Sorgen der Dortmunder Real-Mitarbeiter wachsen

dzHandel

Momentan verhandelt die Metro AG mit einem Konsortium über den Verkauf der Real-Märkte. Der Dortmunder Betriebsrat übt Kritik - und berichtet über wachsende Ängste.

Dortmund

, 16.12.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst sah es so aus, als sollte der Verkauf der deutschen Real-Märkte von der Metro AG an den Immobilieninvestor Redos zügig über die Bühne gehen. Doch nach der plötzlichen Beendigung der Verhandlungen spricht die Metro nun mit dem x+Bricks-Konsortium über eine Übernahme der Handelskette. Im Raum steht eine Summe in Höhe von 500 Millionen Euro.

Leidtragende sind bundesweit die Real-Beschäftigten, darunter laut Metro 381 Mitarbeiter in den drei Dortmunder Filialen Kley, Aplerbeck und Eving: Sie blicken weiterhin in eine ungewisse Zukunft.

Neuigkeiten aus den Medien

„Das große Problem ist: Wir wissen nichts“, sagt Marko Anuth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender des Real-Marktes im Indupark in Kley. „Denn wir erfahren Neuigkeiten ja selbst nur über die Medien.“

Auch Anuth dachte, der Verkauf an Redos sei in trockenen Tüchern, zumal das Kartellamt die Transaktion bereits genehmigt hatte. Doch nun gibt es einen neuen Interessenten - und neue Sorgen bei den Beschäftigten.

Denn laut einer Absichtserklärung der Metro und x+Bricks soll der Real-Kern im Falle des Verkaufs zwar fortgeführt werden, doch gleichzeitg seien die Schließung einzelner Filialen und die Abgabe eines Großteils der Märkte an andere Händler geplant.

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Ziel sei es, so die Erklärung weiter, „die Händler vertraglich zur Übernahme der Real-Mitarbeiter zu verpflichten“. Doch dabei handelt es sich eben nur um eine Absichtserklärung und nicht um eine Garantie.

Schon bei den Gesprächen mit Redos habe er gehofft, dass die Dortmunder Märkte zu den Kerngeschäften zählten, die weitergeführt werden, sagt Anuth: „Gut wäre es gewesen, wenn alles beim Alten geblieben wäre. Denn allein in der Filiale im Indupark arbeiten über 200 Menschen.“

Die ansehnlichen Ausmaße des Marktes mit rund 12.000 Quadratmetern brächten zugleich aber ein Problem mit sich: „Das wäre für manche der möglichen Nachfolger einfach zu groß.“

Politik solidarisiert sich mit der Belegschaft

Interesse könnten eventuell Möbelhäuser zeigen, doch dem kann der Betriebsrat wenig abgewinnen: „Möbelmärkte benötigen weniger Mitarbeiter. Das wäre schlecht für uns.“

Allerdings dürfen Anuth und seine Kollegen auf eine breite Unterstützung aus der Politik bauen: Mit großer Mehrheit stimmte der Rat der Stadt einer Resolution zum Erhalt der Arbeitsplätze in den Dortmunder Real-Filialen zu.

Die Fraktionen von SPD, Grünen und Linke/Piraten hatten in dem Papier um Solidarität mit den Real-Beschäftigten gebeten sowie die Verhandlungspartner aufgefordert, endlich Klarheit für die Belegschaft zu schaffen und einen Vorratssozialplan mit ihr auszuhandeln.

Unzumutbare Hängepartie

„Die Hängepartie um den Verkauf der Real-Märkte ist für die Beschäftigten unzumutbar und muss ein Ende haben“, kritisiert auch die Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann das Hin und Her um den Verkauf der Supermarktkette.

Da sich die Mitarbeiter und ihre Familien von Tag zu Tag größere Sorgen um ihre Arbeitsplätze machten, erwartetet die Sozialdemokratin von einem Kaufinteressenten, „dass er für alle drei Häuser in Dortmund eine Bestandsgarantie ausspricht und für die nachhaltige Sicherung tarifgebundener Arbeitsplätze sorgt“.

Metro plant schnelle Entscheidung

Tatsächlich könnte sich schon bald klären, wie es mit den Dortmunder Filialen weitergeht. Laut Metro AG ist eine Vertragsunterzeichnung mit dem x+Bricks-Konsortium bis Ende Januar 2020 vorgesehen. Wann die Dortmunder Beschäftigten erfahren, ob sie übernommen werden, steht hingegen noch in den Sternen.

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