Quirlig und bunt ist unsere Stadt - und ein wenig chaotisch

dzOpernhaus

Die Bürgeroper „Hej Stadt!“ feierte Premiere am Opernhaus. Großer Beifall galt einem Stück, in dem Laien spielten und sangen. Ein geglückter Testlauf, obwohl einige Wünsche offen blieben.

Dortmund

, 29.06.2019 / Lesedauer: 3 min

An die 1000 Zuschauer - schon das ist ein Erfolg für die Macher der neuen „Bürgeroper“ am Dortmunder Opernhaus. Am Freitag ging die erste Produktion „Hej Stadt!“ über die Bühne, das Haus war gut gefüllt, der Beifall groß.

Das Konzept hinter der Bürgeroper („We Do Opera“) sieht vor, dass kulturinteressierte Dortmunder, mehr oder weniger Laien, an die Arbeit eines Opern-Ensembles herangeführt werden. Angeleitet von Profis gestalten sie eine Inszenierung, tauchen in die Opernwelt ein und bekommen ein tieferes Verständnis für die komplexen Prozesse, an deren Ende Aufführung und Premiere stehen.

Mehr Kunst für alle

Das Opernhaus stärkt so seinen Rückhalt in unserer Stadt. Die Kunst kommt aus ihrem Elfenbeinturm, wird offen für die Mitwirkung aller. Und schafft sich vielleicht ein deutlich sachkundigeres Publikum, das aus eigenem Erleben weiß, wieviel Mühe und Herzblut in jeder großen Produktion stecken.

„Hej Stadt“ muss man also auch als eine Art Testlauf betrachten, bei dem die Verantwortlichen (Regie und künstlerische Leitung: Günfer Cölgecen, Komposition und musikalische Leitung: Enver Yalcin Özdiker) mit einem Riesenapparat hantieren. Auf der Bühne tummeln sich um die 70 Leute (Darsteller und Chor), deren Positionen und Laufwege choreografiert werden wollen. Chorpassagen sind zu synchronisieren, Gesangs-Solisten haben ihren Auftritt.

Im Orchestergraben sitzen 14 Musiker, Özdiker ist ihr Dirigent. Timing und Einsätze klappen wunderbar am Freitag, das Zusammenspiel von Sängern und Musikern funktioniert reibungslos.

Es muss nicht immer perfekt sein

Özdiker hat eine Musik geschrieben, die nicht unbedingt druckvoll daherkommt. Posaune, Hörner, Tuba gibt es nicht im Orchester. Dort regieren Flöten, Geigen, Klarinette, Saxofon und eher leisere, flächige und nicht selten verspielt schräge Töne, nicht unbedingt Harmonieseligkeit.

Quirlig und bunt ist unsere Stadt - und ein wenig chaotisch

Ein buntes und fröhliches Durcheinander, aber auch ein schönes Miteinander. © Björn Hickmann

Manche Passagen der Solosängerinnen werden nur von Klavier und Streichern begleitet, was deren Stimmen angenehm freistellt. Leider haperte es öfter mit der Verständlichkeit der Liedtexte. Selbst in Reihe sieben kommen dann nur Bruchstücke vom Inhalt an, manches muss man sich zusammenreimen.

Ein Sockel steht neu in der Stadt, Arbeiter in Warnwesten plagen sich, einen Platz dafür herzurichten. Was soll dort entstehen? „Ich weiß es nicht!“, singt eine Dame. „Wer hat einen Plan?“, fragen die Arbeiter. „Die da oben!“

Eine Demonstartion in Form eines Theaterstücks

Politiker setzen gern sich selbst ein Denkmal, das wir Steuerzahler finanzieren, hören wir. In gesprochenen Momenten feiert das Stück Buntheit und Vielfalt unserer Stadt, Altersarmut wird angeprangert, eine Demo („Für unsere Stadt“) ist zu sehen.

Inszenatorisch lässt Günfer Cölgecen die Figuren immer mal „einfrieren“, es gibt Pantomimisches und kleine Slapstick-Miniaturen in dieser Collage aus Ensemblebildern. Dramaturgisch scheinen alle Szenen gleich gewichtet, sie bräuchten mehr Akzentuierung und eine griffigere Rundung zum Schluss. Ohne das kommt das Ende aus heiterem Himmel, man glaubt zunächst, nur der erste Akt sei vorbei. Trotzdem: ein gelungener Einstand. Optisch ein Genuss, beim nächsten Mal sollte aber mehr an den Konturen von Handlung und Geschichte gefeilt werden.

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