Die Pressestelle der Stadt war am Abend nicht mehr zu erreichen.

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