Eving und Kemminghausen: Hier wohnt man auf der Sonnenseite

dzStadtteilcheck

Eving ist besser als sein Ruf. Dieser Kommentar tauchte beim Stadtteil-Check immer wieder auf. Vor allem für Wohnen, Verkehrsanbindung und Nahversorgung gibt es gute Noten.

Eving

, 10.11.2018, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Kein Zweifel: Die meisten Evinger und Kemminghauser fühlen sich in ihrem Stadtteil wohl. Wie die gesamte Stadt kommen die beiden eng verwobenen Ortsteile in Sachen Lebensqualität auf acht von zehn Punkte.

Auch Roland Fröhling und Michael Schöbel sehen sich in Eving gewissermaßen auf der Sonnenseite. So heißt ihr Gartenverein. Und so heißt die Siedlung, die die Gärten umgibt. Konzipiert wurde sie in den 1920er-Jahren von Stadtbaurat Strobel – und sie hat sich ihren besonderen Charme bewahrt. „Wir sind hier ein richtiges Naherholungsgebiet“, sagt Michael Schöbel.

Wohnen in Eving bekommt denn generell gute Noten beim Stadtteil-Check. Wie einige andere Themen auch, bei denen Eving und Kemminghausen über dem Stadtdurchschnitt liegen.

Das wurde positiv bewertet:

Verkehrsanbindung: Die Höchstzahl von 10 Punkten gibt es für die Verkehrsanbindung. Kein Wunder: Mit Derner und Evinger Straße gibt es schnelle Verbindungen in die Innenstadt, nicht nur mit dem Auto, sondern mit gleich zwei U-Bahnlinien (U 41 und U42). Dazu kommt ein dichtes Busnetz, das innerorts für Verbindungen sorgt. „Egal, welchen Ausgang man in unserer Gartenanlage nimmt, man kommt immer an einer Bus-Haltestelle raus“, bestätigt Roland Fröhling. Für die Radfahr-Bedingungen gibt es in Eving aber wie in der Gesamtstadt nur 7 von 10 Punkten.

Eving und Kemminghausen: Hier wohnt man auf der Sonnenseite

Eving und Kemminghausen sind mit Bus und Bahn gut erreichbar. Ein Knotenpunkt ist die Station „Schulte-Rödding“. © Oliver Schaper

Nahversorgung: Ein echtes Zentrum gibt es nicht, wenn auch versucht wurde, mit der „Neuen Evinger Mitte“ auf dem früheren Gelände der Zeche Minister Stein, einen neuen Mittelpunkt zu schaffen. Hier gibt es ein Einkaufszentrum und einen Elektro-Fachmarkt. Dazu kommt als Einkaufsstraße in zentraler Lage die Bayrische Straße mit gleich drei Supermärkten beziehungsweise Discountern. Man muss also nicht auf die „grüne Wiese“ fahren, um einzukaufen. Dafür gibt‘s die Note 9,5.

Wohnen: Eving und Kemminghausen sind geprägt von historischen Arbeitersiedlungen, von denen viele inzwischen unter Denkmalschutz stehen. Manche tragen so schöne Namen wie „Märchensiedlung“ oder eben „Sonnenseite“. Die Bauweise lässt viel Platz für Grün. Und die Wohnungsgesellschaften haben in den letzten Jahren viel getan, um ihre Bestände zu modernisieren, stellt Bezirksbürgermeister Oliver Stens erfreut fest.

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Kinderbetreuung: Der gute Wert von acht Punkten überrascht. Denn eigentlich liegt Eving bei den angestrebten Versorgungsquoten unter dem Soll. Ende 2017 gab es nach den Daten der Stadt nur für knapp 33 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. 35 Prozent sind aktuell das Ziel der Stadt. Immerhin: In den letzten Jahren hat Eving in Sachen Kita-Versorgung deutlich aufgeholt. Insgesamt gibt es nun neun Kitas mit mehr als 550 Plätzen in Eving und Kemminghausen.

Erstaunlich ist auch, dass die Bewertung für Grünflächen in Eving und Kemminghausen mit acht Punkten knapp unter dem Stadtdurchschnitt von neun Punkten liegt. Dabei ist Eving einer der Stadtbezirke mit dem höchsten Grünanteil, eine „grüne Lunge“, wie Michael Schöbel feststellt. Mit Grävingholz und Süggel gibt es gleich zwei große Wälder. Dazu kommt das Burgholz im Süden von Eving. Und rund um den Bezirksfriedhof Kemminghausen fühlt man sich ins Münsterland versetzt. Nicht zuletzt sind da die zahlreichen Grün- und Gartenanlagen in und zwischen den Wohnsiedlungen.

