Die Corona-Pandemie stellt insbesondere Alleinstehende vor große Herausforderungen. Eine Dortmunderin berichtet über ihre Zeit als Single in der Corona-Pandemie - Über den Verlust ihrer sozialen Kontakte, das Gefühl von Einsamkeit und ihre ersten Erfahrungen mit Online-Dating. (Symbolbild) © Unsplash
Single in der Corona-Pandemie

Single-Frau in Corona-Zeiten: „Hast du Bock auf Netflix and Chill heißt: Willst du Sex?”

Wer allein ist und sich an die Kontaktbeschränkungen hält, hat es momentan in vieler Hinsicht ziemlich schwer. Eine Dortmunderin berichtet, wie sie die Corona-Zeit als Single erlebt.

Keine Offline-Dates, weniger soziale Kontakte, Einsamkeit: Für Singles haben die Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Maßnahmen heftige Auswirkungen. Während Familien sich wenigstens gemeinsam beschäftigen können, fällt für Singles auch dieses Miteinander weg. Marie Redemann aus Dortmund (Name von der Redaktion geändert) erzählt über ihre Erfahrungen als Single in der Corona-Pandemie.

Pandemie stellt Alltag der Dortmunderin auf den Kopf

Marie Redemann ist 21 Jahre alt, wohnt in Dortmund und ist Studentin. Seit rund einem halben Jahr ist sie Single. Die Corona-Pandemie hat ihren Alltag unterdessen auf den Kopf gestellt.

Nicht nur ihr Alltag hat sich verändert, auch ihre sozialen Kontakte sind weniger geworden. „Vor der Pandemie habe ich meine Kommilitonen und Freunde noch täglich gesehen. Jetzt sehe ich fast niemanden mehr”, so Redemann.

Ihre Lehrveranstaltungen laufen nur noch online ab, weshalb sie den größten Teil des Tages alleine daheim ist. Auch ihre Freizeitgestaltung am Nachmittag ist stark eingeschränkt. „Da bin ich viel zuhause auf der Couch. Selten gehe ich mal spazieren. Früher war das total anders”, sagt sie.

Gefühl von Einsamkeit steigt

Vor der Krise hatte Redemann kaum die Möglichkeit, sich alleine zu fühlen. Sie habe immer viel Zeit mit ihren Freunden verbracht und jede Menge mit ihnen unternommen. „Meine sozialen Kontakte und die Möglichkeit, etwas zu unternehmen, was außerhalb der eigenen vier Wände ist, fehlen mir am meisten”, sagt sie.

Da sie mittlerweile aber immer weniger in Gesellschaft ist, empfinde sie nun auch häufiger Einsamkeit. „Gerade abends, wenn ich von meinem Alltag abschalten möchte, fühle ich mich oft einsam”, erzählt sie.

Zwar helfe ihr der Anschluss zu Freunden über Social-Media gegen das Alleinsein, dennoch sei diese Art von Verbindung kein Vergleich zu früher. „Man war nicht nur online vernetzt, sondern hat sich auch persönlich getroffen. Das ist ein großer Unterschied”, sagt sie.

Die Erfahrung ‘Online-Dating’ in der Pandemie ist fehlgeschlagen

Redemann beschreibt ihr Liebesleben mit den Worten „nicht vorhanden”. Online-Dating über Partnerbörsen habe sie in der Pandemie zwar das erste Mal ausprobiert, das habe ihr aber nicht gefallen. „Mir hat das nach zwei Wochen auch wieder gereicht. Das war nicht meins”, sagt sie.

Auf solchen Dating-Portalen seien ihrer Ansicht nach großteils Leute angemeldet, die nach etwas Kurzfristigem suchen und nicht nach einer beständigen Beziehung. „Da bin ich nicht so der Typ für”, so Redemann.

Obwohl sie nur eine kurze Zeit die Dating-App Tinder benutzt habe, hat sie dabei einige lustige Geschichten erlebt. Sie berichtet von einem Mann, mit dem sie ein sogenanntes „Match“ hatte.

Dieser habe in seinem Profil stehen gehabt, dass er nach großen Liebe und dementsprechend eine ernsthafte Beziehung suchen würde. „Dann haben wir angefangen zu schreiben. Seine dritte Nachricht war ‘Hast du Bock auf Netflix and Chill’ alias willst du Sex?”, erzählt Redemann.

