So viele SUVs sind in Dortmund zugelassen - und so verändern sie die Stadt

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SUVs sind groß, komfortabel und beliebt wie nie. Einige halten sie für eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Die steigende Zahl an „Sports Utility Vehicels“ verändert den Verkehr in Dortmund.

Dortmund

, 15.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Dortmunder fahren immer mehr und immer größere Autos - und liegen damit im bundesweiten Trend. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Aktuelle Brisanz hat das Thema durch einen Unfall in Berlin erhalten, wo ein Porsche-SUV in einer Fußgängergruppe raste und dabei unter anderem ein Kind tötete. Das löste Forderungen nach einem SUV-Verbot in deutschen Innenstädten aus.

SUVs und Geländewagen in Dortmund

Rund acht Prozent aller angemeldeten Pkw in Dortmund fallen in die Klasse SUV oder Geländewagen. Das entspricht circa 22.000 von 280.000 Autos.

Die Zahl der Neuzulassungen in diesem Segment ist stark steigend. Für das laufende Jahr vermelden Automobilhersteller eine erneute Steigerung im SUV-Verkauf von bis zu 20 Prozent. Die Branche setzt für die Zukunft auf diesen Wachstumsmarkt. Zuletzt hatte Dortmund mit einem starken Anstieg der Zulassungszahlen in den Jahren 2013 und 2017 einen Spitzenplatz unter den Großstädten eingenommen.

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Dennoch: Im bundesweiten Vergleich ist der SUV-Anteil in Dortmund mit 8 Prozent eher gering. Laut Kraftfahrzeugbundesamt nimmt Dortmund Rang 364 unter 400 erfassten Städten und Landkreisen ein. Auf den Spitzenplätzen landen Landkreise in Oberbayern oder Sachsen. Hier ist jedes vierte Auto geländegängig. In Metropolen wie München ist es jedes fünfte.

Wenn die Autos auf den Straßen größer werden, dann hat das eine Konsequenz: weniger Platz auf den Straßen. Zumal auch gewöhnliche Autos im Schnitt in den vergangene Jahrzehnten breiter geworden sind.

Es ist schwierig zu behaupten, in Dortmund wäre es zu eng. Aber bei genauerem Hinschauen ist längst der Kampf um den Verkehrsraum ausgebrochen. Das beginnt beim täglichen Verkehrskollaps auf den Pendler-Routen. Geht über die Belange von Fahrradfahrern, die für sich Raum und Sicherheit beanspruchen. Und führt bis zum Thema Parkplätze.

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Neue Parkplätze müssen breiter sein

Beim Thema Parken hat der SUV-Trend schon seinen Weg in Gesetzestexte gefunden. Die Sonderbauverordnung des Landes NRW ordnet an, dass bei Neubauten von öffentlichen Parkplätzen oder Parkhäusern mehr Platz für jedes einzelne Auto eingeplant werden muss. Parkbuchten müssen je nach Winkel zur Fahrbahn zwischen 2,45 und 2,65 Meter breit sein.

Das städtische Tochterunternehmen Do Park saniert aktuell das Parkhaus am Westentor. Nach der Wiederöffnung wird es hier laut Geschäftsführer Simon Kinz 120 Komfortstellplätze geben - verordnungskonform und SUV-tauglich.

Das Tiefbauamt ist dazu übergangen, Längsparkstreifen, die umgeplant werden, zu verbreitern, damit SUVs Platz finden, sagt Stadtsprecher Christian Schön. „In der gelebten Praxis wird bei der Erstellung der Straßenentwurfsplanungen darauf geachtet, großzügige öffentliche Stellplatzflächen für die räumlich gewachsenen Fahrzeuge anzubieten.“ Privatleute sind der Landesverordnung übrigens nicht verpflichtet.

Wahl des Autos eine Grundsatzfrage

Die SUV-Zahlen bilden nicht nur einen Verkehrstrend ab. Sondern auch eine teilweise hochemotional geführte Auseinandersetzung über Mobilität und persönliche Freiheit.

Das zeigt sich an einer einfachen Frage, die diese Redaktion ihren Facebook-Usern gestellt hat, um herauszufinden, warum die großen Autos so beliebt sind. Sie lautet: „Fahrt ihr einen SUV? Und wenn ja, warum?“

Viele Nutzer geben ganz praktische Antworten: viel Platz, bequemes Einsteigen, gute Übersicht, Sicherheit, berufliche Gründe, guter Komfort auf Langstrecken und beim Tragen von Lasten. Es melden sich auch körperlich eingeschränkte und ältere Leute, für die ein großes Auto unverzichtbar ist. Ein weiteres häufiges Argument: Beim Zustand der Dortmunder Straßen brauche man ein großes Auto.

