Riesiger Boom bei Bio-Lieferdiensten: Umsätze zeitweise verdoppelt

dzFolge der Corona-Krise

Regionale Bio-Lieferdienste haben von der Corona-Krise stark profitiert. Zwischenzeitlich musste sogar neues Personal eingestellt werden. Dabei hätte noch mehr Ware verkauft werden können.

Dortmund

, 17.06.2020, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gesunde Lebensmittel in der Küche und sich dabei noch den Gang in den Supermarkt sparen - für viele Menschen scheint das vor allem in Zeiten der Corona-Krise eine besonders reizvolle Möglichkeit zu sein, um den Kühlschrank zu füllen. Auch in Dortmund erleben Bio-Lieferdienste einen wahren Nachfrage-Boom. Gleichzeitig hoffen sie auf einen anhaltenden Effekt.

Die Nachfrage an regionalen Lebensmittel-Erzeugern ist in der Corona-Krise teils massiv angestiegen. Wenn es um globale Lieferketten geht, scheint die Skepsis bei vielen Kunden groß zu sein. Das Vertrauen in ortsansässige Händler ist indes gestiegen. Das schlägt sich auch in Zahlen nieder.

Neue Mitarbeiter konnten eingestellt werden

„Die Branche der regionalen Bio-Lieferdienste verzeichnet in der Corona-Krise stark gestiegene Umsätze. In der Spitze lag das Plus bei bis zu 100 Prozent“, unterstreicht Marc Schmitt-Weigand von der Abokiste. Das Unternehmen hat sich auf die Fahne geschrieben, die Menschen mit Bio-Lebensmitteln aus der Region zu versorgen.

Aus Dortmund sind an dem Projekt die Werkhof-Gärtnerei in Grevel, das Gut Königsmühle in Ellinghausen und die Vollkornbäckerei Backdat beteiligt. Über das Internet können sich Kunden ihren regionalen Einkauf zusammenstellen und bekommen diesen dann bis an die Haustür geliefert.

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Zwar sei wegen der Corona-Krise mit der Belieferung von Schulen, Kitas und Büros ein wirtschaftliches Standbein über Nacht weggebrochen, „aber gleichzeitig hat der Nachfrage-Boom beim Lieferdienst sogar dazu geführt, dass wir neue Mitarbeiter einstellen konnten“, erklärt der Betriebsleiter.

Es hätte noch mehr Ware verkauft werden können

Zeitweise habe man keine neuen Kunden mehr aufnehmen können. Schmitt-Weigand: „Andernfalls hätten wir die Belieferung unserer Bestandskunden nicht mehr sicherstellen können.“

Und auch sonst habe die Corona-Krise zu Veränderungen im Arbeitsalltag geführt. Unter anderem sei ein Zwei-Schichten-System beim Kommissionieren eingeführt worden. „Das ist natürlich auch den erforderlichen Schutzmaßnahmen geschuldet. Außerdem haben wir die Büroplätze räumlich voneinander getrennt und verschärfte Hygienestandards umgesetzt“, so Schmitt-Weigand.

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Von wirtschaftlichen Turbulenzen, wie sie in vielen anderen Bereichen derzeit zu beobachten sind, scheint man bei den Bio-Lieferdiensten vergleichsweise weit entfernt. Schmitt-Weigand zufolge hätte man sogar deutlich mehr Ware verkaufen können, als man bekommen habe. „Dank einer offenen Kommunikation konnten wir aber auch in diesen Situationen auf das Verständnis unserer Kunden vertrauen.“

„Normalisierung auf deutlich gestiegenem Niveau“

Eine ähnliche Entwicklung beobachtet Katrin Ahmann von der Kette Super-Biomarkt, die ebenfalls einen Lieferdienst in Dortmund betreibt. „Die erhöhte Nachfrage hat zu einem gestiegenen Arbeitsaufkommen geführt, und deshalb haben auch wir kurzfristig neue Mitarbeiter eingestellt. Wir konnten den Bedarf dabei mit Menschen aus anderen Bereichen decken - zum Beispiel aus der Tourismusbranche.“

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Beim Thema Verfügbarkeit von Waren zeigt sich Ahmann allerdings etwas positiver. Hier sei man grundsätzlich sehr gut aufgestellt. „Es gibt nur wenige Ausnahmen. Dazu zählt, dass es aufgrund der Erntesituation aktuell noch Probleme bei der Beschaffung mancher Getreidesorten gibt.“

Was bleibt, ist die Frage nach der Konstanz dieser Entwicklung. In den vergangenen Wochen seien die Umsatzanstiege laut Marc Schmitt-Weigand insgesamt zwar wieder etwas zurückgegangen, der generelle Zuwachs belaufe sich allerdings weiterhin auf bis zu 70 Prozent. Er rechne auf längere Sicht mit einer „Normalisierung auf deutlich gestiegenem Niveau“.

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