Seeferienheim auf Juist soll komplett aufgegeben werden

dzEvangelische Kirche

Die Leitung des Evangelischen Kirchenkreises will das Seeferienheim auf Juist ganz aufgeben, eine Initiative kämpft für den Erhalt. Am Montag entscheidet die Synode des Kirchenkreises.

Dortmund

, 22.11.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht ums Ganze, wenn am Montag die Synode des evangelischen Kirchenkreises über das Seeferienheim auf der Nordsee-Insel Juist berät. Denn auf dem Tisch liegt den Vertretern der Gemeinden und anderen Synodalen der Vorschlag, das Ferien- und Freizeitheim nicht nur zu verkleinern, sondern ganz aufzugeben. Eine Initiative, die sich für den Erhalt des Seeferienheims einsetzt, hofft dagegen, einen Beschluss verschieben zu können. Denn sie hat einen möglichen Investor an der Angel, der das Seeferienheim sanieren und auf neue Beine stellen will.

Hoher Sanierungsbedarf

Die Entscheidung, das Seeferienheim aufzugeben, wäre ein tiefer Einschnitt. Denn es ist das letzte verbliebene Ferien- und Freizeithaus des Kirchenkreises. Und es hat eine lange Tradition. 1925 wurde das erste Haus auf Juist eingerichtet. Seit 20 Jahren wird aber kirchenintern auch schon über die Zukunft des Seeferienheims diskutiert, das aus vier Gebäuden besteht. Drei davon sind dringend sanierungsbedürftig und gelten als nicht mehr zeitgemäß. Spätestens seit 2005 muss das Haus sogar ohne Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln auskommen, was zu einem großen Investitionsstau geführt hat.

Die Folge: Immer weniger Gemeinden nutzen das Ferienheim für Freizeiten. Die Auslastung lag zuletzt bei 34,45 Prozent, teilt die Kirchenleitung den Synodalen mit. Das Fazit: Das Ziel des Seeferienheims, Kindern, Jugendlichen und Familien sowie den Gemeinden unseres Kirchenkreises einen Ort der Erholung bzw. einen Identifikationsort zu bieten, wird nur noch bedingt erreicht“, heißt es in der Vorlage der Kirchenleitung für die Synode.

Gutachter nahmen das Haus unter die Lupe

Mit Gutachtern wurden zuletzt verschiedene Varianten geprüft. Zuletzt war lange Zeit von einem Teilverkauf und dem Umbau eines Gebäudes zu einem Appartementhaus mit Selbstverpflegung die Rede. Doch selbst bei einem Teilverkauf bliebe bei Investitionskosten von 4,2 Millionen Euro am Ende eine angenommene Deckungslücke von etwa 1,7 Millionen Euro, rechnete ein Gutachter vor. Ein wirtschaftlicher Betrieb des verkleinerten Hauses sei aber auch dann fraglich.

Die Konsequenz: Die Kirchenleitung empfiehlt, das Seeferienheim Juist zum 31. Dezember 2019 zu schließen und das Grundstück mit allen Gebäuden zu verkaufen. mit dem Zinserlös aus dem gewonnenen Kapital sollen dann für Ferien- und Freizeitangebote des Kirchenkreises und der Gemeinden zur Verfügung stehen.

Das Echo auf diesen weitrechenden Vorschlag ist sehr geteilt. Während einige Gemeinden nach Beratungen in den Presbyterien am Seeferienheim festhalten wollen, plädieren andere für eine Aufgabe des Hauses – nicht zuletzt mit Blick auf den Hinweis, der Kirchenleitung, dass die Finanzlücke bei einem Umbau über die Gemeinden geschlossen werden müsste.

Initiative kämpft für den Erhalt

Auch in anderen Gremien gegen die Meinungen auseinander. Während der Finanzausschuss des Kirchenkreises für einen schnellen Abschied von Juist plädiert, setzt sich der Ausschuss für Freizeit und Begegnung für einen Erhalt des Seeferienheims ein.

Das fordert auch die Initiative „Retter Juist“. Sie hat die Immobilienexpertin Birgit Pohlmann, die mehrere generationenübergreifende Wohnprojekte erfolgreich entwickelt hat, dafür gewinnen können, ein Konzept für eine genossenschaftliche Trägerschaft zu erarbeiten. Und auch einen möglichen Finanzier aus dem kirchlichen Umfeld hat die Initiative bereits in Aussicht.

Ihr Ziel, das von einem Antrag der Lydia-Gemeinde aus der Nordstadt unterstützt wird, ist, einen Beschluss über die Zukunft des Ferienheims auf die Sommersynode 2019 zu verschieben. So soll für die Erarbeitung eines neuen Konzepts Zeit gewonnen werden.

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