Tritt eines Sicherheits-Mitarbeiters gegen BVB-Fan wird ein Fall für das Landgericht

Berufung eingelegt

Nach einem verhängnisvollen Tritt auf einen BVB-Fan hat das Amtsgericht einen Sicherheits-Mitarbeiter zu drei Jahren Haft verurteilt. Jetzt ist klar: Der Fall geht in die nächste Instanz.

28.11.2018, 16:05 Uhr / Lesedauer: 1 min

Einen Tag, nachdem das schriftliche Urteil fertig und unterschrieben war, erklärte das Amtsgericht am Mittwoch auf Nachfrage, dass sowohl Staatsanwaltschaft als auch beide Verteidiger gegen die Entscheidung Rechtsmittel eingelegt haben. Damit steht fest, dass sich in einigen Monaten das Landgericht mit dem Fall befassen muss.

Tatort U-Bahnhof

Im Mai 2017 war ein 39-jähriger BVB-Fan nach dem Bundesliga-Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen schwer verletzt worden. Das Gericht ist davon überzeugt, dass ein Sicherheits-Mitarbeiter, der im Auftrag der DSW21 an der U-Bahn-Haltestelle Stadion eingesetzt war, dem Borussen während einer Auseinandersetzung heftig vor den Körper getreten hat. Der 39-Jährige war daraufhin so unglücklich gestürzt, dass er schwere Kopfverletzungen erlitt.

Wochenlang lag der Mann nach der Tat im Koma. Anschließend musste er mühsam wieder laufen lernen. Heute ist er fast erblindet, hat seinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren und kann sich an die vergangenen 30 Jahre so gut wie gar nicht mehr erinnern. "Mein Leben ist zerstört", hatte er im Prozess am Amtsgericht erklärt.

Nur "Trittbewegung"?

Der Angeklagte hatte sich zwar in seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung bei dem Opfer entschuldigt. Doch in den Stunden zuvor hatte der Sicherheits-Mitarbeiter seine beiden Verteidiger immer wieder Zweifel an seiner Schuld säen lassen. Eigentlich könne er sich nur noch daran erinnern, eine "Trittbewegung" in Richtung des BVB-Fans ausgeführt zu haben, ließ der Angeklagte seine Verteidiger vortragen. "Der Mandant ist sich aber überhaupt nicht sicher, ob er den Mann überhaupt getroffen hat."

Keine Bewährung

Die Anwälte hielten es für möglich, dass das Opfer bei einer schnellen Drehbewegung selbst das Gleichgewicht verloren haben könnte. Deshalb wollten sie eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung keinesfalls akzeptieren.

Das Gericht sah dies jedoch anders und verhängte drei Jahre Haft. Diese Strafe müsste der Angeklagte tatsächlich im Gefängnis verbüßen, wenn das Urteil rechtskräftig werden würde. Bei Strafen in diesem Bereich ist eine Aussetzung zur Bewährung nämlich ausgeschlossen.

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