Stadt will Verbotszonen für Leih-E-Scooter in Dortmunds Innenstadt

dzVerhandlungen mit App-Anbietern

Anfang Juli werden wohl die ersten Leih-E-Scooter in Dortmund auftauchen. Um ein Parkchaos zu verhindern, will die Stadt zentrale Orte zu Verbotszonen machen – und setzt dabei auf die Anbieter.

Dortmund

, 21.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Vom Dorstfelder Wilhelmplatz kurz zur Uni, von der Kneipe im Kreuzviertel zum Heimspiel im Stadion, vom Arbeitsplatz in der City nach Feierabend zum Hauptbahnhof – für solche kurzen oder mittleren Wege wird es bald in Dortmund eine neue Alternative zu Bus und Bahn, Auto und Fahrrad geben: kleine Leih-E-Roller, die überall in der Innenstadt verteilt stehen und per Smartphone-App entsperrt werden können.

Gleich sechs Anbieter haben bei der Stadt Dortmund ihr Interesse angemeldet, Leih-Elektro-Tretroller im Stadtgebiet zu verteilen. Am weitesten sind die Gespräche laut Stadtverwaltung mit dem Berliner Start-Up Circ und dem schwedischen E-Scooter-Verleiher Voi. Bei der Stadt geht man davon aus, dass die ersten Leih-E-Roller „in der ersten Juli-Hälfte“ auf Dortmunds Straßen auftauchen – wie in Berlin, wo die ersten Anbieter diese Woche gestartet sind, und in Herne, wo Circ bereits Anfang Juni einen Testbetrieb einrichtete.

E-Scooter könnten das „fehlende Bindeglied in der Nahmobilität“ sein

Die Stadt ist „nicht euphorisch, aber vorsichtig optimistisch“ in Sachen E-Scootern, wie es Stefan Thabe, Fachbereichsleiter im Stadtplanungsamt, formuliert. Die Elektro-Roller, die seit Mitte Juni auch in Deutschland zugelassen sind, könnten das „fehlende Bindeglied in der Nahmobilität“ sein, das dabei helfen kann, den Autoverkehr in der Innenstadt zu verringern.

Gleichzeitig weiß man in der Stadt auch um den Ärger, den andere Städte mit den Leih-E-Scootern gehabt haben: etwa in Paris, Brüssel und San Francisco, wo es enorme Probleme mit Wildparkern gab oder immer noch gibt, wo Leih-E-Roller unachtsam vor Zufahrten oder auf Bürgersteigen stehen gelassen werden und diese blockieren.

Keine E-Roller auf dem Hansaplatz und dem Westenhellweg

Diese Probleme sollen sich nach dem Willen der Stadtverwaltung in Dortmund nicht wiederholen. So hat die Stadt in den Gesprächen mit den Anbietern zentrale Orte genannt, in denen keine Roller abgestellt werden dürfen und durch die keine Roller fahren sollen. Dazu gehören der Westenhellweg, der Hansaplatz und der Alte Markt, aber auch Teile des Vorplatzes am Hauptbahnhof, der Großmarkt oder der Ostfriedhof. Generell sollen laut Thabe alle Parks, Friedhöfe und Fußgängerzonen tabu für die Leih-E-Roller sein.

Jetzt lesen

Dass diese Verbotszonen eingehalten werden, dafür sollen die E-Scooter-Verleiher selbst sorgen. Technisch ist das problemlos möglich: Alle Leih-Elektroroller senden permanent ihren Standort an die Betreiber, „wissen“ also auch immer, wo sie sich selbst befinden. Die Betreiber können nun in der Software der E-Scooter sozusagen No-Go-Areas bestimmen. Sobald der E-Scooter merkt, dass er in solch einer Verbotszone ist, lässt er sich nicht mehr abschließen oder pausiert sogar den Elektroantrieb. „So können die Fahrer der Leih-E-Roller zwar über den Westenhellweg, müssen aber schieben“, sagt Thabe.

Stadt hat „rechtlich nichts in der Hand“

Dabei muss die Stadt jedoch auf die Kooperation der Anbieter hoffen: „Wir haben rechtlich nichts in der Hand, um das zu regulieren“, so Thabe. Doch er gibt sich zuversichtlich: „Die Anbieter haben auch ein Interesse daran, dass es möglichst wenig Probleme gibt.“

Erste Rückmeldungen zu den Vorschlägen der Stadt seien positiv gewesen, auch wenn noch keine der freiwilligen Vereinbarungen unterschrieben ist.

Leih-E-Roller erst einmal nur in der südlichen Innenstadt und an der Uni

Beim Start wollen die Anbieter ihre Leih-E-Scooter erst einmal nur in einem Gebiet von Dorstfeld über die gesamte südliche Innenstadt bis zur Gartenstadt und vom Borsigplatz bis zum Uni-Campus Nord in Barop fahren lassen. Der größte Teil der Nordstadt ist in der Anfangsphase erst einmal außerhalb des so genannten Geschäftsgebiets.

Jeden Morgen sollen die E-Roller nach dem Stand der jetzigen Planung an schätzungsweise 100 bis 120 Abstellpunkten aufgestellt werden, etwa an Nahverkehrsknoten. Im Laufe des Tages verteilen sie sich dann je nach dem Nutzungsverhalten ihrer Fahrer über das Geschäftsgebiet, bevor sie dann nachts von Mitarbeitern der App-Anbieter wieder eingesammelt, aufgeladen, gewartet und wieder an die Startpunkte gebracht werden.

Stadt rechnet mit lediglich 300 bis 400 Leih-E-Scootern zum Start

Angst davor, dass Dortmunds Straßen ab Anfang Juli von den Leih-E-Scootern geflutet werden, hat die Stadt nicht: Sie rechnet mit lediglich 300 bis 400 Elektro-Leihrollern insgesamt in den Anfangsmonaten. Branchenkenner gehen davon aus, dass der Markt in Dortmund groß genug ist für rund 2000 Leih-E-Scooter – was immer noch kein Vergleich ist zu den mittlerweile 15.000 Exemplaren, die in Paris zur Plage geworden sind.

ZUR SACHE

Gesetzliche Bestimmungen für E-Scooter

  • E-Scooter werden in Deutschland ausschließlich auf Radwegen oder Straßen unterwegs sein dürfen. Gehwege sind tabu.
  • Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein.
  • Eine Helmpflicht besteht nicht.
  • Die Scooter müssen unter anderem zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und ein (abnehmbares) Licht habe, dazu Reflektoren und eine „helltönende Glocke“.
  • Sie dürfen nicht schneller als 20 km/h fahren und müssen eine eigene Haftpflichtversicherung haben.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger App-Entwickler „Wunder Fleet“

Dortmunder Start-Up bringt Zehntausende E-Scooter auf Europas Straßen

Ein Dortmunder Start-Up ist mittendrin im E-Scooter-Boom: „Wunder Fleet“ entwickelt Apps, die den Stadtverkehr revolutionieren können. Und rüstet nebenbei Zehntausende Leih-Elektroroller aus. Von Thomas Thiel

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Parteimitgliedschaft

Grüne in Dortmund wachsen rasant – Darum tritt ein 70-Jähriger noch ein

Meistgelesen