Rewe-Chefs boykottieren Böller-Verkauf - Das sagen Edeka, Aldi und Lidl

dzFeuerwerk

Zwei Rewe-Betreiber haben aus ihren Filialen die Feuerwerkskörper verbannt. Sie glauben an einen Wandel. Wie sehen andere Dortmunder Supermärkte den Boykott? Und macht jemand mit?

Dortmund

, 10.12.2019, 06:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

133 Millionen Euro gaben die Deutschen 2018 für Feuerwerkskörper aus. Ein gutes Geschäft für Supermärkte und Discounter, an dem auch die Dortmunder Filialen teilhaben möchten.

Denn drei Rewe-Märkte in Benninghofen, auf dem Höchsten und in Eving sind augenscheinlich die einzigen Geschäfte der Branchenriesen, die in diesem Jahr keine Feuerwerkskörper anbieten.

Ein finanzieller Einschnitt

Christopher von Wantoch, Geschäftsführer des Evinger Rewe-Marktes, verzichtet erstmals auf den Verkauf. „Wir machen das der Umwelt und den Tieren zuliebe“, sagt der Geschäftsmann, der selbst einen Hund besitzt und weiß, wie panisch viele Vierbeiner auf die Knallerei reagieren.

Finanziell bedeute der Boykott sicherlich einen Einschnitt, genau beziffern lasse sich dieser Verlust aber nicht, erläutert von Wantoch. Denn ob ein Kunde neben Raketen und Böllern auch noch andere Artikel in den Einkaufswagen gelegt hätte, sei kaum nachvollziehbar: „Man kann gar nicht sagen, wer von den potenziellen Käufern ein Stammkunde ist und wer eigens für das Feuerwerk kommt.“

Stammkunden reagieren durchweg positiv

Apropos Stammkunden: Deren Reaktion auf den Verzicht sei durchweg positiv, sagt der Kaufmann, der Traditionen wie das Silvester-Feuerwerk nicht generell verteufelt. „Aber wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und möchten im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas tun.“

„Das ist erst der Anfang“

Die gleichen Gründe für den Böller-Boykott nennt Ulrich Budnik, Geschäftsführer der beiden Rewe-Geschäfte Homberg im Dortmunder Süden. Der Feuerwerk-Verweigerer geht davon aus, dass es aufgrund des Umwelt- und Tierschutzes künftig nicht bei einer solch überschaubaren Anzahl an feuerwerksfreien Supermärkten in Dortmund bleibt: „Ich glaube, das ist erst der Anfang.“

Außerdem kann sich Budnik vorstellen, dass das Interesse an Raketen oder Böllern von der Lage des Marktes abhängt: „Ich vermute, dass die Nachfrage in sozial schwächeren Gegenden größer ist.“

Theoretisch könnten auch die Dortmunder Edeka-Filialen auf Feuerwerk verzichten, erläutert Simone Erkens, Sprecherin von Edeka Rhein-Ruhr: „Edeka Rhein Ruhr besteht überwiegend aus selbstständigen Kaufleuten. Sie entscheiden dementsprechend individuell, ob sie Feuerwerkskörper zum Verkauf anbieten.“

Einige Märkte der Region hätten sich für einen Verzicht entschieden - ebenfalls aus Gründen der Nachhaltigkeit und aus Rücksichtnahme auf Tiere. Aber offenbar nicht in Dortmund: Denn bislang habe sie in der westfälischen Metropole keinen Markt gefunden, der komplett vom Feuerwerk-Verkauf absieht, fährt Erkens fort.

Umsatzzahlen bleiben geheim

Eines hingegen steht definitiv fest: In jeder der 27 Dortmunder Aldi-Filialen liegen zum Jahresende Raketen und Böller im Regal. Der Discounter-Riese biete auch in diesem Jahr Feuerwerkskörper an, teilte eine Sprecherin von Aldi-Nord auf Anfrage mit; damit reagiere man auf Kundenwünsche.

Welche Summe das Feuerwerk im vergangenen Jahr in die Kasse spülte, bleibt indes ein Geheimnis: Zahlen gebe das Unternehmen nicht preis.

Feuerwerkskörper in allen Filialen

Eine ähnliche Strategie fährt der Lidl-Konzern, der in allen 19 Dortmunder Filialen unter anderem Raketensortimente, Batterie- und Tischfeuerwerk anbietet. Gewisse Parallelen zum Konkurrenten Aldi sind bei der Begründung für das breite Sortiment nicht von der Hand zu weisen.

„Lidl Deutschland orientiert sich bei der Sortimentsgestaltung an Kundenwünschen“, sagt Sprecherin Sonja Kling. In Sachen Umsatzzahlen hält sich das Unternehmen ebenfalls grundsätzlich bedeckt.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass sich zwei Rewe-Märkte an dem Feuerwerk-Boykott beteiligen. Nach einer weiteren Recherche stellte sich aber heraus, dass es mindestens drei Dortmunder Filialen sind. Wir haben den Artikel entsprechend geändert.
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