Der Angeklagte Ex-Mitarbeiter des Verkehrsamts neben seinem Verteidiger Carsten Kuhlmann. © Martin von Braunschweig
Illegale Zulassungen

Schmiergeld-Skandal im Verkehrsamt: Bewährungsstrafe für Mitarbeiter?

Der wegen Bestechlichkeit angeklagte Ex-Mitarbeiter des Straßenverkehrsamts darf auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind sich einig wie nur selten.

Der 61-jährige Angeklagte hat gestanden, für einen befreundeten Kfz-Händler Hunderte Autos und Motorräder zugelassen zu haben, ohne dass für diese ein zwingend erforderliches TÜV-Gutachten vorlag. Als Gegenleistung soll er für jeden einzelnen Fall zwischen 50 und 100 Euro Schmiergeld kassiert haben.

Angeklagter habe sich überreden lassen

„Ich bin ein Typ, der einfach nicht nein sagen kann“, hatte der langjährige Stadtmitarbeiter im Prozess erklärt. Sein Freund habe ihn überredet, weil er sich die hohen Gutachterkosten sparen wollte. „Und ich habe mich breitschlagen lassen.“

Dass er damit seinen Arbeitgeber und auch seine Kollegen hinterging, tut dem 61-Jährigen bis heute fast am meisten leid. „Ich möchte mich bei allen entschuldigen, vor allem bei meinen Kollegen“, sagte der Mann am Mittwoch in seinem sogenannten letzten Wort.

Entschuldigung bei Kollegen

Zuvor hatten sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger des Angeklagten auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Angesichts der vielen Gesichtspunkte, die für den Angeklagten sprechen, sei das absolut angemessen, sagte die Anklagevertreterin.

Während sie zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragte, hielt Verteidiger Carsten Kuhlmann sogar ein Jahr und neun Monate für ausreichend. Das Urteil wird am 3. März gesprochen.

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