Schwerer sexueller Kindesmissbrauch: Zwei Anzeigen gegen Kita-Mitarbeiter

dzErmittlungen laufen

Ausnahmezustand in einer Dortmunder Kindertagesstätte: Zwei Familien beschuldigen einen Kita-Mitarbeiter des Kindesmissbrauchs. Die mutmaßlich Geschädigten sind zwei und drei Jahre alt.

Dortmund

, 17.01.2020, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt wohl kein Verbrechen, das in unserer Gesellschaft so geächtet ist, wie sexueller Missbrauch von Kindern. Entsprechend schwer wiegen die Vorwürfe, die gegen einen Mitarbeiter einer Dortmunder Kita erhoben werden: Er soll zweimal innerhalb von drei Monaten Kinder misshandelt haben.

In dem Fall steht Aussage gegen Aussage, es gibt polizeiliche Ermittlungen und Suspendierungen, aber keine öffentlich bekannten Beweise für die Taten. Dafür gibt es Rundbriefe, die alle Eltern über die Vorwürfe informieren - und dadurch eine Kita in Aufruhr.

Zunächst wurde die Polizei im September 2019 auf den Mann aufmerksam. Ein zwei Jahre altes Mädchen habe bei der Rückfahrt aus der Kita gegenüber seiner Mutter über Schmerzen geklagt. So berichtet es eine Dortmunderin im Beisein der Frau. Aus emotionalen Gründen kann sie selbst nicht über den Vorfall reden.

Verschiedene Aussagen zu möglichen Verletzungen

Am selben Tag sei die Familie zum Kinderarzt gefahren, der sie weiter in die Kinderklinik schickte. Dort seien Verletzungen im Intimbereich festgestellt worden, berichtet die Frau.

Von der Staatsanwaltschaft heißt es Mitte Januar jedoch, den Ermittlern seien keine Verletzungen bekannt. In der Kita habe sich das Kind gegenüber dem Mann verängstigt gezeigt. DNA-Spuren von ihm seien bei der Untersuchung des Mädchens aber nicht gefunden worden.

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„Ein zwei Jahre altes Kind denkt sich so etwas nicht aus“, ist sich die Frau sicher. Das Mädchen wurde auf Wunsch der Eltern sofort aus der Kita genommen und wird seitdem woanders betreut.

Sieben Wochen nach dem Vorfall hat der Evangelische Kirchenkreis einen Brief an die Familien der betroffenen Einrichtung herausgegeben. Darin steht, dass es eine Strafanzeige gegen einen Mitarbeiter gegeben habe. Auf Bitten der Polizei sei zunächst Vertraulichkeit vereinbart worden, der Mitarbeiter sei vom Dienst freigestellt worden.

Das erste Verfahren ist eingestellt worden

In dem Brief zitiert Fachbereichsleiter Jochen Schade-Homann die Polizei: „Eine vage Vermutung hat zur Strafanzeige geführt. (...) Die Vorwürfe haben sich als gegenstandslos erwiesen und die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt.“

Umfangreiche Ermittlungen mit zahlreichen Vernehmungen hätten dazu geführt, dass sich der Tatverdacht nicht erhärten ließ, formuliert es die Polizei gegenüber unserer Redaktion. Der beschuldigte Mitarbeiter hat Mitte November seinen Dienst wieder aufgenommen.

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Am 30. Dezember wurde dann eine erneute Strafanzeige gegen denselben Beschuldigten gestellt, von einer zweiten Familie. Es bestehe der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, so Polizei-Sprecherin Nina Kupferschmidt. Sie betont, wie sensibel man mit so einem Vorfall und den Aussagen kleiner Kinder umgehen müsse. Ein dreijähriges Mädchen sei aktuell als mutmaßliche Geschädigte bekannt.

Aktuell ist der Beschuldigte nicht im Dienst

Der Mitarbeiter wurde erneut mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt. „Wir sind überzeugt, dass Ihre Kinder in der Einrichtung gut und sicher aufgehoben sind“, schreibt Jochen Schade-Homann in einem aktuellen Elternbrief vom 14. Januar: „Wir bitten Sie, der Einrichtung weiter Ihr Vertrauen zu schenken und sich nicht an Mutmaßungen zu beteiligen.“

Sobald belastbare Informationen vorliegen, werde man die Eltern darüber informieren. Die zuständige Kita-Leiterin möchte sich zu den Ermittlungen nicht äußern und verweist auf den Fachbereichsleiter.

„Er hat den Vorwurf für haltlos erklärt“

„Wir versuchen, sehr sorgfältig mit dem Thema umzugehen“, sagt Kirchenkreis-Sprecher Wolfram Scharenberg auf Nachfrage. Erweisen sich die Vorwürfe erneut als haltlos, sei eine vorschnelle Vorverurteilung für den Beschuldigten „eine Katastrophe“.

„Er hat in allen Gesprächen den Vorwurf für haltlos erklärt“, sagt Wolfram Scharenberg. Sollte der Mann nicht verurteilt werden, solle er auch seinen Job weiter ausüben können. An erster Stelle stehe definitiv der Kinderschutz, der Fall müsse eindeutig aufgeklärt werden, so der Sprecher.

Wegen des laufenden Verfahrens veröffentlichen wir nicht den Namen der betroffenen Kita. Weil es in Dortmund wenig männliche Erzieher gibt, wird auch der Stadtteil, in dem sich die Einrichtung befindet, bewusst nicht genannt.
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