Einer der tödlichen Unfälle 2020 in Dortmund: Ende Juni war in der A45-Abfahrt Eichlinghofen ein Bier-Lastwagen umgekippt. Der Fahrer starb. © Helmut Kaczmarek
Statistik 2020

Unfälle in Dortmund: Corona bringt Minusrekorde – aber auch mehr Gefahr

Weniger Unfälle, weniger Leicht- und Schwerverletzte – Corona hat der Dortmunder Polizei Minusrekorde beschert. Doch für einige Menschen wurde es 2020 auf den Straßen sogar gefährlicher.

Fast 22 Prozent weniger Unfälle allgemein, so wenige Verletzte wie seit 14 Jahren nicht mehr, ein absoluter Minusrekord, wenn es um Unfälle mit tödlichem Ausgang auf den Autobahnen um Dortmund herum geht – das Corona-Jahr 2020 hatte eindeutige Auswirkungen auf die Unfallstatistik der Polizei.

Doch auch wenn Polizeipräsident Gregor Lange das als einen „Silberstreif am Horizont“ beschreibt – gleichzeitig unterstreicht er: „Wir wissen das einzuordnen.“

Enormes Minus bei Unfällen am Stauende

Denn natürlich habe es weniger Verkehr gegeben, weniger Staus als Folge von Lockdown, geschlossener Geschäfte, Schulen, Kitas, mehr Homeoffice und weniger berufsbedingten und privaten Reisen. Die allerdeutlichste Auswirkung in der Statistik der Dortmunder Polizei: ein Minus von 47 Prozent bei Unfällen am Ende eines Staus.

2020 gab es eben deutlich weniger Stau – im Dortmunder Stadtgebiet, aber auch auf den Autobahnen, für die die hiesige Polizei zuständig ist und auf denen es sonst täglich Stau gibt: A1, A2, A44, A45.

1860 Verletzte, sechs Tote – und ein deutlicher Anstieg

1860 Menschen wurden im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen in Dortmund verletzt, 195 von ihnen schwer. Sechs Menschen starben: vier Fußgänger, zwei Autofahrer. Auf den Autobahnen um Dortmund herum waren es im gleichen Zeitraum zwölf.

Radfahrer kamen nicht zu Tode, doch bei ihnen sah der Trend 2020 ganz anders aus: 416 Radfahrer verunglückten – das sind rund 9 Prozent mehr als 2019. Bei den Pedelecs gab es sogar einen Anstieg von knapp 47 Prozent.

Helme für die Kinder, aber nicht für Erwachsene?

Warum dieser Anstieg? Ralf Ziegler, Leiter Direktion Verkehr, nennt mehrere Gründe: Einerseits seien mehr Menschen auf Fahrrädern und E-Bikes unterwegs gewesen. Andererseits beobachte er eine gewisse Nachlässigkeit.

Viele seien ohne Helm unterwegs – ein fataler Fehler, findet Ziegler. Was er absolut nicht verstehen könne: Wenn Eltern ihren Kindern Helme aufsetzen, sich selbst aber nicht.

Genug Geld für ein E-Bike, aber nicht für den Helm?

Besonders gefährlich sei es natürlich auf E-Bikes: „Wer sich ein teures Pedelec kauft, hat sicherlich auch noch 50 oder 100 Euro für einen Fahrradhelm“, so Ziegler.

Sorge bereiten ihm auch die Älteren auf Pedelecs sowie diejenigen, die keine geübten Fahrradfahrer sind, aber nun motorisiert mit bis zu 25 km/h unterwegs seien: Kann derjenige im Ernstfall tatsächlich bremsen, ausweichen, einen Zusammenstoß verhindern? Ziegler zweifelt.

Gefährlicher Trend: Mit Alkohol auf den E-Scooter

Ebenso im Trend und gefährlich: E-Scooter. Sie waren 2020 in fast doppelt so viele Unfälle verwickelt wie im Jahr zuvor: 38. Neben Zusammenstößen mit Radfahrern, Fußgängern, Skateboardfahrern habe es einige nächtliche Alleinunfälle gegeben, so Ziegler.

„Wenn man Alkohol getrunken und dann statt ins Auto auf einen E-Scooter steigt, ist das ebenfalls gefährlich. Vor allem, weil man nicht geübt ist.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff
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