In vielen Punkten liegen Eving und Kemminghausen exakt im Stadt-Durchschnitt. Etwa beim Sportangebot, den Bedingungen für Radfahrer, für Jugendliche und Senioren. Zu den besonderen Angeboten für Ältere gehört seit August der „Senioren-Naschgarten“ im Gartenverein „Zur Sonnenseite“. Es ist eine umgebaute, jetzt offene Gartenparzelle mit Obstbäumen und Beerensträuchern, in der jeder etwas ernten darf. Die Senioren in der Nachbarschaft hat man dabei besonders im Blick. Auch als kleines Dankeschön, wie Roland Fröhling als Vorsitzender des Gartenvereins hervorhebt: „Die heutigen Senioren haben hier ja alles aufgebaut.“

Das wird negativ bewertet:

Sauberkeit: Hier besteht offenbar der größte Nachholbedarf – denn es gibt es nur 4 von 10 Punkten. „Ärgerlich ist die Müllablagerung an Container-Standorten“, kommentiert ein Leser. Auch auf den Straßen lasse die Sauberkeit oft zu wünschen übrig. „Das ist ein permanentes Thema“, sagt Oliver Stens. Er hofft, dass es durch die Übernahme der Grünpflege durch die EDG Verbesserungen gibt. „Aber in Sachen Sauberkeit müssen sich die Bürger natürlich auch an die eigene Nase fassen“, stellt der Bezirksbürgermeister fest.

Eving und Kemminghausen: Hier wohnt man auf der Sonnenseite

Die Sauberkeit lässt nach Meinung vieler Evinger und Kemminghauser zu wünschen übrig. Vor allem an Container-Standorten soll es Probleme geben. © Oliver Schaper

Sicherheit: „Das Schlimmste ist für mich die Angst vor Einbrüchen oder Übergriffen“, schreibt eine Leserin. „Zu viel Kriminalität“, eine andere. Ein subjektives Gefühl oder Realität?

Frank Degenhardt, seit September Leiter der Polizeiwache Eving, wundert sich über die schlechte Bewertung in Sachen Sicherheit. Denn Eving ist in diesem Punkt im Vergleich zu den anderen Außenstadtbezirken nicht besonders auffällig. „Und wie in der gesamten Stadt ist die Zahl der Straftaten in Eving in den letzten Jahren rückläufig“, stellt Degenhardt fest.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Gab es 2014 noch 4343 registrierte Straftaten im Stadtbezirk, waren es 2017 noch 2723. In diesem Jahr wurden bis Ende September 1974 Straftaten verzeichnet. Einen deutlichen Rückgang gibt es auch bei Delikten, die für die meiste Verunsicherung sorgen. 23 Raubüberfällen im Stadtbezirk im Jahr 2014 stehen ganze 10 für 2017 gegenüber. Bis Ende september dieses Jahres gab es sechs Raubüberfälle. Die Zahl der Einbrüche ging von 2014 bis 2017 von 228 auf 118 zurück. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres waren es 79.

Familienfreundlichkeit: Auch wenn es in Sachen Kinderbetreuung weniger Probleme gibt, mehr Angebote für Familien sind offenbar doch gewünscht. „Ich würde mir mehr Spielplätze wünschen“, schreibt eine Leserin. Eine andere beklagt, dass Spielangebote ohne Ersatz immer weiter abgebaut würden.

Im Zweifelsfalle helfen hier auch die Kleingärten. Sie sorgen nicht nur für Grün und Erholung. Viele bieten auch schöne und gepflegte Kinderspielplätze – wie die Sonnenseite. Der Gartenverein hat erst im Mai einen neugestalteten Spielplatz eröffnet. Und der wird gut angenommen. „Hier sind eigentlich immer Kinder“, freut sich Roland Fröhling. Und im Naschgarten sind sie natürlich auch willkommen.

Gastronomie: Mit 6 Punkten liegt Eving hier unter dem Stadtdurchschnitt. Was Roland Fröhling nicht verwundert: „Die alte Kneipenkultur ist verloren gegangen“, beklagt er. Viele alteingesessene Gastronomiebetriebe sind verloren gegangen. Und auch schöne Ausflugslokale fehlen. In Sachen Gastronomie hat Eving echten Nachholbedarf.

Historie

Die Zeche Minister Stein prägte die Entwicklung Evings

  • Grundlage für die Entwicklung Evings war die Gründung der Zeche Minister Stein 1870.
  • Um Wohnraum für die Bergarbeiter zu schaffen, entstanden rund um einige wenige Bauernhöfe, die bis dato Eving bildeten, große Werkssiedlungen.
  • 1914 wurde Eving nach Dortmund eingemeindet.
  • 1987 wurde die Zeche Minister Stein als letzten Dortmunder Bergwerk geschlossen. Auf dem Gelände entstanden ein neuer Gewerbepark und in der „Neuen Evinger Mitte“ ein Einkaufszentrum sowie Büros in den alten Zechengebäuden.
Eving und Kemminghausen: Hier wohnt man auf der Sonnenseite

Die Zeche Minister Stein prägte über Jahrzehnte das Bild von Eving - wie hier auf einer Aufnahme aus den 1950er-Jahren. © Stadtarchiv

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