Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für den mutmaßlichen BVB-Bomber

Anschlag auf Mannschaftsbus

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem Plädoyer lebenslange Haft für Sergej W. gefordert. Er hatte zugegeben, im April 2017 mit drei Sprengsätzen einen Anschlag auf den BVB-Bus verübt zu haben.

Dortmund

19.11.2018, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für den mutmaßlichen BVB-Bomber

Der Angeklagte Sergej W. (M) steht im Gerichtssaal des Landgerichts neben seinem Anwalt Carl Heydenreich (r). © dpa

Im Prozess um den Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus des BVB hat die Staatsanwaltschaft am Montag lebenslange Haft für den Angeklagten Sergej W. beantragt. Fast eineinhalb Stunden nahm sich der Anklagevertreter vor dem Dortmunder Schwurgericht Zeit, um noch einmal alles zusammenzutragen, was seiner Ansicht nach gegen Sergej W. spricht. Und das war eine ganze Menge.

Der Angeklagte habe drei Bomben gebaut, die wohl nur deshalb niemanden getötet hätten, weil nicht der komplette Sprengstoff explodierte, sagte Dombert. „Das Leben sämtlicher Businsassen und auch das des Polizisten waren in großer Gefahr.“ Darüber hinaus habe der 29-Jährige im Verlauf der elfmonatigen Gerichtsverhandlung eine eigene Tatversion präsentiert, für die er als Oberstaatsanwalt nur drei Worte übrig habe: „Quatsch, Blödsinn, Lüge.“

Der Plan des Angeklagten habe verletzte Spieler vorgesehen

Sergej W. gibt zwar zu, am 11. April 2017 die drei Bomben in einer Hecke am BVB-Mannschaftshotel „l’Arrivée“ versteckt zu haben. Er räumt auch ein, die Sprengsätze gezündet zu haben, als sich der voll besetzte Mannschaftsbus in Richtung Signal-Iduna-Park in Bewegung setzte. Doch der Angeklagte bestreitet, mit den Explosionen bewusst den Tod oder schwere Verletzungen der Insassen in Kauf genommen zu haben. „Das ist Unsinn“, sagte der Anklagevertreter am Montag. „Denn nur, wenn Spieler zu Schaden gekommen wären, hätte der Aktienkurs von Borussia Dortmund so sehr nachgegeben, wie es der Angeklagte beabsichtigt hatte.“

Für Oberstaatsanwalt Dombert steht also fest: Sergej W. hat versucht, das Leben aller Spieler von Borussia Dortmund auszulöschen. Und es sei ihm nur deshalb nicht gelungen, weil die Bomben nicht richtig explodierten. „Das war Zufall, das war reines Glück“, sagte Dombert im Plädoyer. Doch dafür habe der 29-Jährige keine Milderung der Strafe verdient.

Parallelen zu einem Kölner Fall

Dombert verwies in seinem Plädoyer auf den Fall der „Kölner Kofferbomber“, die mit Sprengsätzen versucht hätten, während der Fußball-WM 2006 unzählige Menschen in Zügen zu töten. Diese Sprengsätze seien nie explodiert, sagte der Oberstaatsanwalt. Und trotzdem hätte das Oberlandesgericht Düsseldorf gegen den angeklagten Islamisten lebenslange Haft verhängt.

Nur die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, die hielt Dombert im Fall Sergej W. nicht für angezeigt. Doch allein bei lebenslanger Haft müsste Sergej W. schon mit mindestens 15 Jahren im Gefängnis rechnen.

Die Nebenklage-Anwälte schlossen sich dem Antrag der Staatsanwalt später ausdrücklich an. Alfons Becker, der zusammen mit Ulf Haumann die Interessen der BVB-Spieler vertritt, sagte deutlich: „Der Angeklagte brauchte für sein Vorhaben eine richtige Bombe. Die hat er gebaut und die hat er gezündet.“ Die Auswirkungen auf die Mannschaft, ja auch den ganzen Verein seien gravierend gewesen, so Becker. „Das Geschehen ist den Spielern ans Herz und in die Seele gegangen.“

Urteil am 27. November

Boris Strube, der Vertreter des verletzten Motorrad-Polizisten, verwies noch einmal darauf, dass der Beamte aufgrund des Vorfalls nicht mehr dienstfähig ist. „Der Anschlag hat seine Laufbahn beendet. Und er hat seinen Job immer sehr gerne gemacht“, so Strube.

Am Donnerstag (22. Oktober) soll die Verteidigung plädieren. Das Urteil wird am 27. November erwartet.

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