Roboter aus Bodelschwingh sollen Menschen in der ganzen Welt retten

dzNeues Forschungszentrum

Die Feuerwehr Dortmund könnte in Zukunft Leben in Bayern oder auf Bali retten - zumindest indirekt. Unter ihrer Leitung entsteht das bundesweit führende Forschungszentrum für Rettungsroboter.

Dortmund

, 11.06.2020, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kannte man sie früher nur aus Science-Fiction-Filmen, so verrichten sie ihren Dienst mittlerweile auch als Staubsauger in der Wohnung oder als Rasenmäher im Garten: Roboter.

Künftig sollen sie bei der Rettung von Menschenleben ebenfalls eine größere Rolle spielen - und dazu will die Feuerwehr Dortmund einen entscheidenden Teil beitragen. Denn bei der Entwicklung solch moderner Helfer hat sie deutschlandweit den Hut, oder besser: den Helm, auf.

Einsätze von Fukushima bis Paris

„In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Robotik viel Potenzial besitzt“, sagt der Direktor der Feuerwehr Dortmund, Dirk Aschenbrenner, „gerade in Bereichen, die für Menschen gefährlich sind.“

Als Beispiele führt er die nukleare Katastrophe in Fukushima und den Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame an, wo bereits Roboter im Einsatz waren. „Aber auch bei einer Explosion in Hörde haben wir vor einigen Jahren schon mit Drohnen gearbeitet, die einen Einblick in unzugängliche Bereiche ermöglichten.“

Ein mögliches Einsatzgebiet: Dieser Roboter verschließt einen Kanister mit einer ätzenden Flüssigkeit.

Ein mögliches Einsatzgebiet: Dieser Roboter verschließt einen Kanister mit einer ätzenden Flüssigkeit. © Feuerwehr Dortmund

Um die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben, wurde 2006 das Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR) der Feuerwehr Dortmund gegründet, 2018 kam der Aufbau des Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums (DRZ) mit einem eigenen Trägerverein hinzu.

Nachdem ein ursprünglich auf Phoenix-West geplantes DRZ-Gebäude nicht gebaut werden konnte, hat das Zentrum seit dem 1. Juni 2020 endlich ein Zuhause: Am Rohdesdiek in Bodelschwingh wurde auf dem Gelände der Maschinenfabrik Völkmann eine Hallenhälfte angemietet.

Die Halle werde momentan ausgestattet, damit dort künftig geforscht und getestet werden könne, erläutert Aschenbrenner; zudem sollen in Bodelschwingh Schulungen und Zertifizierungen stattfinden.

Im Mittelpunkt des Kompetenzzentrums steht aber das sogenannte „Living Lab“, das neben Werkstätten auch über Testflächen in der Halle sowie im Außenbereich verfügen soll. Dort können die neu entwickelten Systeme unter verschiedensten Bedingungen erprobt und später weltweit eingesetzt werden.

Roboter müssen in Trümmerfeldern flexibel sein

Denn solch ein Roboter verrichtet seine lebensrettenden Aufgaben längst nicht immer auf ebenem Untergrund, sondern kommt auch bei Waldbränden, Chemieunfällen oder nach Erdbeben zum Einsatz. Die speziellen Maschinen müssen somit Treppen überwinden können, mit sandigem Boden klarkommen oder sogar in Trümmerfeldern flexibel sein.

Und genau solche Geländeprofile, durch die sich die Rettungsroboter ihren Weg bahnen müssen, werden in Bodelschwingh angelegt. Außerdem entstehen im Außenbereich Flugfelder, auf denen der Umgang mit Drohnen perfektioniert werden kann. Ein spezielles Fahrzeug, von dem aus die Roboter und Drohnen gesteuert werden, befindet sich momentan ebenfalls im Bau.

Rauch-Schnüffelsystem soll Lösch-Drohne losschicken können

Angesichts künftiger Einsatzbereiche der hochkomplexen Helfer hat Dirk Aschenbrenner bereits Visionen: „Bislang besitzen beispielsweise große Lagerhallen eine stationäre Löschanlage. Effektiver wäre aber ein sensibles Rauch-Schnüffelsystem, das einen Brandherd exakt lokalisiert und eine Drohne mit kleiner Löschkartusche losschickt, die nur den Brand löscht.“ Ein komplett unter Wasser gesetztes Lager gehörte damit der Vergangenheit an.

Besonders wichtig ist dem Feuerwehr-Direktor aber, dass Roboter entwickelt werden, die dort zum Einsatz kommen, wo ein Mensch nicht hingelangt - oder wo extreme Gefahren wie Explosionen auf ihn lauern. Technik also, die auch das Leben der Feuerwehrleute rettet.

Feuerwehrleute sind nicht zu ersetzen

Aber machen solche Erfindungen die Feuerwehrleute nicht irgendwann arbeitslos? Aschenbrenner schüttelt den Kopf: „Roboter unterstützen uns, werden uns aber nicht ersetzen. Sie werden nie eine soziale Komponente besitzen - und Menschen brauchen Zuspruch.“

Zur Sache

Entwerfen, bauen, testen

  • Der Plan für die kommenden Jahre sieht wie folgt aus: Die vom Dortmunder Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie entworfenen Roboter sollen von Industriefirmen gebaut und im Deutschen Rettungsrobotik-Zentrum anschließend getestet sowie den Anwendern vertraut gemacht werden.

  • Beim DRZ koordiniert die Feuerwehr Dortmund die Durchführung des Gesamtprojektes und ist mit Mitgliedern der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr in fast allen Bereichen eingebunden.

  • Dem gemeinnützigen Verein DRZ gehören unter anderem Mitglieder aus der Forschung, wie die TU und die Fachhochschule Dortmund, sowie aus der Industrie an.

  • Gefördert wird das Projekt seit 2018 über zweimal vier Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit jeweils 12 Millionen Euro.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Prozessauftakt am Landgericht
Mutmaßlicher Vergewaltiger verfolgte Frauen durch die Nordstadt