Schandfleck Kronen-Turm: Erstmals konkrete Pläne für die Zukunft

dzKronen-Gelände

Die Idee gibt es schon seit Jahren: Kann der leerstehende Kronen-Turm neuer Sitz des Stadtarchivs werden? Die Ergebnisse einer Studie verraten jetzt, wie realistisch das ist.

Dortmund

, 05.06.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Schandfleck empfinden viele Dortmunder den Kronen-Turm an der Märkischen Straße. Seit mehr als 20 Jahren steht er, ebenso wie das benachbarte Brauhaus und der Wenkerkeller als Relikte der früheren Kronen-Brauerei, leer. Schon mehrfach wurde über einen Abriss diskutiert.

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Jetzt könnte dem 65 Meter hohen Turm aber eine neue Zukunft blühen - als Sitz des Stadtarchivs. Ob er dafür geeignet ist, ist mit einer Machbarkeitsstudie untersucht worden.

Umfangreiche Untersuchungen abgeschlossen

Das Resultat liegt jetzt vor: „Die Studie kommt zu positiven Ergebnissen und bestätigt die Machbarkeit“, teilt die Stadt offiziell mit. „Ein Umzug des Stadtarchivs auf das Areal rund um den Kronen-Turm wäre umsetzbar, bietet die Chance, das Gebäudeensemble prägnant in Szene zu setzen und wäre wirtschaftlich einer Mietlösung vorzuziehen.“

Die Stadt bekäme mit dem Ankauf der Gebäude „die Chance, dieses stadtbildprägende Areal mit einer deutlich überregionalen Wahrnehmung zu entwickeln“.

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Das Gebäudeensemble auf dem Kronen-Areal sei in den vergangenen Monaten „auf Herz und Nieren geprüft“ worden, heißt es weiter. Die Gutachter haben die Bausubstanz und Baustatik untersucht und ein Schadstoff- und Bodengutachten angefertigt.

Das Ergebnis: Die Gebäude sind als zukünftiger Standort des Stadtarchivs geeignet und könnten für die Anforderungen des Stadtarchivs hergerichtet werden.

Platz für das komplette Stadtarchiv

Grundlage für diese Aussage sind die Raumwünsche des Stadtarchivs, das zurzeit auf mehrere Standorte im Stadtgebiet verteilt ist. Hauptsitz ist seit 1998 ein früheres Siemens-Bürogebäude an der Märkischen Straße, das seinerzeit ausdrücklich als Provisorium angemietet worden war.

Als Raumbedarf für einen neuen Standort hat das Archiv eine Fläche von 10.000 Quadratmeter angemeldet, der in den alten Kronen-Gebäuden mehr als vorhanden ist. Dort könnten dann Lesesaal, Benutzerbibliothek, Ausstellungsflächen sowie die Archiv- und Magazinflächen vollständig untergebracht werden, teilt die Stadt mit.

Geduldig wartet der Kronenturm auf eine Zukunft. Einst nutzte die Brauerei den Koloss als Lager.

Geduldig wartet der Kronenturm auf eine Zukunft. Einst nutzte die Brauerei den Koloss als Lager. © RN-Archiv

Nach dem aktuellen Konzept könnte der Kronen-Turm über einen eingeschossigen Anbau mit dem benachbarten Sudhaus verbunden werden. Im Sudhaus könnte ein Vortrags- und Veranstaltungsraum für etwa 150 Personen eingerichtet werden.

Der Wenkerkeller soll für die Unterbringung der Restaurierungswerkstatt und der vom Archiv benötigten Büroflächen genutzt werden. Die Etagen des Kronenturms selbst sollen als Magazinflächen für die wertvollen Archivalien zur Stadtgeschichte - von mittelalterlichen Urkunden bis zu historischen Bauakten - genutzt werden.

Kauf wirtschaftlicher als Mietlösung

Untersucht wurde auch, ob der Kauf der Kronen-Gebäude oder eine Mietlösung für die Stadt langfristig wirtschaftlicher ist. Das Ergebnis: „Da ein Archiv naturgemäß auf eine sehr lange Nutzung ausgelegt wird, ist der Eigenrealisierung aus wirtschaftlicher Sicht gegenüber einer Mietlösung eindeutig der Vorzug einzuräumen.“

Es gibt aber auch noch offene Fragen. Weil die Kronen-Gebäude mit 15.000 Quadratmetern deutlich mehr Fläche bieten als das Stadtarchiv selbst benötigt, will man weitere externe Nutzer gewinnen. Die Möglichkeit der Vermietung sei „ein wesentlicher Baustein bei der Gesamtbewertung des Vorhabens“, heißt es dazu. Geklärt werden soll auch, ob man für die Umsiedlung des Stadtarchivs Fördermittel akquirieren kann.

Politik entscheidet erst 2021

Schließlich muss am Ende die Politik ihre Zustimmung geben. Dafür will man sich mit Blick auf Corona-Einschränkungen und der Kommunalwahl am 13. September aber Zeit lassen. Erst Anfang 2021 soll deshalb der neu gewählte Rat entscheiden.

„Bis dahin wird die Machbarkeitsstudie weiter verfeinert und die Suche nach weiteren Partnern des Objekts vorangetrieben“, kündigt die Verwaltung an.

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