Umstrittenes 12-Millionen-Projekt – Kommt jetzt eine „halbe Brücke“ über die B54?

dzKritik an Geldverschwendung

Steuerverschwendung sieht der Steuerzahler-Bund im Plan für eine Brücke über die B54. Umweltverbände rücken aber von ihrem Nein ab - und präsentieren eigene, ungewöhnliche Pläne.

Dortmund

, 14.11.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als zu teuer und nutzlos, weil es wenige hundert Meter weiter eine Brücke über die B54 gibt, hat der Bund der Steuerzahler in seinem neuesten Schwarzbuch der Steuerverschwendung die Pläne für eine Rad- und Fußgängerbrücke über die B54 zwischen Phoenix-West und Rombergpark angeprangert.

Das gilt vor allem, seit die gescshätzten Kosten von anfangs 3,7 auf jetzt mindestens 12,1 Millionen Euro gestiegen sind.

Abgelehnt wurde das Vorhaben auch von den Unwelt- und Verkehrsverbänden. Doch die haben ihre Kritik jetzt modifiziert. Sie sprechen sich dafür aus, die Brückenbau-Pläne zu verändern - und nur einen Teil der Bundestraße zu überbauen.

Neubewertung nötig

In einem Schreiben an den Rat haben der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Allgemeinde Deutsche Fahrradclub (ADFC) die Arbeigtsgemeinschaft Reptilien- und Amphibienschutz (AGARD), der Naturschutzbund (NABU) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ihre „Neubewertung“ schon im Sommer erklärt und ihren Vorschlag erläutert - wie es heißt, gemeinsam mit der Firma Wilo.

Im Blick haben sie vor allem die Anbindung des Gewerbegebiets Phoenix-West und des Wilo-Campus‘ mit der neuen Fabrik des Pumpenherstellers Wilo an die Stadtbahnstation Rombergpark. „In diesem Zusammenhang ist die Bedeutung eines Brückenschlages über die B54 in neuem Licht zu sehen“, heißt es in dem Schreiben.

Es müsse die Chance genutzt werden, die Stadtbahn besser an die Gewerbegebiete anzubinden. „Nur durch bessere Angebote kann man die Beschäftigten motivieren, auf den umweltfreundlichen ÖPNV umzusteigen und dazu beizutragen, die von allen gewünschte Verkehrswende zu vollziehen“, heißt es in dem Schreiben.

Verzicht auf Brücke in den Park

Um das zu erreichen, schlagen die Verbände eine wesentlich Umplanung des Brückenprojekts vo:

Nötig sei vor allem eine Brücke über die östlichen Fahrbahnen der B54. Erst in einem zweiten Schritt könne man dann über einen zweiten Brückenteil über die Nortkirchenstraße bis zum Landschaftskeil auf Phoenix-West nachdenken.

Auf die Brücke über den westlichen Teil der B54 von der Stadtbahnstation bis zum Rombergpark wollen die Verbände ganz verzichten. Über den Ausgang der Station an der Nortkirchenstraße gebe es bereits einen kurzen und barrierefreien Weg zum Botanischen Garten Rombergpark und dem dort geplante Bauprojekt Romberghöfe. Deshalb brauche man keine Brückenverbindung mit langen Rampen und entsprechend starken Eingriffen in „einen ökologisch wertvollen Naturraum“.

Soll heißen: Von dem eigentlich dreiteiligen Brückenprojekten soll nur ein Teil - nämlich zwischen Nortkirchenstraße und B54 - realisiert werden. Über die Bundesstaße gäbe es dann nur eine halbe Brücke.

„Architektonisches Tor“

Bei Verwaltung und Politik stieß der Vorschlag allerdings auf wenig Begeisterung. Die Stadtplaner verweisen vor allem auf die weit über die Stadtbahnstation hinaus reichende Vernetzungsfunktion des Brückenübergangs zwischen Phoenix-West und dem Botanischen Garten Rombergpark.

Nicht zuletzt solle der Brückenschlag über die B54 auch ein „architektonisches Tor“ und „besonderes Erkennungsmerkmal mit hoher Gestaltqualität“ werden. Mit einer „halben Brücke“ sei das nicht zu erreichen.

Den Eingriff in den ohnehin schon vor Jahren gerodeten Böschungsbereich westlich der B 54 für die nötigen behindertengerechten Rampen hält die Stadt für vertretbar. Durch eine Neugestaltung könne ein Schallschutz für die geplante Romberghöfe geschaffen werden, mit der die Böschungen zugleich ökologisch aufgewertet werden könnten.

Wie berichtet, hat der Rat die Verwaltung beauftragt, mit dem Land über eine neue Förderung des (kompletten) Brückenprojekts zu verhandeln und die Pläne zu aktualisieren. Dabei soll durchaus auch die bessere Anbindung an den Wilo-Campus eine Rolle spielen.

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