Leserin Jana Sprave bringt ihre Haltung auf den Punkt: „Ich fahre meinen SUV (Fiat 500 XL), weil ich mich sofort in ihn verliebt habe und weil ich einfach mehr Platz habe. Natürlich verbraucht er mehr Benzin als mein kleiner Fiat 500 zuvor, aber da ich jetzt öfter mit dem Rad zur Arbeit fahre, macht mir das nichts aus. Ich bin der Meinung, dass die SUVs heute so gebaut sind, dass sie viel weniger umweltschädlich sind als die Kleinwagen vor 30 Jahren.“

Warum fahren Sie einen SUV?

Einige machen das Thema zur Grundsatzfrage. Die Wahl des Autos bedeutet für sie persönliche Freiheit. „Geht euch gar nichts an, was ich fahre“, rufen viele. Eine andere häufige Antwort lautet: „Weil ich es kann.“ Jana Sprave sagt. „Man sollte langsam mal die Kirche im Dorf lassen. Wir können uns doch nicht alles verbieten lassen. Ein E-Auto kommt für mich auch nicht in Frage, weil ich weiß, wo die Rohstoffe für die Akkus herkommen.“

Es gibt erbitterte SUV-Gegner

Auf der anderen Seite stehen erbitterte Gegner der Groß-Karossen. Umweltverbände kritisieren den hohen Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß von SUVs. Interessensvertreter von Fahrradfahrern und Fußgängern sehen die Fahrzeuge als Risiko für andere Verkehrsteilnehmer an.

„Es gibt kaum nutzlosere Autos als SUVs“, schreibt ein Facebook-Nutzer. „Sie verpesten die Luft und verbrauchen Platz. Und werden damit ein Problem für alle“, sagt ein anderer. In der Bundes- und Landespolitik gibt es Forderungen nach einer Regulierung des Geländewagen-Verkaufs.

Wie hoch ist die Unfallgefahr?

Nicht erst seit dem schlimmen Vorfall in Berlin ist die Gefahr, die von SUVs bei Unfällen ausgeht, ein Thema. Es gibt Studien, dass das Risiko für Fußgänger oder Radfahrer erhöht ist, bei Zusammenstoß schwere Verletzungen zu erleiden oder zu sterben. Entscheidende Faktoren sind das Tempo, mit dem ein Auto einen Fußgänger trifft, die Gestaltung der Fahrzeugfront, aber auch die Körpergröße eines Unfallopfers oder der Anstoßort am Auto.

Bei Zusammenstößen zwischen SUV und kleineren PKW ist der SUV-Fahrer sicherer - für Insassen des kleineren Wagens steigt jedoch das Verletzungsrisiko.

Die Polizei Dortmund klassifiziert bei der Unfallaufnahme die Fahrzeugtypen nicht, wie sie auf Nachfrage mitteilt. Deshalb gebe es keine belastbaren Zahlen.

Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß sind höher

Nicht alle SUVs verbrauchen wesentlich mehr Kraftstoff als kleinere Fahrzeuge. Dafür ziehen die großen Modelle den Schnitt nach unten. Neu zugelassene SUVs haben laut der Universität Duisburg/Essen in der ersten Jahreshälfte 2019 einen Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern Sprit auf 100 Kilometer (144,1 Gramm CO2 pro Kilometer).

Tatsächlich hängt die CO2-Bilanz davon ab, wie viele Kilometer ein Auto fährt und wie viele Personen es nutzen. Eine Kritik: zu viele SUVs werden nur von einzelnen Personen genutzt. Insgesamt trägt die wachsende Zahl an größeren Autos aber unzweifelhaft dazu bei, dass der CO2-Ausstoß im Autoverkehr steigt. Das wiederum widerspricht allen offiziellen Klimazielen. Übrigens auch in Dortmund, wo die Reduzierung der Stickstoffdioxid-Emmissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 nach aktuellem Stand nicht gelingt.

Es gibt mittel- und langfristige Folgen des SUV-Booms. Die Breite der Straßen könnte irgendwann nicht mehr ausreichen - in der Schweiz gibt es bereits erste Überlegungen, Fahrbahnen zu verbreitern. Größere und schwerere Fahrzeuge belasten außerdem die ohnehin schon maroden Straßen zusätzlich.

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