Sanierung des Envio-Geländes am Dortmunder Hafen soll im Dezember abgeschlossen sein

PCB-Skandal

Letztes Kapitel für die Sanierung des vormals PCB-verseuchten Envio-Geländes am Hafen: Seit Donnerstag (25.10.) läuft die Demontage der letzten Hallen. Ende 2018 soll endgültig Schluss sein.

Dortmund

, 25.10.2018, 17:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sanierung des Envio-Geländes am Dortmunder Hafen soll im Dezember abgeschlossen sein

Mit einem 100 Tonnen schweren Kran werden Betonplatten an der Außenwand von Halle I bei Envio abgetragen. © Dieter Menne

„Ja, gut so. Jetzt nach links! Und stopp!“ Christian Schliwinski steht mit dem Walkie-Talkie auf der Hebebühne und dirigiert seinen Kollegen hoch oben im Kran. Der ist an diesem Donnerstag (25. 10.) gerade dabei, die fünf Tonnen schwere Betonplatte, die mit Ketten am Kran hängt, aus luftiger Höhe vorsichtig herunterzulassen. Stück für Stück, bis die Betonplatte schließlich den Boden erreicht hat.

Demontage bei fließendem Verkehr

Es ist ein kleines Kunststück, das die von der Arnsberger Bezirksregierung beauftragten Unternehmen an der Kanalstraße bei fließendem Auto- und Lkw-Verkehr aufführen: Mit einem 100 Tonnen schweren Kran werden in diesen Tagen insgesamt 36 obere Betonplatten an der Außenwand von Halle I abgetragen. Diese Herangehensweise sei zwar zusätzlicher Aufwand, sagt Lothar Mikalewski, Bauleiter der Firma Heitkamp. „Aber wir gehen auf Nummer sicher.“

Einfach den Bagger kommen zu lassen, das funktioniere nicht. „Die Gefahr ist viel zu groß, dass sich andere Platten lösen und unkontrolliert auf die Straße schlagen.“ Sobald alle Platten abgetragen sind, werden sie von Styropor befreit und zerkleinert. „Recyclingmaterial für den Straßenbau“, sagt Mikalewski.

Futter für die Sonderbehandlungsanlage

Mit der Sanierung von Halle 55 auf dem ehemals PCB-verschmutzten Envio-Gelände sind die Arbeiter längst fertig. Jetzt geht es darum, die Außenwände der beiden letzten Hallen I und II zu demontieren. Sie sind baulich miteinander verbunden und werden beide komplett abgetragen. Es sind ohnehin nur noch leere Hüllen: Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen haben die Arbeiter inzwischen sämtliche Einbauten demontiert, dabei unter anderem den Boden in der vormals stark PCB-verseuchten Halle I abgefräst und die Wände mit Wasserdruck bestrahlt.

Auch die Dächer sind längst abgetragen. Der Bauleiter deutet nach rechts. Da liegen sie, rund 400 Dachplatten, per Hand gelöst und mit einem zweiten Kran herunter gehievt. Sie landen in einer Sonderbehandlungslage in Leipzig.

Sanierungs-Kosten bis zu 7,5 Millionen Euro

Joachim Schmied steht am Straßenrand und beobachtet die Arbeiten. Er ist für Umweltfragen zuständiger Hauptdezernent bei der Arnsberger Bezirksregierung, sie hat die Firmen mit der Sanierung beauftragt. Die ersten Maßnahmen starteten 2010.

Acht Jahre später, im Dezember 2018, wenn auch die letzten Außenflächen abgefräst und mit neuer Asphaltschicht bedeckt sind, soll die Sanierung endgültig beendet sein. Die Kosten, bis zu 7,5 Millionen Euro, lägen innerhalb der Kalkulation, sagt Schmied. „Obwohl man vorher nie hundertprozentig weiß, was einen erwartet.“

Stadt sichert sich die fünf Hektar große Fläche

Schmied stellt sich darauf ein, dass die Kosten dessen, was die insolvente Skandalfirma Envio Recycling hinterlassen hat, an der Bezirksregierung (und damit an öffentlichen Kassen) hängen bleiben. Aus der Insolvenzmasse der Envio Recycling GmbH ist nicht mehr viel zu holen.

Nächster Hausherr über die fünf Hektar große Industriefläche könnte die Stadt Dortmund werden. Sie ist dabei, das Erbbaurecht an der Fläche aus der Insolvenzmasse zu übernehmen, wie Robert Litschke, Sprecher der Wirtschaftsförderung, bestätigt. „Die Gespräche mit dem Insolvenzverwalter sind geführt, die politischen Beschlüsse auf dem Weg.“ Anfang 2019 soll das Grundstück in Händen der Stadt sein. Sie will dort „zukunftsorientierte Nutzungen“ ansiedeln.

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Im Streit um die Sanierung des Envio-Geländes im Hafen klagt die Stadt erfolgreich gegen die Bezirksregierung. Eine Ordnungsverfügung von 2014 wird für rechtswidrig erklärt. Von Martin von Braunschweig

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