„Über Trinkgeld redet man nicht“ - Dieser Kellner vom Alten Markt tut es trotzdem

dzGastronomie in Dortmund

Wie viel Trinkgeld bekommt ein Kellner pro Tag? In der Branche wird nur ungern darüber geredet. Ein Kellner vom Alten Markt macht für uns eine Ausnahme – und verrät auch seine Lieblingsgäste.

Dortmund

, 28.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Deutschland gehört es zum guten Ton, in der Kneipe, im Café und im Restaurant beim Bezahlen der Rechnung ein Trinkgeld für den Kellner dazulassen. Doch wie viel das sein muss, darüber kann man im Freundeskreis lang und breit diskutieren.

Dennis Itani kellnert seit seiner Jugend, seit 2017 bedient er hauptberuflich Gäste im „Zum Alten Markt“ gegenüber der Adler-Apotheke. Der 27-jährige ist ausgebildete „Fachkraft im Gastgewerbe“ – und Kellner mit Herz und Seele: „Ich liebe meine Arbeit“, sagt Itani bei unserem Treffen am Tresen der urigen Gaststätte.

„Das gibt nur Ärger unter den Kollegen“

Es ist erst 11 Uhr, noch ist wenig los bis auf ein paar Rentner, die draußen in der Sonne das erste Bier des Tages trinken. Itani hat also etwas Zeit zu quatschen. Und Itani quatscht gerne, sehr gerne. „Hol auch mal Luft“, sagt der etwas mürrische Kollege hinter der Theke ab und an in Itanis Redeschwall hinein.

Itanis Lust am Reden hilft auch bei einem heiklen Thema unter Kellnern: dem Trinkgeld. „Eigentlich spricht man nicht darüber, das gibt nur Ärger mit den Kollegen“, sagt ein älterer Kellner, der gerade mit einem Tablett an uns vorbeigeht. Manchmal sind auch die Chefs Auslöser von Trinkgeld-Streit: Vor einer Weile warnte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, dass einige Arbeitgeber in der Gastronomie ihr Personal um Teile ihres Trinkgelds betrügen, indem sie es einsammeln und dann nicht komplett verteilen.

„Alter Markt ist alte Schule“

Das kann im „Zum Alten Markt“ nicht passieren. „Wir sagen immer: ,Alter Markt ist alte Schule‘“, erklärt Itani und meint damit, dass hier jeder Kellner für sein eigenes Trinkgeld verantwortlich ist. Ab und an stecken die Kellner dem Barkeeper etwas zu, als Dank fürs schnelle Zapfen („Zu wenig“, grummelt der Kollege hinter der Theke), aber schon das Küchenpersonal bekommt nichts mehr vom Trinkgeld.

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Itani sieht Trinkgeld als Anerkennung für die harte Arbeit der Kellner: „Kellnertechnisch bist du am Alten Markt in der Endstufe“, sagt er, „man kommt hier täglich an seine Grenzen.“ Besonders an sonnigen Wochenenden und bei BVB-Spielen sei man eigentlich die ganze Zeit am Rotieren. Doch auch an solchen Tagen seien Fehler bei der Aufnahme der Bestellung, zu lange Wartezeiten oder fehlende Freundlichkeit „Trinkgeldtöter“.

Chinesen geben kaum Trinkgeld, Russen reichlich

Wie hoch ein anständiges Trinkgeld ist, dazu hat Itani eine klare Meinung: „Zehn Prozent wären ein Traum!“ Das Problem ist nur: Wenn es wirklich ans Bezahlen geht, ist der Deutsche meist knauseriger. Bei einer Rechnung von 7,80 Euro auf 8 Euro aufzurunden, sei ein Klassiker, meint Itani. Besonders schlimm seien Franzosen, Spanier, Holländer oder auch Chinesen: „Bei denen kriegt man wenig bis gar kein Trinkgeld.“ Das sei auch eine kulturelle Sache: In China zum Beispiel würden Kellner Trinkgeld fast schon als Beleidigung empfinden.

Doch es gibt auch bedeutend spendablere Touristen. Itani erinnert sich gerne an fünf Russen auf Deutschland-Tour, die sich an einem Abend im Alten Markt durch die Bierkarte tranken. „Die haben mir 150 Euro Trinkgeld gegeben – bei einer Rechnung von 119 Euro!“ Den Grund glaubt Itani zu kennen: „Die Russen geben nur gut, wenn du auch performst.“ Da sei das nächste Bier schon da gewesen, als noch ein Drittel im alten Glas war, hier ein paar witzige Bemerkungen, da eine Empfehlung. „Und reden kann ich“, sagt Itani und grinst.

Auch wenn er sich selbst als „Trinkgeld-Maschine“ bezeichnet, seien solche Beträge schon außergewöhnlich, schränkt Itani ein. „An normalen Tagen sind es eher 50 Euro Trinkgeld pro Schicht“, sagt Itani. Das verschmitzte Lächeln, das er dabei auf den Lippen hat, lässt vermuten, dass er relativ häufig überdurchschnittliche Tage hat.

Zur Sache

Trinkgeld ist steuerfrei

  • Freiwillig gegebene Trinkgelder müssen laut Einkommenssteuergesetz nicht versteuert werden.
  • In Deutschland gilt die Faustregel, zwischen fünf und zehn Prozent Trinkgeld zu geben.
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