Sexueller Missbrauch: Rentner (71) soll sich an kleinem Mädchen vergangen haben

dzLandgericht

Ein 71-Jähriger soll ein Kind missbraucht haben. Das Mädchen soll sich sogar wochenlang bei ihm aufgehalten haben. Auch wurden Kinderpornos gefunden. Der erste Verhandlungstag ist geplatzt.

Dortmund

, 17.09.2019, 17:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Verhandlung um 9.15 Uhr aufgerufen wurde, blieb der wichtigste Platz im Gerichtssaal leer: Auf der Anklagebank saß allein Verteidigerin Ina Klimpke. Ihr Mandant, der 71-jährige Angeklagte, war nicht erschienen.

Die Richter reagierten so, wie es üblicherweise in dieser Konstellation gehandhabt wird: Sie alarmierten die Polizei und setzten eine Streifenwagenbesatzung in Bewegung. Diese sollte versuchen, den Rentner an seiner Wohnanschrift anzutreffen, um ihn anschließend ins Gericht bringen zu können.

Mehrere Stunden Verspätung

Tatsächlich erschien der Mann dann mit einer Verspätung von mehreren Stunden an der Kaiserstraße 34. Wie es aussieht, hat er diese Verzögerung aber gar nicht selbst zu verantworten.

Denn Tatsache ist: An der Adresse, zu der die Richter die förmliche Ladung zum Prozesstermin geschickt hatten, wohnt der 71-Jährige schon lange nicht mehr. Ende 2018 ist er in ein Seniorenheim umgezogen und hat seine Wohnung aufgegeben.

"Er hat allerdings nicht beim Auszug das Klingelschild entfernt", sagte Verteidigerin Ina Klimpke. Ihr Mandant sei davon ausgegangen, dass dies von einem eventuellen Nachmieter erledigt werden würde.

Möglicherweise hängt aber der Name bis heute an der nicht mehr von dem Angeklagten bewohnten Tür. "Deshalb kann es natürlich möglich sein, dass die Ladung dort eingeworfen und als zugestellt abgehakt wurde", so Klimpke.

Auftakt in der nächsten Woche

Weil sich der 71-Jährige bisher also nicht auf den Prozess vorbereiten konnte, soll dies nun in der kommenden Woche nachgeholt werden. Ein mehrstündiges Gespräch mit seiner Anwältin ist bereits angesetzt.

Am 26. September soll dann die Anklageschrift verlesen werden. Darin werden dem Mann mehrere sexuelle Übergriffe auf die Tochter einer Bekannten vorgeworfen. Die Taten sollen sich in den Jahren 2010 und 2011 ereignet haben.

In den Sommerferien soll sich das Mädchen sogar einmal vier Wochen am Stück in der Wohnung des Angeklagten aufgehalten haben.

Weiterer Tatvorwurf: Bei einer Wohnungsdurchsuchung im September 2017 soll die Polizei mehrere Datenträger sichergestellt haben, auf denen sich offenbar fast 400 Fotos und Videos mit kinderpornographischem Inhalt befanden.

Mädchen könnte als Zeugin aussagen müssen

Was der Angeklagte zu den Vorwürfen sagt, ist noch nicht bekannt. Am Dienstag erklärte er nur: "Ich will jedenfalls dass das Ganze so schnell wie möglich aufgeklärt wird."

Und die Art und Weise, wie er diesen Satz aussprach, ließ nicht darauf schließen, dass er die Anschuldigungen akzaptiert. Möglicherweise muss also die Tochter seiner Bekannten im Prozess als Zeugin vernommen werden.

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