So sieht das Horror-Hochhaus von Innen aus - die letzten Bilder vor dem Abriss (mit Video)

dzFotos und Video

Das Ende des „Horror-Hochhauses“ naht, die Stadt kann den Abriss planen. Wir waren mit der Kamera drin - und bieten tolle Fotos und ein Video aus dem traurigen Koloss an der Kielstraße 26.

Dortmund

, 25.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist ein besonderer Tag in der Nordstadt. Obwohl auf den ersten Blick alles so aussieht wie in den vergangenen 17 Jahren. Das Hochhaus an der Kielstraße 26 ist jetzt vollständig im Besitz der Stadt Dortmund. Das seit dem 22.11.2002 unbewohnbare 17-stöckige Gebäude kann jetzt endlich abgerissen werden. Auf der Fläche soll eine Kindertagesstätte entstehen.

Weil der Abriss wegen der Größe und der nahen Nachbarhäuser keine ganz einfache Sache ist, wird noch etwas Zeit für Planung und Schadstoff-Gutachten ins Land gehen. Oberbürgermeister Ullrich Sierau rechnet mit dem Ende der Arbeiten im Jahr 2021. „Wenn das Ding mal weg ist, gibt’s Sekt“, sagt der OB, der anlässlich des Kaufs der letzten von insgesamt 102 Wohnungen an die Kielstraße gekommen ist.

Galerie der schlechten Graffiti und Spuren illegaler Partys: So sieht es im „Horror-Hochhaus“ aus

Vermutlich zum letzten Mal bietet sich Gelegenheit zu einem Blick ins Innere des „Horror-Hochhauses“. Diesen Titel trägt die Kielstraße 26 seit 2002, als die Bedingungen dort so untragbar wurden, dass das Bauordnungsamt das Hochhaus schließen musste. „Das hier ist ein Kollateralschaden der Wohnungswirtschaft“, sagt Ullrich Sierau.

Es geht 17 Stockwerke hinauf. Die unteren Etagen sind ohne Tageslicht, weil dicke Bretter Fenster und Balkone vor Eindringlingen schützen. Das Treppenhaus ist eine Galerie der überwiegend schlechten Graffiti und Wand-Sprüche von 1998.

Mit entschlossenem Griff reißt Hausmeister Klaus Höveler die verklemmten Eisentüren zu den Wohnfluren auf. Dahinter erstrecken sich großzügig geschnittene Wohnungen mit Balkonen. Dass hier seit dem Bau 1969 viele Menschen versucht haben, in den Sozialwohnungen glücklich zu werden, lässt sich nur noch an Details wie Blümchentapeten an den Wänden erahnen. 80 Tonnen Sperrmüll haben Mitarbeiter der Stadt Dortmund hier herausgeschafft. Kosten: 160.000 Euro.

Der Ausblick aus den oberen Stockwerken ist atemberaubend

Die Räume in den oberen Stockwerken tragen Spuren vieler illegaler Partys. Das überrascht nicht bei dem atemberaubenden Ausblick von hier oben: City, Signal Iduna Park und Dortmunder Süden auf der einen Seite, die Weite des Nordens und Kraftwerke in der Ferne auf der anderen. Plötzlich ist der „Horror“ weit weg.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die letzten Bilder aus dem "Horror-Hochhaus"

Das Hochhaus an der Kielstraße 26 hat einen zweifelhaften Ruf als "Horror-Hochhaus". Jetzt hat die Stadt Dortmund alle 102 Wohnungen gekauft - und kann beginnen, das marode Gebäude abzureißen.
25.06.2019
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Das Hochhaus an der Kielstraße 26 soll bis 2021 abgerissen werden.© Oliver Schaper
Seit 2002 steht das Gebäude leer.© Oliver Schaper
Die Wohnungen wurden von 80 Tonnen Sperrmüll befreit.© Oliver Schaper
Es gibt nur noch einzelne Spuren der ehemaligen Bewohner - wie diese Blumentapete.© Oliver Schaper
Aus Anlass des Verkaufs der letzten der 102 Wohnungen an die Stadt Dortmund kamen Oberbürgermeister Ullrich Sierau (Mitte) und weitere Vertreter der Verwaltung an die Kielstraße.© Oliver Schaper
Blick in den Hausflur des 17-stöckigen Gebäudes.© © Schaper
Blick in den Hausflur des 17-stöckigen Gebäudes.© Oliver Schaper
Blick in den Hausflur des 17-stöckigen Gebäudes.© Oliver Schaper
Oberbürgermeister Ullrich Sierau vor dem "Horror-Hochhaus".© © Schaper
Alle Versuche, an der Kielstraße 26 wieder Wohnen zu ermöglichen, schlugen fehl.© Oliver Schaper
Aussicht von einem der Balkone.© Oliver Schaper
Reste einer Lichtanlage im Hausflur.© Oliver Schaper
Eine der vielen Kritzeleien an den Hausflur-Wänden.© Oliver Schaper
Die Wohnungen gehen von einheitlich geschnittenen Fluren ab.© Oliver Schaper
Vertreter der Verwaltungsspitze und des Amts für Stadterneuerung vor dem Gebäude an der Kielstraße 26.© © Schaper
Die Badezimmer in den Wohnungen sind noch erhalten.© Oliver Schaper
Oberbürgermeiser Ullrich Sierau und Planungsdezernent Ludger Wilde in einer der Wohnungen.© Oliver Schaper
Klaus Höveler ist Hausmeister des Gebäudes. © Oliver Schaper
Beachtlicher Ausblick trotz verdreckter Scheibe.© Felix Guth
Der Blick aus einer der oberen Etagen in Richtung City, © Oliver Schaper

Die Nachbarn des „Horror-Hochhauses“ sind noch etwas skeptisch, ob sich wirklich alles zum Guten wendet. „Das glaube ich erst, wenn es so weit ist“, sagt eine Anwohnerin. „Aber wir sind schon froh, dass bald etwas passiert“, meint ihr Nachbar. Andere Bewohner der Kielstraße nutzen die Anwesenheit mehrerer Offizieller, um auf das Rattenproblem in der Gegend hinzuweisen.

Schwierige Suche nach den 44 Einzeleigentümern

Seit 2007 läuft der politische Prozess zur Zukunft der Immobilie. 2015 fiel der Ratsbeschluss zum Kauf der Eigentumswohnungen. Die Wohnungen waren 1993 an insgesamt 44 Einzeleigentümer oder Eigentümergemeinschaften verkauft worden.

Jeder dieser Besitzer musste aufgespürt und vom Verkauf überzeugt werden - ebenso wie Banken und Versicherungen als Kreditgeber im Hintergrund. Sebastian Kröger vom Amt für Stadterneuerung spricht von einem „riesigen Detektiv-Spiel“. Einige Eigentümer waren schwer aufzufinden oder tauchten aus dem Nichts wieder auf. An anderer Stelle gab es Erben von Erben und viele Einzelschicksale.

Der Kauf der Wohnungen hat insgesamt 650.000 Euro gekostet. Insgesamt stehen für Ankauf und Abriss rund 2,3 Millionen Euro zur Verfügung.

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