Putzfrau streikt: „Ich frage mich, ob die sich zu Hause auch so benehmen“

dzArbeitskampf in Reinigungsbranche

Verdreckte Toiletten, ständiger Zeitdruck, fast nie ein Dankeschön: Das ist der Arbeitsalltag von Anja Loibner. Nun hat die Putzfrau genug – und trat mit ihren Kolleginnen in den Streik.

von Niko Wiedemann

Dortmund

, 27.09.2019, 10:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anja Loibner muss täglich 15 Büros, die Kantine und die Toiletten in einem großen Unternehmen putzen – in nur 1,5 Stunden. Doch am Donnerstag blieben die Räume dreckig. Denn statt zur Arbeit ging die 48-Jährige in Dortmund auf die Straße.

Zusammen mit knapp 50 Kolleginnen und Kollegen protestierte Loibner unter dem Motto „Sauberkeit hat ihren Preis“ für feste tarifliche Lohn- und Urlaubszusagen in der Gebäudereinigung. Bereits am Mittwoch hatten nach Angaben der Gewerkschaft IG Bau 100 Reinigungskräfte in Dortmund gestreikt.

„Es fehlt die Wertschätzung“

„Putzen ist ein undankbarer Job, es fehlt die Wertschätzung für die harte Arbeit, die wir leisten“, sagt Loibner, die seit neun Jahren als Reinigungskraft arbeitet. Das ständige Bücken bedeute eine Dauerbelastung für den Rücken, viele Kolleginnen hätten mit chronischen Rückenproblemen zu kämpfen.

Hinzu komme der permanente Zeitdruck: „Die Arbeit ist in der Zeit kaum zu schaffen, wenn man einen guten Job machen will“, erzählt Loibner. Trotzdem werde sie meistens fertig – das sei eine Frage der Routine. Ein „Dankeschön“ höre sie aber so gut wie nie.

„Ich frage mich, ob die sich zu Hause auch so benehmen“

Stattdessen erschweren ihr die Beschäftigten des Unternehmens die Arbeit noch zusätzlich. Zigarettenstummel, die achtlos unter dem Schreibtisch entsorgt wurden, Krümel und Erdbrocken im Teppich und stark verunreinigte Toiletten seien keine Seltenheit: „Ich frage mich, ob die sich zu Hause auch so benehmen.“

Auch Hinweiszettel an den Toiletten und freundliche Bitten an die Unternehmensleitung hätten nichts geändert. Das frustriert die 48-Jährige:

„Manchmal denke ich, wenn das morgen so ist, lasse ich alles liegen.“

Rückhalt findet sie bei ihren Kolleginnen und Kollegen: „Wir sind ein Team und halten zusammen. Da hilft einer dem anderen.“

Verhandlungen über neuen Rahmentarifvertrag

Die aktuelle Entwicklung in der Reinigungsbranche verfolgt Anja Loibner mit Sorge. Nachdem das Bundesarbeitsgericht entschieden hatte, dass auch Teilzeitkräften ein Überstundenzuschlag zusteht, kündigten die Arbeitgeber zu Ende Juli den Rahmentarifvertrag auf. Daraufhin rief die Gewerkschaft IG Bau am Mittwoch (25.9.) bundesweit zu einem zweitägigen Streik auf.

Eine Lösung in diesem Arbeitskampf scheint schwer: Die IG-Bau befindet sich mit dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks bereits in der sechsten Verhandlungsrunde. Am Montag werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Auch Anja Loibner hofft auf eine Einigung. Bis dahin geht es erstmal wieder an die Arbeit.

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