Jessica Baumann bringt auf Wunsch Ordnung in die vier Wände der Dortmunder. © Irina Höfken
Professionelles Aufräumen

Sie ist Dortmunds Marie Kondo: Ordnungscoach hilft beim Ausmisten

Aufräumen ist gut für die Psyche - das weiß auch Jessica Baumann. Als Ordnungscoach bringt sie Struktur in das Zuhause der Dortmunder. Welches Geheimnis dahintersteckt, hat sie uns verraten.

Ordnung geht so: Pullover-Stapel aus gefalteten Päckchen, nahtlos aneinandergereiht und nach Farben sortiert, reihen sich auf den Regalbrettern im weißen Schrank. Jacken hängen auf den exakt gleichen Bügeln in Reih und Glied. Und die Socken? Die sind auch als quadratische Päckchen in der Schublade verstaut. Das wollen uns die Vorher-Nachher-Bilder auf Instagram und Co. weismachen.

Ordnungscoach aus dem Pott: Achtung vor der Scheinwelt

So müsse das nicht aussehen, sagt Dortmunderin Jessica Baumann. Sie ist Ordnungscoach, sozusagen die Marie Kondo aus dem Pott. Der Star aus der Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“ verdient Millionen mit seiner Methode.

Doch die im Internet gezeigten Bilder zeigen oftmals nicht die Realität, sagt Jessica Baumann. Die Gefahr sei groß, sich darin zu verlieren und einen wichtigen Punkt zu vergessen: „Ruhe beginnt mit der Ordnung im Kopf und nicht mit teuren, luxuriösen Ordnungssystemen.“

Jessica Baumann ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Jobs hatte sie schon viele: Als Schilder- und Lichtreklameherstellerin, als Vertrieblerin im Fitnessstudio, als Versicherungsfachfrau und als Sekretärin habe sie sich im Arbeitsalltag immer unterfordert gefühlt.

Ordnung sei aber schon immer ihr Ding gewesen. 2020 habe sie nach einer Corona-bedingten Kündigung entschieden, sich selbstständig und ihre Passion zum Beruf zu machen.

Ein bestimmtes Konzept für alle: Gibt‘s das?

Jetzt bringt die Dortmunderin Struktur in das Zuhause ihrer Kunden. Angefangen vom Schnupper-Tag für 217 Euro bis zum Fünf-Tages-Angebot für 1680 Euro ist ihr Coaching auf der Website www.findeeinenweg.de zu buchen.

Der Prozess sei bei Weitem nicht immer „schön“: Alles wird in einem ersten Schritt aus den Schränken geholt. Alles. Bevor Ordnung in den Räumen einkehren könne, entstehe Chaos, erklärt sie. Das zeigt das perfekte Nachher-Foto nicht.

Bevor Ordnung in diese Küche gekommen ist, musste alles aus den Schränken raus.
Bevor Ordnung in diese Küche gekommen ist, musste alles aus den Schränken raus. © Baumann © Baumann

Während die meisten davon an den Rand der Verzweiflung getrieben werden, behält Baumann den Überblick und kategorisiert. Im Kopf ordnet sie die Artikel vor sich logisch zusammen, bevor sie wieder in den Schrank wandern. Ein Ordnungssystem müsse immer logisch sein, sagt sie. Diese Logik zu erkennen, dafür sei sie gefragt. Jedes Ordnungssystem passe sie individuell an den Haushalt an.

Von einer bestimmten Falttechnik, einem starren Ordnungssystem oder einem festen Putzplan für alle halte sie gar nichts. Nicht jeder Alltag, jede Wohnung oder gar jeder Schrank habe die gleichen Voraussetzungen – nur logisch müsse es sein.

Das Suchen soll ein Ende haben

Online-Coaching bietet die 40-Jährige nicht an. Sie müsse vor Ort sein, die Menschen kennenlernen und tatkräftig anpacken. „Gewürze gehören zum Herd, Geschirr in die Nähe der Spüle – aber Vasen, braucht man die wirklich in der Küche?“

In diese Abstellkammer einer Kundin hat Jessica Baumann Ordnung gebracht.
In diese Abstellkammer einer Kundin hat Jessica Baumann Ordnung gebracht. © Baumann © Baumann

Alles in den Schränken braucht laut Ordnungscoach seinen festen Platz und darum gehe es vor allem: Nichts mehr suchen zu müssen. „Meine Mutter musste immer einen Kugelschreiber suchen. Das würde mir nie passieren“, sagt Jessica Baumann und lacht.

Am Ende hat sie alles in Kisten verpackt und beschriftet.
Am Ende hat sie alles in Kisten verpackt und beschriftet. © Baumann © Baumann

In der Küche werden abgelaufene Lebensmittel weggeworfen oder die „Das-kann-ich-bestimmt-noch-einmal-gebrauchen-Artikel“ aussortiert, aber rigoros alles wegzuwerfen, nur damit es am Ende ordentlich aussieht, das sei nicht der Weg der 40-Jährigen.

Der Ordnungscoach ist fertig – und dann?

Sie arbeite viel mit Boxen und Beschriftungen, um den Kunden einen strukturierten Weg vorzugeben. „Das können neu gekaufte Boxen sein. Schuhkartons tun‘s aber auch“, sagt sie. Hauptsache die Dinge werden zusammengehalten. Ordnungssysteme können teuer sein, müssen es aber nicht.

Und wenn das System wieder einreißt? „Dann muss man damit leben oder mich wieder buchen“, sagt sie und lächelt.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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