Rigorose Zuspätkommer-Regelung an Dortmunder Hauptschule sorgt für Diskussionen im Netz

dzHauptschule am Hafen

Die Hauptschule am Hafen schließt Schüler vom Unterricht aus, die zu spät kommen oder offenkundig keinen Bock auf Schule haben. Unser Artikel rief die unterschiedlichsten Reaktionen hervor.

Dortmund

, 08.10.2018, 13:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bedingungen an der Dortmunder Hauptschule sind nicht einfach. 90 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund, 80 Prozent leben von Unterstützungsleistungen. Einen geregelten Tagesablauf kennen viele von zuhause aus nicht (wir berichteten).

Das Tor bleibt geschlossen

Zusätzlich sei der Unterricht regelmäßig gestört worden, durch Schüler, die zu spät kamen oder störten, weil sie offenkundig keine Lust am Unterricht hatten, berichtete uns Norbert Rempe-Thiemann, Rektor an der Hauptschule am Hafen. Also habe man sich entschlossen, die Tor vor der Schule zu schließen; wer zu spät kam, kam nicht mehr herein, wer störte, musste den Unterricht verlassen.

Unsere Berichterstattung über diese Praxis wird öffentlich rege diskutiert. Die Reaktionen etwa in den Kommentaren unter dem Artikel bei Facebook reichen von „Richtig so!“ bis zu „Geht gar nicht“.

So schreibt Schülersprecher Batuhan Eroglu: „Ich bin der Schülersprecher der Schule am Hafen, und ich finde diese Regel sehr gut, dass das jetzt vorläufig läuft in der Schule. Die Kinder sollen lernen, pünktlich zu sein.“

Wihoga arbeitet eng mit der Schule zusammen

Voll des Lobes ist Harald Becker, Schulleiter der Wihoga, einer privaten Aus- und Weiterbildungsinstitution im Hotel- und Gastronomiegewerbe: „Diese Schule ist in jeder Beziehung vorbildlich. Es wird langsam Zeit, dass die Gesellschaft erkennt, dass es eine Zukunft und ein harmonisches Zusammenleben und -arbeiten nur mit Konsequenz und Regeln gibt.

Die Wihoga Dortmund arbeitet seit Jahren sehr gerne und gut (mit der Schule) zusammen und nimmt deren Schülerinnen und Schüler in die Hotelberufsfachschule auf. Dort erzielen sie hervorragende Ergebnisse und erhalten den letzten ‚Schliff‘ für eine Top-Ausbildungsstelle.“

„Die Kinder können nichts für die Fehler ihrer Eltern“

Viele Stimmen sehen die Eltern in der Pflicht, es könne nicht Aufgabe einer Schule sein, Versäumnisse auszugleichen. So schreibt User Patrick Perz Kalle: „Die Kinder können nichts für die Fehler ihrer Eltern...“ Gleichzeitig sollte die Schule die Kinder nicht im Stich lassen, so Kalle weiter: „Die Schule sollte lieber dafür sorgen, dass sie ein Weg findet, auch Schüler, die aus einem Elternhaus stammen, in dem es egal ist, was aus ihren Kindern wird, zu unterstützen und zu fördern. Denn sich es einfach machen und die Kinder zu suspendieren, ist denke ich der falsche Weg. Denn dann ist die Schule nicht besser als die Eltern, und die Kinder haben keine Chance mehr...“

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Wer zu spät kommt, muss draußen bleiben - ist diese Regel der Hauptschule am Hafen eine gute Idee?

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Ähnlich sieht es auch Martina Rüdiger. Die Kinder seien nicht schuld, schreibt sie, schuld seien die Eltern. Den Kindern sei wahrscheinlich nicht beigebracht worden, wie wichtig Schule sei und was Pünktlichkeit bedeute.

Fürsorgepflicht der Schule?

Einige Leser meinen, die Schule mache es sich zu einfach. Schließlich habe sie eine Fürsorgepflicht: „Kinder wegschicken bedeutet doch auch, dass sie sich unkontrolliert irgendwo aufhalten. Die Eltern wähnen ihren Nachwuchs in der Schule, während dieser sich herumtreibt“, schreibt Regina Bandurski. Monika Landgraf fragt mit Blick auf die Schulpflicht, was wohl die Schulkonferenz dazu sage.

Ob das Fernbleiben vom Unterricht bei den Schülern überhaupt als Strafe ankomme, fragt sich Pascal Schmidt: „Wer also keinen Bock auf Schule hat, wird dadurch ‚bestraft‘, dass er keine Schule hat? Falscher Ansatz. Lieber die Verlorene Zeit in der Freizeit nachholen lassen!“

Das sieht Rainer Hüsch ähnlich, und er hat eine pragmatische Lösung: „Nachsitzen lassen! Da werden die ganz schnell pünktlich.“

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