Weniger Kriminalität – aber Zahl der Anzeigen wegen Sex-Delikten steigt

dz„Wird alles schlimmer“-Debatte

Wird alles immer schlimmer oder wird Dortmund immer sicherer? Die Dortmunder Polizei hatte diese Dauer-Debatte zuletzt auf Facebook aufgegriffen - und liefert jetzt konkrete Zahlen dazu.

Dortmund

, 07.08.2019, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Kriminalitätsstatistik geht die Zahl der Straftaten zurück. Gleichzeitig beschreiben viele Bürger ein Gefühl wachsender Unsicherheit. Die Polizei hat nun eine Halbjahresbilanz für 2019 veröffentlicht. Bereits am 2. August hatte das Polizeipräsidium Dortmund auf seinem Facebook-Account die Frage gestellt: „Wird wirklich alles immer schlimmer?“. Hunderte Facebook-Nutzer hatten daraufhin mit der Polizei diskutiert. Die Kriminalitätsstatistik für die ersten sechs Monate soll dem laut der Behörde nun Fakten entgegenstellen.

In der ersten Jahreshälfte 2019 wurden in Dortmund und Lünen 32.464 Straftaten angezeigt. Dies sind rund 11.000 weniger als im Vergleichszeitraum 2016 (43.587 Delikte). 2018 gab es zwischen Januar und Juni 37.007 angezeigte Straftaten. Seit 2014 ist die Fallzahl in Dortmund und Lünen von 93.855 auf 71.818 (Jahr 2018 gesamt) gesunken.

Die Zahl der angezeigten Sexualstraftaten ist deutlich gestiegen

Steigende Fallzahlen gibt es in einem Teilbereich: Bisher sind im laufenden Jahr 409 Sexualstraftaten registriert worden. Das bildet einen Trend der vergangenen Jahre ab. Seit 2015 steigt die Zahl der angezeigten Sexualstraftaten an. 2018 gab es insgesamt 858 angezeigte Fälle.

Dies führt die Polizei auch auf eine Änderung im Strafgesetzbuch zurück, aber auch auf gesellschaftliche Debatten (#metoo) und Initiativen wie die „Nein heißt Nein“-Kampagne der Dortmunder Frauenberatungsstelle, mit denen Opfer von Sexualstraftaten oder sexualisierter Gewalt ermutigt werden, die Täter anzuzeigen.

Diese Zahlen weist die Halbjahresbilanz für einzelne Arten von Straftaten aus:

Gewaltkriminalität:

  • 2016: 1711
  • 2017: 1521
  • 2018: 1456
  • 2019: 1278

Straßenkriminalität:

  • 2016: 11.114
  • 2017: 8561
  • 2018: 8285
  • 2019: 6742

Wohnungseinbruchsdiebstahl:

  • 2016: 2074
  • 2017: 1336
  • 2018: 1053
  • 2019: 818

Raub auf öffentlichen Wegen und Plätzen:

  • 2016: 250
  • 2017: 213
  • 2018: 175
  • 2019: 152

Taschendiebstahl:

  • 2016: 3378
  • 2017: 2220
  • 2018: 2078
  • 2019: 1374

Laut Polizei werden 58 Prozent der Straftaten aufgeklärt - dies sei der höchste Wert seit Jahrzehnten. In der Polizeiwache Nord lag die Aufklärungsquote in der ersten Jahreshälfte 2019 bei 65 Prozent - bei einer insgesamt deutlich sinkenden Zahl an Straftaten. Dies sei auch ein Ergebnis der Schwerpunkt- und Präsenzeinsätze im Kampf gegen kriminelle Strukturen.

Die Diskussion über das persönliche Sicherheitsgefühl bleibt

Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange erklärt: „Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, ist deutlich gesunken. Ich warne deshalb davor, denjenigen auf den Leim zu gehen, die aus politischem Kalkül mit gezielter Desinformation Angst schüren, um daraus Kapital zu schlagen und die Deutungshoheit für sich in Anspruch zu nehmen.“

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Die Diskrepanz zwischen Statistik und persönlichem Sicherheitsgefühl bleibt trotz der aktuellen Zahlen bestehen. Die Veröffentlichung der Werte am 6. August (Dienstag) war bei Facebook erneut von einer intensiven Diskussion begleitet. Dabei ging es um die allgemeine Glaubwürdigkeit von Polizeistatistiken. Aber auch um Details bei der Erfassung von Straftaten - wie die Frage, ob drei Einbruchsversuche in einem Haus als eine oder drei Straftaten registriert werden (Antwort: eine).

Polizeipräsident Gregor Lange nennt jedoch eine „nicht akzeptable“ Ausnahme in dieser positiven Entwicklung: die steigende Zahl an Respektlosigkeiten, Beleidigungen und tätlichen Angriffen auf Polizisten. „Dagegen gehen wir in Dortmund mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen vor“, sagt Lange.

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