Feuerwerks-Boykott von Rewe-Chefs: Experte warnt vor „gefährlichem Halbwissen“

dzRewe-Märkte

Einige Rewe-Märkte in Dortmund verkaufen 2019 keine Feuerwerkskörper. Die Meinungen dazu sind gespalten. Nun übt ein Dortmunder Pyrotechniker deutliche Kritik. Er sagt: Alles Unsinn!

Dortmund

, 20.12.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als vor rund zwei Wochen die Rewe-Märkte Homberg auf dem Höchsten und von Wantoch in Eving verkündeten, kein Silversterfeuerwerk zu verkaufen, erzeugte das - vorsichtig gesagt - ziemlich viel Aufmerksamkeit in Dortmund. Weniger vorsichtig gesagt: Einige Dortmunder standen offenbar kurz vor der Explosion.

Jetzt hat sich einer zu Wort gemeldet, der schon von Berufs wegen ein Interesse an Feuerwerks-Kritik hat. Er sagt, die Rewe-Märkte würden gefährliches Halbwissen verbreiten.

Andere Art Feinstaub

Danny Seck (40) ist seit 20 Jahren Pyrotechniker und auch Inhaber des Unternehmens „Feuerbändiger“. Er organisiert und veranstaltet Großfeuerwerke, zum Beispiel für die Dortmunder Schausteller. Und er verkauft auch Silvester-Feuerwerk.

Der Feuerwerker kritisiert: Die Gründe für den Verzicht auf den Verkauf von Feuerwerk träfen so gar nicht zu – und seien zudem noch vorgeschoben.

Der Feinstaub, der durch geprüftes Feuerwerk in die Luft gelange, sei zu grob, um vom Menschen aufgenommen zu werden. Zudem verschwinde dieser auch schneller wieder aus der Luft, als zum Beispiel der Feinstaub aus Verbrennungsmotoren. Dazu verweist Seck auch auf eine Stellungnahme des Verbandes der pyrotechnischen Industrie.

Persönlich fügt er hinzu: „Ich stehe bei jedem Großfeuerwerk mittendrin und bin völlig gesund, vermutlich gesünder als ein 16-jähriger Raucher.“

Sachgemäße Handhabung wichtig

Auch Hinweise auf die Verletzungsgefahr und mögliche Hörschäden durch die Knallgeräusche an Silvester weist Seck zurück. Gefährlich sei Feuerwerk nur bei unsachgemäßer Handhabung.

Das Argument des Tierschutzes zieht Danny Seck ebenfalls in Zweifel. „Klar liebt nicht jedes Tier Feuerwerk“, räumt er ein. „Aber das wirkt jetzt so, als hätten Tiere nur an Silvester Angst und nicht zum Beispiel auch bei Gewitter.“

Vorwurf: vorgeschobene Argumente

Der Pyrotechniker sieht für den Verkaufs-Verzicht einen ganz anderen Grund. Als Feuerwerks-Händler, der auch Zulieferer für einige Supermärkte sei, wisse er, dass der Absatz von Feuerwerk dort rückläufig sei. „Es gibt sehr hohe Retouren-Quoten.“ Er sieht in der Aktion also vor allem betriebswirtschaftliche Gründe.

„An sich kann ja jeder entscheiden, so etwas zu tun“, sagt Danny Seck. „Nur eben nicht als Propaganda.“

Rewe-Märkte: machen keine Politik

Wie reagieren Rewe Homberg und Rewe von Wantoch auf diesen Gegenwind?

„Wir wollen keinen belehren“, betont Ulrich Budnik, Geschäftsführer von Rewe Homberg. Kunden hätten ihn darauf angesprochen, dass ihre Hunde an Silvester leiden. Daraufhin habe er beschlossen, auf den Verkauf von Feuerwerk zu verzichten. Auch sonst gebe es auf die Aktion überwiegend positive Rückmeldung.

„Unsere Kunden finden die Aktion gut - und wir kümmern uns eben in erster Linie um diese Personengruppe“, sagt Ulrich Budnik. „Ich habe doch keine Politik zu verkaufen.“

Auch Christopher von Wantoch, Geschäftsführer des gleichnamigen Rewes in Eving, betont: „Feuerwerk verbieten zu lassen liegt mir fern.“ Dennoch habe man die Entscheidung bewusst getroffen, auch wegen des Mülls, der durch Feuerwerk entsteht.

„Wir versuchen, für unser Umfeld etwas Gutes zu tun, so weit es im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt. Und dazu gehört für uns auch der Verzicht auf Feuerwerk.“

Rückläufige Umsätze beim Verkauf von Feuerwerk habe es laut den Geschäftsführern in keinem ihrer Rewe-Märkte gegeben. „Eher im Gegenteil“, sagt Christopher von Wantoch.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kriminalität
Nachbar der Emscherstraßen-Nazis: „Mehrheit der Anwohner nicht gegen Videoüberwachung“
Hellweger Anzeiger Umzug der Buchhandlung
Supermarkt am Mayersche-Standort? Edeka, Aldi, Rewe, Lidl und Kaufland äußern sich