Thomas Westphal will Dortmunds Oberbürgermeister werden: „Ich bin einer für alle“

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Er war mal Juso-Linker und will Dortmund regieren: Thomas Westphal (SPD), Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, hat seine Kandidatur für das OB-Amt angemeldet – und von sich erzählt.

Dortmund

, 13.09.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Freitag, der 13. – nicht gerade das beste Omen, seine Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters anzumelden. Und dann der Nieselregen über der Hafenkulisse. Doch Thomas Westphal (SPD) ficht das nicht an. Der Chef der Dortmunder Wirtschaftsförderung bestätigte am Freitag (13.9.) offiziell, was schon lange die Runde machte: „Ich habe dem Parteivorstand heute Morgen erklärt, dass ich für das OB-Amt kandidiere.“ Als Nachfolger von Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD), der nicht wieder antritt.

Nun steht Westphal an der Speicherstraße mit Blick auf das Hafenbecken, um seine Kandidatur vor rund 20 Unterstützern und den Medien persönlich zu erklären. Das Ambiente ist mit Bedacht gewählt. Schließlich soll hier ein digitales Quartier für Arbeit und Erholung mit 5000 Arbeitsplätzen entstehen und mit der alten Industrie zusammenwachsen. „Ein neues, starkes Stück Dortmund“, das er als Wirtschaftsförderer maßgeblich miteingestielt hat.

„Richtig Lust darauf“

Dunkelblauer Anzug, graue Wildlederschuhe, den Rücken durchgedrückt. Als Mitglied des Verwaltungsvorstands der Stadt habe er seit sechs Jahren „den unschlagbaren Vorteil, dabei zu sein, wie der OB diese Stadt steuert“. Die achtgrößte Stadt Deutschlands mit 10.000 Mitarbeitern.

„Ich weiß, dass das nicht nur mit kessen Sprüchen geht“, versichert der 52-Jährige. Er habe einen „gehörigen Respekt“ vor der Aufgabe, aber „richtig Lust darauf“. Sein Leitbild: gemeinsam mit anderen in Dortmund daran zu arbeiten, „besser zu werden“, und „dabei im Herzen und in der Seele Dortmund zu bleiben“.

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„Was ist der Westphal für einer?“, fragt er. Und gibt die Antwort: „Das ist einer für alle.“ Nicht zu verwechseln mit „Everybody’s Darling“. Einer mit Mut, gemeinsam mit anderen „etwas Neues aufzubauen“, und ohne Angst, „dass auch mal etwas nicht klappt. Man muss es einfach machen.“

Soweit die kessen Sprüche. Doch Westphal hat auch handfeste Pläne. „Ich will eine Dortmunder Wohnungsallianz ins Leben rufen“. 20.000 Wohnungen sollen in den nächsten zehn Jahren entstehen, das Wohnen bezahlbar bleiben. Grundstücke für den Wohnungsbau gebe es genug, eine neu zu gründende Service-Gesellschaft für Wohnen solle sie an den Markt bringen.

Technische Bürgerschulen

An der Wirtschaftspolitik will er festhalten, beim Verkehr strebt er ein sicheres und geschlossenes Radwegenetz an. Als Folge sinke der CO2-Ausstoß. Sport und Bildung hat er auf der Agenda. Die Stadtteilbibliotheken möchte er zu „technischen Bürgerschulen“ ausbauen, um Kinder, Eltern und Lehrer digital fit zu machen. Alles zusammen mache Dortmund zur „sozialen Stadt“.

Thomas Westphal ist zwar in Lübeck geboren, lebt aber seit 23 Jahren in Dortmund. „Ich schätze die Stadt und werde sie nie wieder verlassen“, versichert er. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter, seine Frau ist im Sportverein tätig.

Thomas Westphal will Dortmunds Oberbürgermeister werden: „Ich bin einer für alle“

Thomas Westphal, umrahmt von seinen Unterstützern und mit Hashtag für den Wahlkampf. © Dieter Menne

Noch länger als in Dortmund ist Westphal in der SPD, nämlich 33 Jahre. Er war von 1993 bis 1995 Juso-Vorsitzender und als solcher direkter Vorgänger von Andrea Nahles. Damals zählte er zu den „Juso-Linken“ und wandelte sich zum Realpolitiker.

Wahl ist am 13. September 2020

Ob aus dem Stadtverband der Kleingartenvereine, dem Sozialdienst katholischer Frauen, dem Integrationsrat, der Gründerszene, den Reihen der Jusos oder seinem Ortsverein in Körne: Seine Unterstützer sagen bei der Gelegenheit auch noch mal, warum Westphal der beste Kandidat ist. Am Dienstag (17.9.) will die SPD ihre Bewerber um eine OB-Kandidatur vorstellen. Vielleicht bleibt es bei dem einen. Westphal ist nichts von einer Gegenkandidatur bekannt. Ein Parteitag müsste ihn noch nominieren.

Er freue sich auf einen kämpferischen, schönen und fairen Wahlkampf. 366 Tage lang. Die Kommunalwahl ist am 13. September 2020. Wieder der 13., kein Freitag. Westphal sagt: „Das wird ein gutes Datum.“

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