Satirischer Monolog im Studio: Andreas Beck brilliert als Mauerniederreißer Uhltzscht

dzSchauspielhaus Dortmund

Schauspieler Andreas Beck hat den Wende-Roman „Helden wie wir“ für die Bühne adaptiert und feierte mit dem Monolog im Studio umjubelte Premiere. Muss nun die Geschichte umgeschrieben werden?

von Britta Helmbold

Dortmund

, 10.11.2019, 00:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich war´s, ich habe die Mauer umgeschmissen“ – mit diesen Worten beginnt Andreas Becks großartiger Soloabend „Helden wie wir“ im Studio des Schauspielhauses am Samstag. In 80 Minuten rekapituliert er die Geschichte von Klaus Uhltzscht – bis zum entscheidenden Moment am 9. November 1989.

Vor 22 Jahren hatte der wunderbare Schauspieler den satirischen Wende-Roman von Thomas Brussig schon einmal aufgeführt - in Eisleben. Genau 30 Jahre nach Mauerfall feierte er mit dem witzigen Monolog Dortmunder Premiere - und erntete Bravo-Rufe und stehende Ovationen.

Das Leben des verklemmten Stasi-Mitarbeiters im Schnelldurchlauf

In der exzellent verdichteten Bühnenfassung von Peter Dehler brilliert Andreas Beck, versteht es, den Humor auszuspielen. Auf der bis auf einen Holzschrank, der an der Kante mit Deutschland-Fahnen-Farben dekoriert ist, und einen Hocker leeren Spielfläche lässt der Mime das Leben des DDR-Bürgers Uhltzscht im Zeitraffer aufleben.

Wir sehen Klein-Klaus am Esstisch, der Hochschrank liegt nun auf der Seite, wenn die Eltern über ihn Gericht halten. Wir erleben ihn im Ferienlager: Die anderen Jungen wissen um die Stasi-Tätigkeit ihrer Väter, nur Klaus meint, dass sein Papa, weil er beim Ministerium für Außenhandel arbeitet, eine Art Straßenverkäufer sei. Und von Sex hat er auch keine Ahnung, die Pubertät wird schwierig ...

Versager Uhltzscht hat einen Hang zum Größenwahn

Er ist der Typ, der nie etwas weiß. Er fühlt sich als Versager, versteht es allerdings, seine Minderwertigkeitskomplexe mit Größenwahn und sexuellen Perversionen zu kompensieren. Nachdem er es als Neunjähriger auf die Titelseite der auflagenstärksten DDR-Wochenzeitung, der NBI (Neue Berliner Illustrierte), durch seine Teilnahme an der Messe „Meister von morgen“ geschafft hat, wähnt er sich als Nobelpreis-Anwärter.

Später landet er bei der Stasi, obwohl er sich da nicht so sicher ist. Denn das Wort fällt nie, es heißt nur immer: „Sie wissen ja, wo Sie jetzt sind.“ Er hofft auf einen Einsatz in der blauen Welt, mit dieser Farbe waren die kapitalistischen Länder in seinem Schulatlas markiert. Für seinen Tagtraum setzt er eine Sonnenbrille auf und lässt sich zu entsprechender Musik von blauen Lichtspots umkreisen. Bis aus dem Off Major Wunderlich, gesprochen von Uwe Schmieder, mahnt: „Unauffällig.“

Dieses grandiose Spiel sollte man nicht verpassen

Schließlich knallt Uhltzscht bei einer Demonstration eine Treppe runter. Sturzbedingt schwillt sein Penis enorm an – und mit diesem Teil bringt er die Grenzposten zum Öffnen des Tors.

Beck wechselt gekonnt vom Erzählmodus in Dialogszenen, mimt seine Wegbegleiter, meistert das szenische Spiel mit Gestik, Mimik und Stimmmodulation. Unbedingt ansehen!

Termine: 7.12., 20 Uhr, 25.12., 18.30 Uhr, 15.1., 20 Uhr, im Studio des Schauspielhauses; Karten: Tel. 5027222. www.theaterdo.de
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