Antisemitismus-Vorwurf: Umstrittene Kabarettistin tritt in Dortmund auf

dzFZW

Das Haus der Jugend veranstaltet im FZW eine Veranstaltung mit einer Kabarettistin, die zuletzt eine Diskussion über künstlerische Freiheit und Antisemitismus entzündet hat.

Dortmund

, 16.09.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da brach ein richtiger Shitstorm über die Kabarettistin Lisa Eckhart herein: Viele überregionale, größere Tageszeitungen berichteten über sie, allerdings nicht unbedingt positiv: Der Kabarettistin wurde vorgeworfen, antisemitische, rassistische und frauenfeindliche Inhalte in schöne Sprache zu verpacken und an ihr Publikum als Witz zu verkaufen. Am 13. November nun soll die umstrittene Kabarettistin im Dortmunder FZW auftreten.

Witze mit antisemitischen Klischees

Hintergrund der Debatte waren unter anderem Äußerungen aus ihrem Programm von 2018. Bei den Mitternachtsspitzen im WDR griff die Österreicherin damals die jüdische Herkunft einiger Strafttäter in der MeToo Debatte auf, etwa Harvey Weinstein oder Woody Allen.

Das Video von dem Auftritt ist bei Youtube noch zu sehen. So sagte sie: Es sei „nur gut und recht, wenn wir den Juden jetzt gestatten, ein paar Frauen anzugreifen. Mit Geld ist ja nichts gutzumachen. Ich meine, den Juden Reparationen zu zahlen, das ist wie Didi Mateschitz ein Red Bull auszugeben." Dietrich Mateschitz ist Gründer und Besitzer von Red Bull.

Neben Juden bekamen in der Sendung auch Schwarze, Rollstuhlfahrer oder Homosexuelle ihr Fett weg: "Wenn die unantastbaren beginnen, andere anzutasten, der feuchte Albtraum der politischen Korrektheit. Die heilige Kuh hat BSE."

Verzögerte Reaktion

Die Debatte über den Inhalt des Programms kam nach dem Anschlag in Halle im November 2019 auf. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen sagte der Bundesbeauftragte für Antisemitismus, Felix Klein, die Äußerungen der Kabarettistin seien "geschmacklos und kritikwürdig."

Andere Politiker wie Volker Beck von den Grünen legten nach, und schließlich wurde Eckhart vom Harbour Front Literaturfestival in Hamburg ausgeladen. Allerdings den Angaben nach nicht wegen der zuvor kritisierten Witze.

Wie der Spiegel unter Berufung auf interne Mails der Veranstalter berichtete, wurde die Künstlerin ausgeladen wegen Drohungen linksextremistischer Gruppen in Hamburg. Die Veranstalter fürchteten um die Sicherheit der Darstellerin und um Sachschäden, die die Randalierer anrichten könnten, hieß es dort.

Den Stimmen von Beck und Klein standen andere gegenüber, die die Meinungsfreiheit respektive die künstlerische Freiheit durch diese Drohungen gefährdet sahen, wie die des Kabarettisten-Kollegen Dieter Nuhr auf Facebook: „Wir müssen nun endlich darüber diskutieren, was Freiheit der Rede heute noch bedeutet. Wer Lisa Eckart Antisemitismus vorwirft, muss entweder geistesgestört sein oder böswillig."

Corona einzige Sorge für Veranstaltung in Dortmund

Nach einigem Hin und Her trat Eckhart letztlich doch auf, und ihr Management erklärte auf Nachfrage gegenüber unserer Redaktion: "Wir waren (...) zur Lesung dort und alles wurde wie üblich abgewickelt. Daher finden alle Veranstaltungen, sofern sie nicht wegen Corona abgesagt beziehungsweise verschoben wurden, wie geplant statt."

Das betrifft auch die Veranstaltung in Dortmund - allerdings nur vorerst, denn wie Dieter Kottnik vom Haus der Jugend, dem Veranstalter für die Vorstellung im FZW, sagt: „Bisher ist nicht gesichert, ob die Veranstaltung überhaupt stattfindet. Allerdings nicht wegen des Inhaltes, sondern wegen Corona."

Sowieso hätten sie momentan ganz andere Probleme. Sobald gesichert sei, dass es überhaupt Veranstaltungen gebe, dann könne man auch über dieses Thema sprechen.

Ohnehin scheint sich die alte Binsenweisheit „Es gibt keine schlechte Werbung“ zu bewahrheiten - denn trotz (oder vielleicht sogar wegen) der Diskussionist die Veranstaltung von Eckhart in Dortmund bereits vollständig ausverkauft - wenn sie denn stattfindet.

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