Stadt Dortmund muss Schultaxi für behinderte Serafine (12) bezahlen

dzRechtsstreit

Fast ein Jahr haben Familie Ebel und die Stadt Dortmund darum gestritten, wer die Kosten für das Schultaxi für die geistig behinderte Serafine übernehmen muss.

Dortmund

, 25.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist das Ende eines längeren Prozesses: Ab dem Schuljahr 2019/20 muss die Stadt Dortmund das Schul-Taxi für die geistig behinderte Serafine (12 Jahre alt) bezahlen. Damit kommt die Stadtverwaltung der Empfehlung des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen vom 10. Juli nach.

Man merkt Pflegemutter Sandra Ebel im Gespräch einerseits die Freude über die Entscheidung an. „Wir waren natürlich alle sehr erleichtert“, sagt sie gegenüber unserer Redaktion. Eine Verwaltungsrichterin beruft sich in ihrer Empfehlung auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf vom Juni 2014 sowie auf einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Aachen vom November 2015, wonach Pflegeeltern nicht verpflichtet sind, die Transportkosten für ihre Pflegekinder zu zahlen.

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Andererseits merkt man Mutter Ebel auch immer noch eine tiefe Wut an. Zu lang ging ihr der Rechtsstreit: „Ich konnte Serafine gar nicht richtig erklären, warum sie nicht zur Schule gehen kann“, so Ebel.

Serafine ist Autistin, hat einen Gendefekt und leidet wahrscheinlich am Fetalen Alkohol-Syndrom, weswegen sie kein Schmerz-, Hunger- und Gefahrenempfinden hat. Sie neigt deshalb dazu, auf Menschenmengen aggressiv zu reagieren. Darum wäre eine Anreise per Schulbus für Serafine nicht möglich.

Lange Zeit passierte nichts

Zu ihrer alten Schule, der Georg-Waldorfschule, wurde sie deshalb zusammen mit ihrer Integrationshelferin mit einem Taxi gefahren. Dort trug die Schule als Privatschule die Kosten. Zum vergangenen Schuljahr musste Serafine aber die Schule wechseln, da ihre Förderung beendet war.

Sie wechselte zur Paul-Dormann-Schule in Scharnhorst – eine städtische Schule, weswegen alle Unterstützungsmaßnahmen neu beantragt werden mussten. Sowohl die Taxi-Fahrten als auch die Integrationshelferin. Und lange Zeit passierte nichts.

Integrationshelferin schmiss hin

Bis im November 2018 die Situation eskalierte: Serafine wurde auffällig, teilweise aggressiv, einmal lief sie sogar von der Schule weg. Die Eltern sahen sich gezwungen, sie Zuhause zu behalten. Die Sicherheit ihrer Pflegetochter sahen sie nicht als gewährleistet an, da die Schule keine Integrationshelferin beantragte. Zehn Wochen ging Serafine nicht in den Unterricht. Dann zogen die Eltern die Notbremse, Serafine wechselte auf die Adolf-Schulte-Schule.

Hierhin fährt nicht mal ein Schulbus. Stattdessen musste das Mädchen die Stadtbahn nehmen. Die Integrationshelferin, die von der Adolf-Schulte-Schule gestellt wurde, warf nach einigen Wochen hin. „Die Fahrten waren ihr zu gefährlich“, erklärt Ebel. Serafine sei aggressiv gewesen, habe mehrfach versucht wegzulaufen. Wieder musste Serafine daheim bleiben, diesmal insgesamt acht Wochen.

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Neben dem laufenden Rechtsstreit sammelte Sandra Ebel über die sozialen Netzwerke Spenden für ein Taxi. 618 Euro kamen so zusammen, bis die Organisation World Wide Joy anbot, die Kosten zu tragen. „Die Spendengelder habe ich dann an die Organisation gegeben“, sagt Sandra Ebel. Somit konnte Serafine die letzten zwei Wochen vor den Ferien zur Schule gehen.

Künftig kann Serafine mit dem Taxi fahren - ohne Kosten für die Pflegeeltern. Auch die Fahrtkosten der Begleitperson, ihrer Integrationshelferin, müssen übernommen werden. Damit endet der Rechtsstreit vorerst. Übrigens: Das nächste Schuljahr hat Serafine Ebel trotz 18 Wochen Abwesenheit im vergangenen Schuljahr erreicht.

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