Stille Post mit Street-Scooter: Bei Zustellerin Petra Plettenberg rappeln nur die Pakete

dzE-Mobilität

Seit ein paar Monaten kommt die Deutsche Post im Stadtbezirk Aplerbeck auf leisen Rädern. Mit 16 E-Autos liefert sie Briefe und Pakete aus. Petra Plettenberg ist eine von der stillen Post.

Dortmund

, 01.11.2018, 15:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Langsam nimmt das Weihnachtsgeschäft der Deutschen Post Fahrt auf und setzt die Zusteller unter Strom. Petra Plettenberg ist schon seit rund vier Monaten elektrifiziert. Die 53-Jährige surrt mit einem sogenannten Street-Scooter, einem Elektro-Transporter, durch Lichtendorf, Sölderholz und Sölde - einem Street-Scooter von 16, die bislang für die Post in Dortmund fahren, alle im Bezirk Aplerbeck.

Es sei eine Umstellung gewesen, sagt Petra Plettenberg, die als sogenannte Verbund-Zustellerin Briefe und Pakete gleichzeitig ausliefert. Früher hat sie einen Caddy gefahren, musste immer mal wieder Pakete nachladen, weil die Ladefläche nicht reichte. Jetzt sitzt sie am Steuer eines Street-Scooters, Modell Work. Ohne Komfort, aber genial, sagt sie: mit einer ergonomischen Ladefläche in Hüfthöhe, mit vier Kubikmeter Ladevolumen für rund 60 Pakete und einer Ladekapazität, von der sie bislang auf ihrer täglichen Fahrt mit knapp 20 Kilometern nur maximal 10 Prozent gebraucht hat.

Der Sitz ist bei Abfahrt angeheizt

Geladen wird immer nachts an einer zugewiesenen Säule, die auch Fehler am Fahrzeug meldet, den Sitz beheizt und die Scheiben frei gemacht hat, wenn Petra Plettenberg an kalten Tage morgens um 8.15 Uhr zur Schicht in den Edelstahlweg in Aplerbeck kommt. Eine Klimaanlage für den Sommer gibt‘s nicht. Das mache auch keinen Sinn, wenn man immer ein- und aussteige und die Tür nicht geschlossen bleibe, erläutert Postsprecher Rainer Erzner.

Stille Post mit Street-Scooter: Bei Zustellerin Petra Plettenberg rappeln nur die Pakete

Die ebenmäßige Ladefläche in Hüfthohe erleichtert Petra Plettenberg das Be- und Entladen der bis zu 31,5 Kilogramm schweren Pakete. © Dieter Menne

Petra Plettenberg nickt. „Ich fahre gern mit dem Wagen. Ich könnte an der Ampel einen Porsche stehen lassen“, sagt sie, und ihre Augen leuchten dabei - auch wenn der Porsche nach zwei Metern ihre 65 PS wieder eingeholt haben dürfte. Der Street Scooter Work hat eine Reichweite von rund 80 Kilometern und ist bis zu 80 Stundenkilometer schnell. „Die bin ich aber noch nie ausgefahren.“

Bereits die dritte Modell-Generation

Sie fährt die bereits dritte Generation eines Street-Scooters, den eine Tochter der Deutschen Post selbst produziert. Eingesetzt werden Street Scooter vor allem für die Verbundzustellung auf dem Land und an den Stadträndern. Der Wagen sei in den Händen der Zusteller gereift, sagt Unternehmenssprecher Erzner. Petra Plettenberg würde sich nur den Wendekreis etwas kleiner wünschen. Oft werde sie auch von Handwerkern angesprochen, die an dem Kleintransporter interessiert sind; denn der Street-Scooter wird von der Post-Tochter auch an Dritte verkauft.

„Das Auto ist ein Werkzeug, extrem funktionell, einfach und reparaturfreundlich“, sagt Erzner. Wegen der robusten Bauweise und der Karosserie aus durchgefärbtem Verbundkunststoff seien Kratzer kein Problem. „Die kann man wegschleifen, den Kotflügel gegebenenfalls einfach mit vier Schrauben auswechseln.“

Fahrzeugflotte wird nach- und nach umgerüstet

Es gibt auch das Modell Work L mit doppelt so viel Ladefläche und größerer Reichweite und das Modell XL, das in Kooperation mit Ford hergestellt wird. Bis zum Jahr 2025 will die Deutsche Post DHL die eigene Zustellung (einschließlich Abholung) zu 70 Prozent sauber und emissionsfrei bewerkstelligen. Auch in Dortmund soll die Flotte nach und nach komplett auf umweltfreundliche und nachhaltige E-Fahrzeuge umgerüstet werden. Das ist nicht allein eine Image-Frage, sondern dient in Zeiten drohender Dieselfahrverbote auch der Zukunftsfähigkeit des eigenen Fuhrparks.

Stille Post mit Street-Scooter: Bei Zustellerin Petra Plettenberg rappeln nur die Pakete

Petra Plettenberg kommt von drei Seiten an die Ladefläche heran. © Dieter Menne

Petra Plettenberg surrt so diskret und leise, nahezu geräuschlos, durch die Straßen, dass Menschen sich immer wieder erschrecken, wenn plötzlich ein gelber Lieferwagen neben ihnen steht. „Drinnen ist das Auto lauter als draußen“, sagt sie., „das ist zu Anfang ungewohnt. Man muss da als Fahrer umdenken und mehr aufpassen als früher.“ Ein Fahrer kurble immer wieder das Fenster herunter und rufe „Post“, weil er nicht hupen und die Leute erschrecken wolle, ergänzt Rainer Erzner.

Hunde schlagen nicht mehr so früh an

Wie wär‘s wieder mit dem guten alten Posthorn? Die EU sei dabei, ein Geräusch für E-Lastautos vorzuschreiben“, erläutert der Postsprecher. Darauf warte man, vielleicht „Tari tara, die Post ist da“, scherzt Erzner. „Nein, bloß nicht“, ruft Petra Plettenberg, „das höre ich tausendmal am Tag.“

Auch die Hunde, sonst hellhörig, schlagen nicht mehr so früh an, wenn die Zustellerin vorgefahren kommt. „Die reagieren erst einen Tacken später.“ Doch sie haben sich ebenso schnell an das neue Gefährt gewöhnt wie die Fahrerin: „Nach drei, vier Wochen hatten die das raus.“ Auf holprigen Straßen allerdings verraten Rappelgeräusche die stille Post - verursacht von den durchgeschüttelten Paketen.

Der Paketdienst UPS hat bereits seit mehr als fünf Jahren einen E-Transporter von 7,5 Tonnen in der Dortmunder Innenstadt im Einsatz. Es handelt sich um ein umgebautes Dieselfahrzeug. Darüber hinaus fährt UPS Post mit einem Lastenfahrrad aus. Ein zweites ist geplant. Für den Paketdienst GLS sind in Dortmund zwei E-Autos, ein E-Dreirad und ein E-Lastenfahrrad unterwegs. Auch zur Logistik der Ruhr Nachrichten gehört ein eigener Street-Scooter.
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