Seit Anfang des Jahres ist das Seepferdchen schwieriger geworden. Was müssen Kinder leisten, um das Abzeichen tragen zu dürfen? Unsere Autorin hat den Selbstversuch gemacht.

von Anna Maria Stock

Dortmund

, 26.02.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mein Seepferdchen ist lange her. 18 Jahre. Ich habe es nachgeschaut. Kann mich kaum noch daran erinnern. Nun haben sich Anfang dieses Jahres die Anforderungen für das Seepferdchen geändert, es ist schwieriger geworden. Ein schöner Anlass, meiner Erinnerung auf die Sprünge zu helfen – und es noch einmal zu machen. Also mache ich mich auf zum Seepferdchen-Kurs der DLRG im Dortmunder Südbad.

Ein Montagabend im Dortmunder Südbad: Der Seepferdchen-Kurs findet auf einer der Randbahnen statt. Während wir darauf warten, dass sich alle einfinden, erklärt Schwimmtrainer Philipp Parche, dass sich die Kinder ohne Hilfe der Eltern umziehen und duschen sollten. Ich, 25 Jahre alt, habe mich ohne Hilfe umgezogen und geduscht. Die erste Anforderung als Kursteilnehmerin habe ich also schon gemeistert.

Um 18 Uhr versammeln sich zehn Kinder im Vor- und Grundschulalter an der Seepferdchen-Bahn. Ich mittendrin. Eines der Kinder fragt mich, ob ich auch das Seepferdchen mache. Als ich bejahe, wirkt es nicht so verwundert, wie ich erwartet hätte.

Prüfungsteil 1: Springen und schwimmen

Wir stehen am Kopf des 50-Meter-Beckens in einer Reihe. Uns gegenüber: unsere Seepferdchentrainer Simon Rohrkamp (20) und Celina Schürmeyer (21). Beide sind seit etwa zehn Jahren bei der DLRG aktiv. Die Kinder haben heute ihre dritte von zehn Schwimmstunden. Ich bin die einzige, die heute die Prüfung macht. Und die erste, die Simon und Celina nach den neuen Anforderungen prüfen.

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Simon gibt uns nun die erste Anweisung. Vom Beckenrand sollen wir ins Wasser springen und bis zur ersten Badeleiter schwimmen. Das sind zwölf Meter. Nacheinander hüpfen wir ins Wasser. Als ich an der Reihe bin, springe ich in das schultertiefe, sportbeckenkalte Wasser.

Ich tauche einmal unter und schwimme los. Armzug, Atmung, Beinschlag, Armzug, Atmung, Beinschlag...

Während man bisher beim Seepferdchen die erforderlichen 25 Meter irgendwie zurücklegen durfte, muss heute ein Schwimmstil zumindest erkennbar sein. Außerdem muss man dabei erkennbar ins Wasser ausatmen.

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Reportage Seepferdchen

Seit Anfang des Jahres gilt für die Deutschen Schwimmabzeichen eine neue Prüfungsordnung. Auch beim Seepferdchen haben sich die Anforderungen geändert, es ist etwas schwieriger geworden. Ist es noch zu schaffen? Als Reporterin mache ich den Selbstversuch.
25.02.2020
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Montagsabend von 18.00 Uhr bis 18.40 Uhr gibt die DLRG im Dortmunder Südbad Schwimmkurse für verschiedene Abzeichen. An diesem Montag (17. Februar) bin ich als Seepferdchen-Anwärterin dabei.© Oliver Schaper
Der Seepferdchen-Kurs übt auf einer der Außenbahnen des Südbads.© Oliver Schaper
In meiner Gruppe bin ich als 25-Jährige mit Abstand die Älteste. © Oliver Schaper
Die 40-minütige Übungsstunde beginnt mit dem Sprung vom Beckenrand.© Oliver Schaper
Auf der Seite des 50-Meter-Beckens ist das Wasser nicht so tief. Es reicht mir bis zur Schulter.© Oliver Schaper
Die nächste Prüfungsleistung: 25 Meter schwimmen. Während beim alten Seepferdchen auch Paddeln erlaubt war, muss nach der neuen Prüfungsordnung ein Schwimmstil erkennbar sein. Außerdem muss man in Bauchlage erkennbar ins Wasser ausatmen. Das verbessert die Wasserlage. © Oliver Schaper
Trainer Simon gibt mir Verbesserungsvorschläge für meinen Brustschwimm-Armzug.© Oliver Schaper
Anstehen am Beckenrand.© Oliver Schaper
Als nächstes warten auf uns Seepferdchen-Anwärterinnen drei bunte Ringe, die wir aus dem Wasser auftauchen sollen.© Oliver Schaper
Laut Prüfungsordnung muss ein Gegenstand aus schultertiefem Wasser heraufgeholt werden. Wir üben mit drei bunten Ringen.© Oliver Schaper
Dann bin ich an der Reihe. Ohne Schwimmbrille sehe ich die Ringe unter Wasser nur sehr verschwommen. © Oliver Schaper
Da sind sie, die Ringe. Springen, Schwimmen und Tauchen habe ich damit geschafft.© Oliver Schaper
Fehlt noch der theoretische Teil der Prüfung – der auch neu ist. Heute muss man bereits beim Seepferdchen die wichtigsten Baderegeln kennen. Früher war das erst ab dem Bronzenen Schwimmabzeichen nötig. Ich bin zwar nicht vorbereitet, aber Prüfer Simon hilft mir mit gezielten Fragen.© Oliver Schaper
Damit habe ich alle Teile der Seepferdchen-Prüfung bestanden. Und darf wie die anderen zum Abschluss der Trainingsstunde vom Ein-Meter-Brett springen.© Oliver Schaper
Der Sprung vom Ein-Meter-Brett. (Nein, über das Wasser laufen gehört nicht zur Prüfungsleistung beim Seepferdchen...)© Oliver Schaper
Seepferdchen: Check!© Oliver Schaper

