Todesdrogen: Prozess gegen mutmaßliche Darknet-Dealer

Landgericht Dortmund

Mit diesem Gift werden sonst Löwen betäubt. Doch es ist auch als Droge gefragt. In Dortmund stehen jetzt drei Männer vor Gericht, die die Welt mit Carfentanyl versorgt haben sollen.

Dortmund

, 15.08.2018 / Lesedauer: 3 min
Todesdrogen: Prozess gegen mutmaßliche Darknet-Dealer

Einer der Hauptangeklagten neben seinem Verteidiger. © Jörn Hartwich

So einen Prozess hat es am Dortmunder Landgericht noch nie gegeben. Es geht um hochgefährliche Drogen, versteckte Internet-Anzeigen und Menschen, die für einen ganz besonderen Kick sogar mit dem Tod spielen.

"China White - made in Germany": So oder so ähnlich sollen die Angeklagten ihre hochgiftigen Rauschmittel angeboten haben. Ihre Anzeigen waren allerdings nur im sogenannten Darknet zu sehen, einem anonymen Teil des Internets. Dort allerdings immer gleich mit einem Foto. Zum Beweis, dass der Stoff auch wirklich vorliegt.

Die Hauptangeklagten sind zwei Brüder aus Hamm, 45 und 54 Jahre alt. Sie sollen das Carfentanyl (aber auch andere Chemikalien wie Kaliumzyanid, das auch als Zyankali bekannt ist) vor allem aus Hongkong und Shanghai bezogen haben. Der Versand erfolgte über verschiedene Paketdienste - direkt zu ihrer Wohnung in Hamm. Laut Anklage waren die Bestellungen allerdings unter dem fiktiven Namen "Sabine Weber" aufgegeben worden.

Bezahlung mit Bitcoins

Von dort erfolgte angeblich auch der Weiterverkauf. Dabei sollen die Angeklagten allerdings den Eindruck erweckt haben, dass es sich bei ihren Stoffen um echte deutsche Wertarbeit handelt - hergestellt in deutschen Chemielaboren.

Die Bezahlung erfolgte angeblich mit der Internet-Währung Bitcoin. Dabei soll es sogar einen Internet-Käuferschutz gegeben haben. Die Lieferung der Ware wurde dadurch nach der Bezahlung quasi garantiert.

Die Angeklagten selbst sollen unter verschiedenen Pseudonymen im Internet aufgetreten sein. Als "Germanteam" zum Beispiel. Oder als "Piestany11990". Die Arbeit war angeblich streng organisiert. Während sich der jüngere der beiden Brüder um die Bestellungen gekümmert haben soll, soll der ältere den Versand übernommen haben. Verschickt wurden angeblich Pillen, Puder und eine Art Nasenspray.

15-Jähriger gestorben

Carfentanyl kann allerdings schon in kleinsten Mengen zu einer Todesdroge werden. Es kann zu Atemstillstand und Muskelähmungen kommen. In Norwegen soll ein 15-jähriger nach dem Konsum tatsächlich verstorben sein. Auch darum geht es im Prozess am Dortmunder Landgericht.

Einige der sichergestellten Stoffe waren angeblich sogar so gefährlich, dass sie als biologische Waffe gelten und damit unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen.

Festnahme durch GSG 9

Aus diesem Grund waren die Angeklagten im vergangenen Jahr auch durch Spezialkräfte der Antiterror-Einheit GSG 9 festgenommen worden.

Der Handel mit den hochgefährlichen Stoffen soll allerdings ziemlich lukrativ gewesen sein. Laut Anklage finanzierten die Hauptangeklagten damit einen Großteil ihres Lebensunterhaltes. Bei dem dritten Angeklagten handelt es sich um einen 27-jährigen Mann aus Schleswig-Holstein. Er soll erst etwas später zu dem Brüderteam gestoßen sein.

Die Staatsanwaltschaft Köln war den mutmaßlichen Darknet-Dealern schließlich aber doch noch auf die Spur gekommen. Jetzt drohen allen drei Angeklagten lange Haftstrafen.

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