So war das smartphonefreie Konzert von Jack White in Dortmund

Warsteiner Music Hall

US-Gitarrist und Grammy-Gewinner Jack White bot in der Warsteiner Music Hall einen Abend für Liebhaber verzerrter Gitarren. Und das ganz ohne störende Handy-Displays vor der Nase.

Hörde

, 15.10.2018, 16:20 Uhr / Lesedauer: 3 min
So war das smartphonefreie Konzert von Jack White in Dortmund

Der US-Musiker Jack White ist in der Warsteiner Music Hall aufgetreten. © Adam Warzawa

Die Konzerte des Musikers aus Detroit sind „phone free“. Das bedeutet: Wirklich niemand kommt während der zweistündigen Blues-Rock-Darbietung von White und seiner Band auf den Gedanken, die vielen großen musikalischen Momente mit einem schlechten Mikrofon und pixeliger Kamera zu memorieren. „Auf den Moment und die Musik fokussieren“, beschreibt White den Gedanken dahinter, der bei allen Konzerten seiner Tour gilt.

Alle Smartphones landen in einer verschlossenen Hülle

Es kann so einfach sein. Am Eingang wird jeder Besucher nach seinem Smartphone gefragt. Er packt das Gerät in eine kleine Tasche, die mit einem Magneten, ähnlich einer Sicherung von Kleidung in Geschäften, verschlossen wird. Das Handy behält man in der Tasche, für dringende Anrufe gibt es im Foyer der Halle eine „Phone Area“.

Und während man sich drinnen noch fragt, ob das jetzt die Rettung des Konzerterlebnisses ist oder ob der Oberlehrer da oben doch einfach spielen soll, statt eigene Regeln aufzustellen, startet die Band in der ehemaligen Phoenixhalle. Mit einer fünfminütigen Noise-Jam. Die Finger warmspielen, die Ohren des Publikums an den Pegel gewöhnen, der die nächsten zwei Stunden kaum sinken wird.

Starke Band trägt Jack Whites Virtuosität

Denn das ist hier das Programm: Eine ungemein tighte Band um Schlagzeugerin Carla Azar, einen Bassisten und zwei Keyboarder. Vorne Jack White, genauer Jack White III, wie er vollständig heißt. Drei Mikrofone für drei unterschiedliche Stimmsounds. Um seinen adelig-blassen Hals hängt die immer wieder andere Version der Mutter aller Rockinstrumente, der Gitarre. Mit einer ganzen Ladung Effektgerät-Babys im Gepäck.

White soliert und zitiert, legt das Brett unter den Teppich, wandert die Blues-Pentatonik auf und nieder. Und immer, wenn seine Gitarrenvirtuosität geradezu auf die Grenze zugaloppiert, in der sie in egomanisches Gegniedel abgleiten könnte, tritt die Band wieder in den Vordergrund. Vor allem dank Carla Azar, die Whites Noise-Verrücktheiten auf unerklärliche Weise zu folgen vermag und sie hervorragend antizipiert.

König Jack und seine vier Mitmusiker regieren die Halle. Die Fans, rund 2500 sind gekommen, sind bereit für Gitarrenrock-Epen, die immer wieder Hip-Hop, Soul, Jazz und klassische Musikrichtungen wie Gospel streifen.

Blues-Rock zwischen Mississippi-Delta und Emscher

Die Songs klingen wie spontane Jam-Sessions in einem Club im Mississippi-Delta nachts um halb eins und sind doch perfekt orchestriert. Das passt in die Kulisse der alten Industriehalle – auch, wenn sich hier in Hörde nur die Emscher und ihre Nebenbächlein treffen.

Das Publikum ist laut. Lauter als wenn es Smartphones in der Tasche gehabt hätte? Es scheint fast so. Denn es stimmt schon: Wenn man das ablenkende Viereck nicht an der Hand hat, immer wieder auf die Uhr schaut, nichts notiert, nichts fotografiert und völlig im Geschehen da vorne auf der Bühne ist, wird das Konzerterlebnis intensiver.

Zum Abschluss spielt Jack White „Seven Nation Army“

Ganz zum Ende des Abends, als Jack White nach „Steady As She Goes“ auch noch seinen Über-Hit „Seven Nation Army“ spielt, ist das besonders gut spürbar. Bei einem Konzert mit Smartphones, hätte jeder Zweite den Impuls gehabt, diesen besonderen Moment noch zum Zeitpunkt des Erlebens mit der Kamera erinnerbar zu machen. Die eine Hälfte hätte nichts gesehen, die andere hätte das Lied verpasst, um nachher eine nutzlose, verwackelte Aufnahme davon zu haben.

Ohne Smartphones ist das gewaltige Gitarrenriff mit dem gröhlbaren Refrain einfach für ein paar Minuten jene unschuldige Indie-Hymne aus der Zeit als ein neues Millennium gerade begonnen hatte und nicht die Tormusik des deutschen Fußball-Rekordmeisters.

Brauchen wir mehr Konzerte ohne Smartphones?

Braucht die Welt mehr telefonfreie Konzerte? Das mittelalte Jack-White-Publikum macht das Experiment gerne mit. „Mich nerven die Displays bei Konzerten sowieso“, sagt Jens (34), als er sein Smartphone in die Hülle steckt.

Es wäre spannend, die Reaktionen bei einem jüngeren Publikum zu testen. Wäre da auch alles entspannt und fokussiert? Oder gäbe es wegen des Smartphone-Verbots einen Teenage Riot vor dem Lina-Konzert?

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