Ich gebe mir Mühe. Für Trainer Simon scheint mein Schwimmstil „Brust“ erkennbar genug zu sein. Als ich an der ersten Badeleiter aus dem Wasser klettere, gibt er mir aber Verbesserungstipps für meinen Armzug: „Du kannst ihn ruhig kräftiger machen. Und zieh ihn von vorne bis hinten durch.“ Gar nicht so leicht, das umzusetzen.

Wahrscheinlich ist es einfacher, den Zug von Grund auf neu zu lernen, als meine jahrelangen Gewohnheiten zu ändern. Zusammen mit meinen munteren Mitstreitern springen und schwimmen wir mehrere Male – später auch bis zur zweiten Leiter, die etwas hinter der Hälfte der 50-Meter-Bahn steht.

Wenn ich die Augen beim Luftholen kurz öffne, um mich zu orientieren, und das Chlorwasser hineinspritzt, brennen sie leicht. Das Schwimmen ohne Brille ist für mich ungewohnt. Doch bei der DLRG geht es um Rettungsschwimmen – und da gibt es keine Hilfsmittel.

Prüfungsteil 2: Tauchen

Die fehlende Schwimmbrille erschwert für mich auch die zweite Aufgabe etwas: das Heraufholen der Ringe vom Boden des Beckens. Denn ohne Brille sehe ich nur drei verschwommene bunte Punkte im Wasser. Ich kann aber trotzdem alle drei Ringe in einem Tauchgang aufsammeln und Trainer Simon überreichen.

Nachdem alle Seepferdchen-Kandidaten einige Male nach Ringen getaucht sind, laufen wir an das andere Ende des Beckens, zum Sprungbrett. Auf dem Weg dorthin verkündet mir Simon: „Du hast einen Großteil der Prüfung schon bestanden!“ Ich freue mich, bin aber überrascht, denn ich dachte, wir hätten bisher nur geübt.

Die Prüfung werde in die Übung integriert, erklärt er mir: „Dadurch vermeiden wir die typische Prüfungssituation und die Kinder sind nicht so nervös.“ Bei mir hat das gut geklappt; so habe ich die Prüfung gar nicht gemerkt.

Prüfungsteil 3: Baderegeln

Während die Kinder zur Belohnung am Ende der 40-minütigen Schwimmlektion noch zum Spaß vom Ein-Meter-Brett springen dürfen, folgt für mich nun der trockenste Teil der Prüfung: die Baderegeln. Auch das ist neu seit diesem Jahr. Heute muss man schon für das Seepferdchen die Baderegeln kennen. Ich mache mir kurz Sorgen. Darauf habe ich mich nicht vorbereitet.

Aber zum Glück geht es nicht darum, die zehn Baderegeln herunterbeten zu können. „Die Kinder sollen sie verinnerlichen, nicht auswendig lernen“, sagt Simon. Und so ist es eher ein Gespräch, bei dem mir Simon gezielt Fragen stellt und mir so die Baderegeln entlockt. Ich bestehe!

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Info

Der Seepferdchen-Kurs der DLRG ist ein zehnstündiger Kurs. Das Seepferdchen-Abzeichen bekommt man allerdings nicht automatisch nach den zehn Schwimmstunden, sondern dann, wenn man die Anforderungen erfüllt. Bei der DLRG in Dortmund kostet ein solcher zehnstündiger Kurs 25 Euro. Weitere Infos gibt es auf www.bez-dortmund.dlrg.de.
Meine kleinen Mitstreiter haben Spaß in dem Kurs. Kiyan taucht am liebsten und Lauritz gefällt das Springen am besten. Ammar-Dilghêr kann sogar schon einen Rückwärtssalto. Und Anna, meine Namensvetterin, erzählt mir, dass ihr alles Spaß macht. Ich überlege: Mir hat tatsächlich das Schwimmen am meisten Spaß gemacht. Die langsamen, bewussten Schwimmzüge tun gut. Und zeigen mir, dass ich das in den letzten Monaten vernachlässigt habe.

Nachdem ich mich geduscht und umgezogen habe – wieder selbstständig – überreichen mir Simon und Celina mein Zeugnis und das Abzeichen. „Das kannst du dir jetzt auf deinen Badeanzug nähen“, sagt meine Oma, als ich es ihr zu Hause zeige. Das werde ich tun. Und es mit Stolz tragen.

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