Polizei löst Brücken-Blockade von Umweltaktivisten in Dortmund auf

Extinction Rebellion

Umweltaktivisten der Gruppe Extinction Rebellion haben am Samstag eine Brücke in der Dortmunder Innenstadt besetzt. Am Ende löste die Polizei die Blockade auf.

Dortmund

, 01.08.2020, 11:31 Uhr / Lesedauer: 3 min
Rund 80 Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion blockierten am Samstag die Möllerbrücke im Kreuzviertel in Dortmund. Am Ende trug die Polizei die verbliebenen Demonstranten weg.

Rund 80 Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion blockierten am Samstag die Möllerbrücke im Kreuzviertel in Dortmund. Am Ende trug die Polizei die verbliebenen Demonstranten weg. © Thomas Thiel

Rund 80 Aktivisten der für ihre öffentlichkeitswirksamen Aktionen bekannten Umweltgruppe Extinction Rebellion haben am Samstag (1.8.) etwa gegen 10.30 Uhr die Möllerbrücke am Rande des Dortmunder Szenequartiers Kreuzviertel blockiert. Der Protest dauerte bis 18.30 Uhr an. Dann löste die Polizei die Blockade auf.

In einer offensichtlich von langer Hand geplanten Aktion hatten sich am Vormittag die Umweltaktivisten über alle vier Fahrbahnen an den jeweiligen Enden der Möllerbrücke verteilt. Vor sich hielten sie große Transparente, mit denen sie auf das Artensterben und den „Klimanotfall“ hinwiesen.

Es wurden mehrere Reden gehalten, unter anderem durch den Dortmunder Bundestagsabgeordneten und Ex-Sozialdemokraten Marco Bülow.

Eine Aktivistin von Extinction Rebellion malt mit Kreide ihre Botschaft auf die Möllerbrücke.

Eine Aktivistin malt mit Kreide ihre Botschaft auf die Möllerbrücke. © Thomas Thiel

Im Laufe des Nachmittags entwickelte sich die Blockade zu einer Art Sit-in: Die Plakate wurden an Wäscheleinen über die Fahrbahn gespannt, während sich die Demonstranten in kleinen Gruppen auf die Brücke setzten. Es wurde ein Camping-Pavillion aufgebaut. Einige diskutierten miteinander, während andere lieber in der schwülen Sommerwärme dösten.

Ab und an spielte jemand ein Lied auf der Gitarre, während andere Demonstranten mit Kreide Forderungen auf die Straße malten. Auf der Mittelinsel wurden zwei große Blumenkisten aufgebaut, unter anderem mit Zucchini, „für die Anwohner“, wie einer der Aktivisten sagte.

Einer von zwei großen Blumenkisten, den die Umweltaktivisten auf der Möllerbrücke aufstellten

Einer von zwei großen Blumenkisten, den die Umweltaktivisten auf der Möllerbrücke aufstellten © Thomas Thiel

Die Polizei hatte die Möllerbrücke direkt nach Beginn des Protests abgesperrt und den Verkehr umgeleitet. Anfangs war sie mit vielen Kräften vor Ort, am frühen Nachmittag reduzierte sie die Anzahl der Kräfte aber auf das Nötigste.

Auch wenn die Aktion nicht angemeldet sei, werde man sie „versammlungsfreundlich begleiten“, hieß es mittags von der Einsatzleitung der Polizei. Das eher geringe Verkehrsaufkommen und die nicht allzu zentrale Lage der Blockade mache die Grundrechtsabwägung einfach, so ein Einsatzleiter.

Aktivisten wollen, dass Dortmund bis 2025 klimaneutral wird

Mit der Aktion des zivilen Ungehorsams wollten die Aktivisten mehreren Forderungen Nachdruck verleihen, heißt es in einer offensichtlich vorbereiteten Pressemitteilung der Gruppe, die zeitgleich mit der Besetzung der Brücke an die Medien verschickt wurde.

Unter anderem will Extinction Rebellion, dass Dortmund bis spätestens 2025 klimaneutral wird und „Maßnahmen gegen die ökologische Katastrophe und das Artensterben“ umsetzt.

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Die Aktivisten kritisierten auch, dass die Stadt Dortmund die Aufstockung des RWE-Aktienpaketes angekündigt hat. Der Energiekonzern steht schon lange in der Kritik von Umweltaktivisten, nicht zuletzt wegen des Braunkohle-Tagebaus in Garzweiler und rund um den Hambacher Forst.

„Wir sprechen seit anderthalb Jahren über die Klimakrise, aber gehandelt wurde immer noch nicht. Stattdessen verbrennt die Stadt Dortmund zusammen mit RWE bis 2038 Kohle und blockiert eine ambitionierte Verkehrswende“, wurde Dominik Lange, Extinction-Rebellion-Aktivist aus der Ortsgruppe Dortmund, in der Pressemitteilung zitiert.

Umweltaktivisten lassen Polizei-Frist verstreichen

Im Laufe des Nachmittags plätscherte die Blockade lange Zeit vor sich hin, es passierte nicht viel. Einige Demonstranten verließen die Möllerbrücke.

Am Nachmittag ähnelte die Blockade auf der Möllerbrücke eher einem Sit-in.

Am Nachmittag ähnelte die Blockade auf der Möllerbrücke eher einem Sit-in. © Thomas Thiel

Doch nach über sechs Stunden Blockade kam Bewegung in die Szenerie am Rande des Kreuzviertels: Die Umweltaktivisten ließen eine Frist der Polizei verstreichen, die Brücke bis 17 Uhr zu räumen. Der harte Kern der Demonstranten - etwa zwei Dutzend Menschen - setzte sich auf die Fahrbahn und fingen an, alte Protestlieder zu singen.

Ton zwischen Polizei und Extinction Rebellion ist höflich

Die Polizei forderte die Umweltaktivisten mehrfach auf die Brücke zu räumen. Gegen 17.30 Uhr schlossen Polizisten einen Kreis um die Blockierer.

Der Ton zwischen den Parteien blieb jedoch die gesamte Zeit über sehr höflich: Immer wieder gab es Gespräche. Die Polizei ließ die Blockierer alle Transparente abhängen und verstauen. Auch gab es unmittelbar vor der Räumung der Brücke nochmals die Möglichkeit für die verbliebenen Blockierer, die Brücke freiwillig zu verlassen und so einer Personalienfeststellung zu entgehen.

Polizei trägt die Blockierer weg

Die 24 Umweltaktivisten, die sitzen blieben, wurden ab etwa 18 Uhr nacheinander von der Brücke getragen. Sie erwartet nun ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Gegen 18.30 Uhr war die Brücke geräumt, kurze Zeit später rückte die Polizei ab.

Die Brücke wurde wieder für den Verkehr freigegeben. Nur die Kreide-Slogans auf dem Asphalt erinnerten noch an die Extinction-Rebellion-Blockade - und die beiden großen Blumenkisten auf der Mittelinsel.

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