Diese Erfahrung würde das Verhalten von Menschen auf Tinder gut darstellen. Sie zeige, dass die meisten wohl doch nicht auf eine langfristige Beziehung aus sind – auch wenn sie es behaupten.

Corona macht Dating nahezu unmöglich

Die Dortmunderin sieht einen großen Unterschied zwischen dem Single-Dasein vor und während der Pandemie. „Auch wenn ich Single war, war ich vor Corona nie lange alleine”, sagt sie. Zwischendurch habe sie trotzdem Dates gehabt oder sich langfristig mit jemandem getroffen. Seit sie sich Mitte vergangenen Jahres von ihrem Freund getrennt hat, habe sie nicht eine Verabredung gehabt. „Ich treffe niemanden neuen, weil es die Corona-Maßnahmen nicht hergeben”, so Redemann.

Zudem sei es schwierig für sie, jemanden kennenzulernen, mit dem sie sich überhaupt für ein Date verabreden könnte. Schließlich seien etliche Arten, wie Menschen miteinander in Kontakt treten könnten, momentan nicht mehr möglich. „Auf Partys treffe ich sonst immer Leute, aber die finden ja nicht mehr statt”, sagt sie.

Selbst wenn sich zwei Singles online kennenlernen würden, sei das erste Date in Corona-Zeiten nicht einfach zu planen, findet Redemann. Zu diesem Zeitpunkt möchten sich Personen noch nicht im privaten Raum treffen – wegen des Infektionsrisikos und der Sicherheit.

„Ich als Frau würde meine Online-Bekanntschaft nicht direkt zuhause treffen. Was weiß ich, was da alles passieren kann”, sagt sie.

Im Normalfall könne Redemann sich mit jemandem auf einen Kaffee in einem Café treffen, aber das ist momentan nicht machbar. Es sei zwar möglich, sich zum Spazieren gehen zu treffen, das sei auf die Dauer jedoch auch langweilig.

„Single und alleine lebend ist eine ganz schwierige Kombi momentan”

Redemann sieht es als Nachteil an, insbesondere jetzt in der Corona-Pandemie, in keiner Beziehung zu sein. Schließlich können sich Beziehungspartner trotzdem ohne Bedenken treffen und die Zeit gemeinsam verbringen.

„Wenn man sich nur gegenseitig trifft, kann man den Kreis halt auch gut auf die beiden Personen beschränken”, sagt sie. So haben Pärchen nur ein geringes Ansteckungsrisiko und sind dennoch nicht alleine.

Als sie selbst noch in einer Beziehung war, habe ihr Partner ihr einen Grund gegeben, die eigene Wohnung zwischendurch zu verlassen. „Zu der Zeit war ich halt nicht 24/7 in meinen eigenen vier Wänden gefangen, sondern habe auch meine Zeit bei ihm verbracht”, so Redemann.

Zudem würde ein Partner eine gewisse Abwechslung in den derzeit eintönigen Alltag bringen. Einen noch größeren Vorteil hätten Paare, die bereits zusammen wohnen. „Die sind dann nicht alleine, aber Single und alleine lebend ist eine ganz schwierige Kombi momentan”, erklärt sie.

Ansprüche werden mit den Erfahrungen mehr

Redemann nennt drei Gründe, wieso es bei ihr momentan an einer Partnerschaft hapert. Zum einen hat sie momentan nicht die Möglichkeit, einen potenziellen Partner kennenzulernen – Corona schränkt sie stark ein, mit jemandem in Bekanntschaft zu treten.

Zum anderen fehle ihr momentan auch das Interesse, einen potenziellen Partner kennenzulernen. „Dadurch, dass man durch Corona so einen eintönigen Alltag hat, verliert man auch die Lust. Ich würde schon fast Libido-Verlust sagen”, sagt sie.

Außerdem seien ihre Ansprüche derweil gewachsen. „Man lernt mit jeder Beziehung und Trennung, auf was man bei der darauffolgenden besser achten sollte”, sagt sie. Aufgrund dessen, würden nach und nach immer mehr Punkte dazukommen, die ein neuer Partner mitbringen müsse.

„Früher waren mir nur so Basics wichtig: Guter Umgang, Freundlichkeit, Humor und so weiter”, führt sie fort. Mittlerweile sei es ihr auch wichtig, dass ihr nächster Partner politische und gesellschaftliche Meinungen mit ihr teilt.

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