Prof. Watzl: Omikron-Welle ist bei Älteren noch gar nicht angekommen

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Prof. Dr. Carsten Watzl leitet den Forschungsbereich Immunologie am Dortmunder Leibniz-Institut für Arbeitsforschung.
Prof. Dr. Carsten Watzl leitet den Forschungsbereich Immunologie am Dortmunder Leibniz-Institut für Arbeitsforschung. © Oliver Schaper (Archiv)
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Trotz rekord-hoher Inzidenzen läuft das öffentliche Leben in Dortmund aktuell mit wesentlich weniger Einschränkungen als in vorherigen Coronavirus-Wellen. Ein Blick auf Nachbarländer wie Frankreich lässt sogar die Frage aufkommen, ob noch weniger Maßnahmen möglich wären. Dortmunds bekanntester Corona-Experte hat sich zur Zukunft des Pandemie im WDR geäußert.

Wohl erstmal keine Lockerungen

Professor Carsten Watzl, Immunologe am Dortmunder Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, kam am Freitagabend (21.1.) sowohl in der Aktuellen Stunde als auch in der Lokalzeit Dortmund zum Thema Corona zu Wort.

In der Aktuellen Stunde äußerte er sich vor allem zur Frage nach möglichen Lockerungen. „Bei uns ist die Omikron-Welle bei den Älteren noch gar nicht angekommen“, so Carsten Watzl. „Von daher kann man noch gar nicht absehen, welche Folgen es hat wenn wir wirklich mal eine Inzidenz von 500 bei den über 60-Jährigen haben.“ Der Respekt vor diesen unklaren Folgen sei groß, deshalb werde es wohl in Deutschland erst einmal nicht zu Lockerungen kommen.

In der Lokalzeit Dortmund äußerte sich Carsten Watzl im Studio-Gespräch auch zur Ausnahme für Geboosterte von der Testpflicht in der Gastronomie. „Ehrlich gesagt ist das ein kleines Geschenk der Politik an die Geboosterten. Wir wissen ja, dass sich auch die anstecken können und damit auch für andere infektiös sein können. Von daher würde es viel mehr Sinn machen, wenn sich alle testen ließen.“

Kinder werden sich infizieren

Auch zu den Folgen der Omikron-Welle für Kinder und Eltern äußerte sich Carsten Watzl in der Lokalzeit. „Man hat die Wahl, ob sich das Kind ohne Impfung infiziert oder mit Impfung – weil irgendwann wird es sich, ehrlich gesagt, infizieren“, so der Immunologe.

Allerdings sei das bei Kindern ohne Vorerkrankung kein großes Problem, weil sie mit geringer Wahrscheinlichkeit schwer erkranken. Für Kinder, die geimpft sein, bewege sich das Risiko sogar auf dem Niveau der allgemeinen Lebensrisiken. Weil eine Impfung auch bei Kindern weniger Risiken berge, als eine Corona-Erkrankung, empfiehlt Carsten Watzl aber auch für Kinder die Impfung.

Winter werden weiterhin hohe Infektionszahlen bringen

Irgendwann werde die Auffrischung der Immunisierung für die meisten nicht mehr durch eine Booster-Impfung erfolgen, sondern durch eine Infektion – basierend auf einer Grundimmunisierung durch mindestens drei Impfungen, die vor einer schweren Erkrankung schützen.

„Es wird immer so weiter gehen, dass wir jeden Winter Coronavirus-Infektionen haben. Aber wenn die meisten durch die Impfung oder die Infektion vor einem schweren Verlauf geschützt sind, dann werden wir nicht dahin kommen, dass die Krankenhäuser überlastet sind.“

Dann könne es auch möglich sein, einen Winter ganz ohne Maßnahmen wie Kontaktreduzierung oder Maskenpflicht zu haben. „Ob wir da jetzt nächsten Winter schon sind, das wage ich noch ein bisschen zu bezweifeln.“