Vor dem Dortmunder Landgericht wollen die Angeklagten erst einmal schweigen. © Martin von Braunschweig
Landgericht

Tricks mit falschen Rezepten: Bodybuilder auf der Anklagebank

Zwei Bodybuilder sollen im großen Stil Rezepte gefälscht haben, um sich Dopingmittel zu besorgen. Vor Gericht wollen sie zu den Vorwürfen erst einmal nichts sagen.

Die beiden Angeklagten sind 26 Jahre alt. Und dass sie früher Kraftsport betrieben haben, sieht man ihnen bis heute an. Wobei die Zeiten des ganz großen sportlichen Ehrgeizes angeblich inzwischen hinter ihnen liegt.

2016 war das noch ganz anders. „Früher wollte ich tatsächlich mal auf die Bühne“, sagte einer der Angeklagten am Donnerstag vor dem Landgericht. Aus diesem Grund habe er damals nicht nur den Großteil seiner Freizeit im Fitness-Studio verbracht. Darüber hinaus habe er seinen Körper auch mit der chemischen Keule behandelt.

Wachstumshormone verkauft

Irgendwann sollen die beiden Freunden dann übereingekommen sein, sich mit dem Verkauf von Wachstumshormonen ein hübsches Taschengeld dazuzuverdienen. Am heimischen Computer sollen sie Rezepte gefälscht und diese dann mit einer unleserlichen Unterschrift versehen haben.

„Norditropin“ stand in der Regel darauf. Das Wachstumshormon mit dem Wirkstoff Somatropin wird seit Jahren in der Medizin eingesetzt, wenn Kinder unter Kleinwuchs leiden. Und auch Bodybuilder schätzen das Medikament, weil es die Muskeln offenbar schnell und nachhaltig aufpumpt.

1000 Euro pro Spritze

Legal ist Norditropin nur mit einem ärztlichen Rezept zu bekommen. Die Krankenkasse übernimmt dann die hohen Kosten von rund 1000 Euro pro Spritze. Die beiden Angeklagten sollen ihre gefälschten Rezepte in zahlreichen Städten in Nordrhein-Westfalen vorgelegt haben. In Bochum, Herne, Witten, Wuppertal und Solingen hatten sie offenbar Erfolg. In Dortmund-Hombruch sollen sie dagegen am Widerstand der Apothekerin gescheitert sein.

Die Wachstumshormone verkauften die beiden Angeklagten später offenbar unter der Hand an Gleichgesinnte weiter. Aber auch sich selbst dürften sie die eine oder andere Spritze verabreicht haben. Als die Polizei im März 2017 die Wohnung des einen Angeklagten in Bönen hochnahm, fanden die Ermittler im Kühlschrank auch noch größere Mengen Testosteron-Präparate.

Inzwischen reifer geworden

Vor Gericht wollen sich die 26-Jährigen zunächst einmal nur zu ihren Lebensläufen äußern. Angaben zu den Anklagevorwürfen könnten folgen, nachdem sich Verteidiger, Staatsanwaltschaft und Gericht zu einem Rechtsgespräch getroffen und dort den möglichen Ausgang des Verfahrens besprochen haben. Dabei würde es nicht nur um die Frage der Haft, sondern auch um die finanziellen Folgen gehen.

Der Angeklagte mit dem Testosteron-Kühlschrank will mit illegalen Dopingmethode heute jedenfalls nichts mehr am Hut haben. „Ich gehe nur noch normal ins Studio“, sagte er den Richtern am Donnerstag. Er sei inzwischen deutlich reifer und auch erwachsener geworden.

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