Zahlreiche Dortmunder Parks sind wegen der gefährlichen Eichenprozessionsspinner gesperrt. Viele Dortmunder setzen sich darüber hinweg. Die Stadt sieht sich außerstande, zu kontrollieren.

Dortmund

, 11.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Es war ein schönes, vielfach sonniges Pfingstwochenende. Hunderte Besucher strömten in die Parks und genossen das Wetter - auch auf Grünflächen, die wegen des Eichenprozessionsspinners derzeit gesperrt sind. So zum Beispiel im Fredenbaumpark: „Die Mütter schoben ihre Kinderwagen durch die Gegend, Hunde tollten unter den Eichen herum. Es schien, als hätte niemand die Warnhinweise gelesen“, berichtet eine Leserin.

Die Absperrungen sind leicht zu umgehen: An vielen Stellen steht lediglich ein Schild, das auf die Gefahr hinweist. Und: Es wird auch nicht kontrolliert, ob sich die Leute an das Verbot halten.

Solche Kontrollen seien ebenso unmöglich wie flächendeckende Sperrungen, teilt die Stadt mit. Hier appelliert die Verwaltung an den gesunden Menschenverstand.

Bürger sollen sich informieren

Und: Da Hinweisschilder manchmal vom Wind umgeweht würden, werden die Bürger auch explizit gebeten, sich mithilfe der Medien auf dem Laufenden zu halten, welche Grünflächen aktuell gesperrt sind.

Die angebrachten Warnschilder sind auf Deutsch verfasst. Hinweise in anderen Sprachen – etwa für das oft multinationale Publikum im Fredenbaumpark – gebe es nicht. Das sieht die Stadt nicht als nötig an: Es seien auch Piktogramme zu sehen. Diese sollten für alle Nationalitäten verständlich sein, so die Stadt.

Vielen Menschen sei trotz aller Warnungen nicht bewusst, wie gefährlich die Brennhaare der Raupen sein können. Auch außerhalb der Absperrungen sei Vorsicht geboten. „Insbesondere an windigen Tagen wie dem vergangenen Samstag können die Brennhaare der Raupe weit über die Absperrungen hinaus durch die Luft fliegen. Insbesondere dann, wenn Vögel an den Raupen und ihren Nestern picken“, warnt die Stadt.

Offiziell gemeldet worden seien noch keine Verletzungen. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass doch Menschen zu Schaden kamen, da man es nicht melden muss, wenn man mit den Tieren in Kontakt gekommen sei. Unserer Redaktion ist ein Fall eines fünfjährigen Mädchens bekannt, das nach Kontakt mit den Raupenhaaren ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Im Norden gibt es die meisten kontaminierten Eichen

Stadtpressesprecher Christian Schön betont, dass außer den Parks vor allem im Norden der Stadt wohl weitere Flächen betroffen sind, die jedoch nicht gesichert werden können: „Insbesondere im Kurler Busch, im Grävingholz, im Bodelschwingher und im Rahmer Wald wird ein Befall mit dem Eichenprozessionsspinner vermutet.“

Hier sei es aber kaum möglich, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, weil die Bereiche mit Hubwagen und Spezialausrüstung nicht gut zugänglich seien: „Ein Spaziergang ist daher vorerst nicht zu empfehlen“, so Schön.

Erst im Spätsommer seien die pelzigen Raupen zu Schmetterlingen herangewachsen und würden damit unschädlich.

Baumexperten sind unterwegs

Baumexperten des Tiefbauamtes patroullieren derweil in den Parks, um Nester ausfindig zu machen. Zusätzlich fordert die Stadt alle Bürger auf, sich zu melden, wenn sie die Raupen entdecken. Unter der der Telefonnummer 0231/50-25422 kann man dem Umweltamt etwaige Funde mitteilen.

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Nach der Beseitigung der Raupen und ihrer Nester durch die Spezialisten werden die Bereiche erst nach einer weiteren Kontrolle durch das Tiefbauamt wieder frei gegeben. Auf Privatgrundstücken muss sich der Eigentümer um die fachmännische Entfernung der Tiere kümmern.

Diese Flächen sind betroffen:

Der Eichenprozessionsspinner ist nach wie vor hauptsächlich in den nördlichen Stadtteilen Dortmunds unterwegs: Mengede, Eving, Scharnhorst, Innenstadt-Nord und Brackel. So sind in der Grünanlage am Brauksweg in Brackel etwa 30 Bäume befallen. Im Wohngebiet Hohenbuschei hat das Tiefbauamt rund 90 Eichen gezählt, an denen die Raupen kriechen.

Diese Bäume, die fast alle schon vor der Bebauung dort wuchsen, sind aber so angeordnet, dass Anwohner trotz einzelner Absperrungen noch zu ihren Häusern kommen können. Generell werden einzelne Bäume vom Tiefbauamt in einem Radius von 250 bis 300 Metern abgesperrt. Erst bei vielen Überlappungen werden ganze Areale geschlossen.

Kontrollen haben auch in anderen Parks stattgefunden: So ist der Rombergpark bislang (Stand Dienstag, 17 Uhr) frei von Eichenprozessionsspinnern. Im Westfalenpark gibt es an lediglich 6 Bäumen einen kleineren Befall. Die abgesperrten Bereiche sind so klein, dass der Park insgesamt für die Besucher geöffnet bleiben kann. Im Volksgarten Mengede fiel hingegen am Wochenende das Fest der Bosnier aufgrund von 80 befallenen Bäumen flach.

Die Raupen lieben die Eichen im Fredenbaumpark

Gesperrt bleibt der Fredenbaumpark: Hier wurden letzte Woche 200 weitere befallene Bäume entdeckt. Insgesamt sind mindestens 400 Bäume betroffen. Es wurden 14 Hinweisschilder angebracht. Bereits im letzten Jahr gab es dort eine große Population von Eichenprozessionsspinnern.

Die kleinen Raupen kriechen ebenso an einigen Bäumen im Schulte-Witten-Park in Dorstfeld. Hier wurden Teilbereiche abgesperrt.

Betroffen sind zudem einige Friedhöfe. Auf dem Friedhof Wischlingen sind 40 Bäume vom Eichenprozessionsspinner befallen, 10 Bäume sind es in Kemminghausen. Auch hier weisen Absperrungen und Schilder an den Eingängen auf die Gefahr hin.

Der Befall der Allee „Am Beisenkamp“ in Kirchderne ist hingegen nach der Absaugung der Raupen und ihrer Nester durch eine Spezialfirma inzwischen beseitigt.

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