Spielbank-Direktor Jürgen Hammel geht in Vorruhestand - Ärger über anonymen Brief

dzCasino Hohensyburg

Schwere Zeiten fürs Spielcasino: Erträge und Besucherzahlen rauschen in den Keller. Direktor Jürgen Hammel geht in den Vorruhestand. Ein anonymer Brief prangert vermeintliche Missstände an.

Dortmund

, 12.10.2018, 15:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auslöser des insgesamt sechsseitigen, anonymen Schreibens, das unserer Redaktion vorliegt, dürfte ein Wechsel an der Spitze des Spielcasinos Hohensyburg sein. Dessen Direktor Jürgen Hammel (62) hat die insgesamt rund 250 Köpfe große Belegschaft vor Kurzem wissen lassen, dass er sich in den vorzeitigen Ruhestand verabschieden werde.

Für diesen Schritt, heißt es in dem anonymen Schreiben, seien „Korruption, Intrigen und unseriöse Machenschaften im Unternehmenskonzern“ (der Westspiel-Gruppe, Anm. d. Redaktion) verantwortlich.

"An den Haaren herbeigezogen"

„Ich kenne das Schreiben nicht“, sagte Spielbank-Direktor Jürgen Hammel auf Anfrage der Redaktion. „Aber das ist absoluter Quatsch und an den Haaren herbeigezogen.“

Richtig sei, dass er Ende Februar 2019 gern den vorzeitigen Ruhestand antreten wolle. „Und diese Entscheidung habe ich ganz allein aus gesundheitlichen Gründen getroffen“, sagt Hammel.

Zwei Direktoren und vier Stellvertreter

Wer künftig an der Spitze des Dortmunder Spielcasinos steht, bleibt vorläufig offen. Die Westspiel-Zentrale in Duisburg wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Gegenüber den Betriebsräten der Spielbank, auch darauf weist das anonyme Schreiben hin, hat sie es bereits getan: Demnach soll Dortmunds Casino eine komplett neue Leitungsebene mit zwei Direktoren und gleich vier Stellvertretern erhalten. „Ja, das ist uns vor rund zwei Wochen so vorgestellt worden“, bestätigt der Betriebsratsvorsitzende Jens Hashagen auf Anfrage.

Bislang wird das Spielcasino von einem Direktor (eben Jürgen Hammel) geleitet. Weitere Führungsfunktionen auf der darunter folgenden Ebene liegen beim Leiter der Automatenspiele und beim Saalchef (für die klassischen Spiele). Insider vermuten, dass die anstehende Privatisierung der Westspiel-Gruppe ihre Schatten vorauswirft. Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent in Landesbesitz und soll nach dem Willen der NRW-Regierung an einen privaten Investor verkauft werden.

"Viele Mitarbeiter sind frustriert"

Insider, die namentlich nicht genannt sein wollen, wundern sich, dass vor dem Start des Verkaufsprozesses mehrere neue und gut bezahlte Führungsfunktionen installiert werden sollen. Andere spekulieren, der künftige Leitungsstab komme mit der Marschrichtung, das Dortmunder Haus zu sanieren und für den Verkauf "aufzuhübschen". Das Führungsmodell sei eine Kopie des Spielcasinos Duisburg, dem ertragsstärksten der insgesamt fünf Westspiel-Häuser.

Die Duisburger Westspiel-Zentrale hüllt sich in Schweigen. Der Dortmunder Betriebsratsvorsitzende Hashagen sagt: „Wir haben uns zu diesem Führungsmodell noch keine Meinung gebildet.“ Die Stimmung in der Belegschaft sei – auch vor dem Hintergrund der Verkaufsabsichten – schon mal besser gewesen. „Es gibt viele Mitarbeiter, die schlicht und einfach frustriert sind“, weiß Hashagen. Anonyme Schreiben habe es in der Vergangenheit mehrfach gegeben.

Die Goldgräberstimmung ist verflogen

Seit Jahren kennt die Entwicklung auf dem Burgberg nur eine Richtung: Es geht kontinuierlich bergab. Die Goldgräberstimmung der Anfangsjahre ist lange vorbei. Seit der Eröffnung 1985 bis zum Jahre 2000 stiegen die Bruttospielerträge auf rund 97 Millionen Euro.

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Davon kann die Spielbank nur noch träumen: Im vergangenen Jahr 2017 klingelte ein Bruttospielertrag von gerade knapp 23,56 Millionen Euro in den Kassen. 2016 waren es 23,8 Millionen Euro. Ähnlich die Entwicklung der Besucherzahlen: 2000 strömten noch 1,2 Millionen Besucher aus allen Teilen von NRW und darüber hinaus den Burgberg hoch.

Seitdem gehen die Zahlen ungebremst auf Talfahrt. 2017 zählte das Casino gerade noch 259.000 Besucher; 2016 waren es 278.000. Kein Wunder, sagen Insider: Sie verweisen auf die stetig wachsende Konkurrenz durch „Casinos“ und Glückspiele im Internet.

Als Hauptverantwortlichen für den schleichenden Niedergang aber machen sie die Westspiel-Zentrale aus: Während die Duisburger Spielbank in mit enormen finanziellen Ressourcen „gepuscht“ werde, sei in Dortmund in den zurückliegenden Jahren kaum investiert worden. Zum Vergleich: Das Duisburger Casino, das als Vorzeigemodell gilt, kam 2017 auf 377.000 Besucher. Der Bruttospielertrag betrug 40,3 Millionen Euro.

Schreiben liegt beim NRW-Finanzmisterium

Auch dazu: kein Kommentar aus der Westspiel-Zentrale. Der anonyme Brief, der sich unter anderem über „personelle Verquickungen“ innerhalb der Westspiel-Gruppe auslässt, liegt auch dem NRW-Finanzministerium vor. Es bestätigte den Eingang, machte ansonsten aber die Schotten dicht: Man äußere sich nicht öffentlich zu anonymen Schreiben. „Sämtliche dienstlich bekannt werdende Sachverhalte werden bei Relevanz nach Recht und Gesetz behandelt“, heißt es.

  • Über die Jahre ist auch die Spielbankabgabe an die Stadt Dortmund immer weiter geschmolzen. Sie beträgt rund zwölf Prozent des jährlichen Bruttospielertrages.
  • 2017 flossen rund 2,8 Millionen Euro Spielbankabgabe in die Stadtkasse.
  • Auf dem Höhepunkt im Jahre 2000 waren es noch 14,68 Millionen Euro.
  • Die Stadt fordert vorsorglich schon jetzt einen Ausgleich, wenn die Spielbankabgabe nach einer Privatisierung der Westspiel-Gruppe entfallen sollte.
  • Die Abgabe an die Stadt gilt als Ersatz dafür, dass die Spielbank von der Vergnügungs- und Gewerbesteuer befreit ist.
  • Zu Westspiel gehören insgesamt fünf Spielbanken.
  • Neben dem Casino Hohensyburg sind das die Häuser in Aachen, Bad Oeynhausen, Duisburg und Bremen/Bremerhaven.
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