Möglichst wenig in Innenräumen sein, Mitarbeiter mit Maske – Umzüge gehen auch in Corona-Zeiten weiter. © Björn Althoff
Infektionsrisiko

Umzug trotz Corona: Kommen Mitarbeiter mit Maske und getestet?

Mehrere Fremde in der Wohnung, obwohl man Freunde nicht einladen darf? Beim Umzug ist das erlaubt. Firmen-Chefs aus Dortmund erklären, warum - und wie Corona-Schutz bei ihnen aussieht.

Zwei Mann oben am Fenster, einer unten im Wagen, zwischen ihnen der Lastenaufzug. Die ersten Kisten fahren herunter, noch im Morgengrauen. Abstand halten? Nur einzeln in eine Wohnung gehen? Wie soll ein Umzugsunternehmen das schaffen? Anders gefragt: Wie wirkt sich Corona eigentlich aus auf den Alltag der Möbelspeditionen?

Umzüge sind „lebensnotwendige Dienstleistung“

„Das System kann und darf nicht abreißen“, sagt Yvonne Hohls, die Chefin bei Umzüge Bomballa. Was ja auch gesetzlich verankert sei. Man zähle zu den „lebensnotwendigen Dienstleistungen“, habe insofern viele Rechte, aber eben auch Pflichten den Kunden gegenüber.

Wie sich das Infektionsrisiko senken lasse, wenn viele Mitarbeiter zum Kunden in die Wohnung kommen? „Die schwere körperliche Arbeit treppauf, treppab kann man minimieren“, unterstreicht Thomas Köster, Geschäftsführer bei Umzüge Reichling. Möglichst eben den Lastenaufzug an die Straße stellen, das spare nebenbei auch Zeit.

Viel lüften, Desinfektionsmittel im LKW

Das hat den Nebeneffekt, dass alles automatisch corona-konformer läuft: Die ganze Zeit über ist das Fenster offen, es wird gelüftet. „Wir haben Desinfektionsmittel in den LKW und Masken in allen Variationen“, erklärt Reichling: „Wir müssen uns ja auch an die Bestimmungen halten.“

Es seien natürlich „erschwerte Bedingungen“, aber „sobald wir die Möglichkeit haben, das Risiko zu senken, machen wir es“, verdeutlicht Köster.

Infektionsrisiko? „Wir kennen das aus der Grippe-Zeit“

Ganz neu sei der Gedanke für Umzugsunternehmen ja auch nicht, findet Hohls. „Wir kennen das ja aus der Grippe-Zeit jeden Winter.“ Auch da gelte für die Mitarbeiter: Wer sich krank fühle, wer Symptome habe, solle lieber zuhause bleiben. Stecke einer die Kollegen an und man müsse dann Aufträge absagen, sei der betriebswirtschaftliche Schaden ja größer.

„Vier Mann in einem Möbelwagen – das geht also nicht. Und jetzt erst recht nicht“, konstatiert Hohls. Und natürlich sei auch ein Thema, was die Mitarbeiter in ihrer Freizeit dürften und was jetzt bitte nicht.

„Brauchen nur jemanden, der aufschließt“

Der Vorteil, den sie gegenüber Billig-Anbietern habe, so Hohls: einen festen Personalstamm. Und somit eben auch mehr Sicherheit und Verlässlichkeit.

Älteren, die zur Corona-Risikogruppe gehören, rät Hohls: Man müsse als Gefährdeter ja nicht selbst am Umzugstag vor Ort sein. Wem es sicherer erscheine, könne auch Kinder oder Enkel bitten, morgens zu öffnen. „Wir brauchen ja nur jemanden, der aufschließt. Tetris spielen auf dem Möbelwagen – das machen sowieso unsere Mitarbeiter.“

Maske? Schwierig bei langer körperlicher Arbeit

Regelmäßige Corona-Tests gebe es hingegen nicht, so Hohls. Das sei nach derzeitigem Stand zu aufwendig. Das Tragen von Masken sei generell möglich, allerdings nicht bei stundenlanger körperlicher Arbeit.

In diesem Punkt pflichtet Thomas Köster bei: Wer schleppt, muss gut Luft bekommen. Gerade deshalb sei es ja das Ziel, die körperliche Arbeit zu minimieren.

Im Punkt „Maske tragen oder nicht“ gibt es Unterschiede zwischen den Firmen. Manche ordnen es für die Mitarbeiter auch an.

Geschäft läuft weiter, eigentlich wie immer

Ansonsten laufe das Geschäft trotz Lockdowns fast unverändert weiter: „In der ersten Corona-Phase war ein deutlicher Rückgang zu spüren“, erinnert er sich. Seit Sommer aber sei die Auftragslage normal, so wie immer.

Nur in einem Punkt merke man Corona doch deutlich, so Yvonne Hohls: Die Auslandsumzüge seien nahezu komplett weggefallen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff
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