Stadtförster Sebastian Vetter erklärt, was die Regenfälle der letzten Wochen für den Dortmunder Wald bedeuten. © Stobbe
Trockenstress

Rettet der miese Sommer 2021 den Dortmunder Wald?

In diesem Jahr läuft es anders: Nach drei Dürrejahren fällt mehr Niederschlag. Ist das die Rettung für die Natur in unserer Stadt, die in der Vergangenheit im Sommer sehr gelitten hat? Ein Experte gibt Antworten.

Wer will, kann dem unbeständigen Wetter, dem Wechselbad aus Trockenheit und Nässe in diesem Sommer Positives abgewinnen; denn Nutznießer ist der Dortmunder Wald. Er bedeckt etwa neun Prozent des Stadtgebiets.

Nach drei Trockenjahren hat der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig noch in diesem Frühjahr Flächen im Dortmunder Stadtgebiet tiefrot gefärbt. Tiefrot bedeutet extreme Dürre. Inzwischen hat sich die Situation nach den ausgiebigen Regenfällen der letzten Wochen und dem Unwetter mit einem Jahrhunderthochwasser am 14. Juli entspannt.

Das bestätigt auch Stadtförster Sebastian Vetter. Unabhängig vom Hochwasser, das zu einer Katstrophe geführt hat, die niemanden kalt lässt: Regen im Sommer sei erst mal gut, sagt er, schränkt aber gleichzeitig ein: „Es kommt auf die Regenmenge pro Zeiteinheit an.“

Erosionsschäden an Waldwegen

Die Regenmassen, die am 14. Juli auch in Dortmund vom Himmel gestürzt sind, obwohl wir hier vergleichsweise glimpflich davonkamen – das war mit etwa 40 Litern pro Quadratmeter und Stunde zu viel, sagt Vetter. „Das Wasser konnte nicht in den Boden eindringen, fließt den Bächen zu und nimmt auf den Wegen den Oberboden mit. Das wiederum führt zu Erosionsschäden auf den Waldwegen.“

Die städtischen Forstmitarbeiter hatten jede Menge zu tun, um Wege und möglicherweise abgebrochene Uferkanten zu kontrollieren. „Viel Aufräumarbeit“, sagt der Oberforstrat.

Doch unter dem Strich bleiben die zahlreichen Regenfälle ein Gewinn für den Wald. „Die Bodenfeuchte geht zurzeit bis in 60 Zentimeter Tiefe“, sagt der Stadtförster. Das bedeutet, mehr als ein halber Meter Oberboden ist gut mit Wasser gefüllt. „Das entspannt ein wenig“, so Vetter.

Im Norden gab es keine Probleme

Die Trockenheit der letzten drei Jahre hatte sich vor allem auf die flachgründigen Böden im Dortmunder konzentriert, wo der Wald auf Sandstein und Abhängen mit felsigem Untergrund steht. Der Stadtförster: „Im Norden hatten wir das Problem gar nicht. Dort haben wir tiefe Böden, die Wasser speichern können.“

Für zwei Baumarten kommt die Nässe dieses Jahres allerdings zu spät. Dazu zählt die Fichte. „Schäden aus den letzten drei Dürrejahren sind nicht mehr durch das jetzt verfügbare Wasser im Oberboden zu retten“, erläutert Vetter, „dieses Phänomen beobachten wir bei alten Bäumen nach wie vor.“

Fichten fast alle abgestorben

Alte, nicht vitale Bäume sterben bei anhaltender Trockenheit ab und sind ein leichtes Opfer für den Borkenkäfer. „Die Fichten sind fast alle abgestorben. Wir sind in der Planung zur Wiederaufforstung“, so der Waldexperte.

Auch große Buchen, die häufig an Bahnlinien sowie Waldaußen- und Siedlungsrändern stehen, haben als Folge aus der Dürre ihre Reserven langsam verbraucht und müssen laut Vetter aufwendig gefällt werden.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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